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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gefahren des Wettbewerbssports?



Adorno
23.06.2004, 12:37
Hallo,

einfach zum Nachdenken aus der Berichterstattung des DHV:

---------------von der Damen WM in Greifenburg-------------------
Bereits im Bereich der ersten Wende meldet mir Regina über Funk den Überschlag und die Schirmrettung einer österreichischen Pilotin in 3500 m. Sie kreist über der Absturzstelle und versorgt mich über Funk mit Beschreibungen der Absturzstelle. Es ist ein sehr unwegbares Gelände am Reißkofel in ca. 1500m Höhe. Nachdem ich Verbindung mit der Wettbewerbsleitung aufgenommen
hatte, informierte diese mich, daß die Pilotin sich per Handy gemeldet hat und daß sie okay sei. Erst dann setzte Regina ihren Wettkampfflug fort, sie hatte enorme Höhe verloren und hetzte nun dem Pulk hinterher.
Nun überschlugen sich die Ereignisse im wahrsten Sinne des Wortes.
Bei meiner Ankunft am Landplatz erfuhr ich, daß zwei weitere Piloten am Rettungsschirm irgenwo im Gelände nieder gingen, darunter die amtierende Weltmeisterin Cary Castle. Nach Aussagen der Wettbewerbsleitung seien sie aber weitesgehend okay....?
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-------------aktuell Herren EM in Millau---------------------------------
Ich bin skeptisch und besorgt um die Gesundheit der Teampiloten, allerdings stehe ich hier etwas
allein mit meiner Meinung, die meisten der Wettbewerbspiloten sehen dies selbst weniger kritisch. Aus meiner Sicht zum Teil ist dies verständlich, denn sie haben sich lange auf diesen Wettbewerb gefreut und vorbereitet.

Über Funk erreichte mich heute nachmittag die traurige Nachricht, daß ein kroatischer Wettbewerbspilot beim Landeanflug tödlich abgstürzt ist. Nach Zeugenaussagen hatte er in sehr turbulenter Luft in ca. 20m über Grund bei dem Versuch eine Waldschneise zu durchfliegen Baumberührung und stürzte tödlich ab.

Die Stimmung unter den Piloten ist entsprechend gedrückt. Ein Teil der Piloten ist noch bei der Rückholung und weiß noch nichts von dem Unfall. Gleich ist Teamleaderbreefing und ich werde näheres erfahren.



Von Corinna (hier als Jurymitglied tätig) erfuhr ich eben, daß sich ein holländicher Pilot beim Landeanflug ebenfalls schwer verletzt hat.
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------------------PWC Abtenau--------------------------
Heute früh haben wir noch mal im Internet das Wetter gecheckt und die Alternativplanung für heute gemacht. Dann die Überraschung: Am schlechtesten Tag der Woche wird nicht gecancelled, sondern ein Tal weiter nach Werfenweng gefahren. Dort angekommen, regnet es noch immer und die Basis lässt sich fast von unten anfassen. Doch wir fahren rauf, man weiß ja nie. Als dann um 13 Uhr ein Task von 37,7 km am Board steht, schneit es recht stark und Thermik ist nirgends auszumachen.

Als der erste Winddummy rausgeht, säuft er nicht wie erwartet ab, sondern soart vor dem Startplatz. Ein Österreicher macht den Anfang und haut sich raus. Am Gegenhang dreht er an dem einzigen Sonnenfleck des Tages auf - am Startplatz bricht plötzlich Hektik aus. Denn wie auch ich hat sich bisher niemand ernsthaft fertig gemacht. Doch die Aufgabe ist als Einzelzeitnahme ausgeschrieben und das Startfenster ist ganze drei Stunden offen.

Als ich dann startfertig bin, ist der Himmel wieder zu 8/8 bewölkt und Schneeschauer ziehen über den Startplatz. Ich starte recht unmotiviert und freue mich eigentlich nur darüber, gleich mit Marco und Dany gemeinsam abzusaufen. Doch selbst bei diesen schlechten Bedingungen finden wir Steigen und gehen die Aufgabe an. Mir kommt sofort La Reunion in den Sinn (wo die halbe Zeit im Regen geflogen wurde, Anm. Adorno)und es ist offensichtlich, dass die Zeit heute keine Rolle spielt - Hauptsache oben bleiben.


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Ist das normal?

Theo

kemde
23.06.2004, 12:51
Ist ein uraltes Thema und wurde schon sehr oft diskutiert, ohne Lösungen bzw. ohne Sensibilisierung der Veranstalter oder Piloten. Es werden weiterhin viel zu hohe Risiken bei Wettbewerben eingegangen, die sich leider auch auf die Normalflieger übertragen.

Gibt's Angaben über die Bedingungen, bei denen so viel passierte ?


Weitere Beispiele für Wettbewerbs"unfälle":
Letztes Jahr beim German Cup in Garmisch hingen zwei im Baum, weil eine Wende im Lee des Talwindes lag. Glüclicherweise waren da Bäume, keine Felsen.

Vor einigen Jahren in Südafrika bei den Nationals ein Toter und ein Schwerverletzter. Der Scherverletzten (habe den Namen vergessen) flog bei heftigen Bedingungen über unlandbares Gelände und mußte abhocken.

Bei den Österreichischen Meisterschaften vor einigen Wochen in Andelsbuch lag eine Wende im Schauer. Versteht sich von selbst, daß jeder da rein geflogen ist. Nix passiert ...

Warum machen die so was ? Ich faß mich da nur noch an den Kopp ... und habe da weder Mitleid noch Verständnis.

Fliegergrüße
Klaus

Mario Tejon
23.06.2004, 13:07
....
Warum machen die so was ? Ich faß mich da nur noch an den Kopp ... und habe da weder Mitleid noch Verständnis.

Fliegergrüße
Klaus

WER ?? Die Piloten oder die Veranstalter ?

Gebe dir zum nachsatz recht, jeder nimmt freiwillig am wettkampf teil.
Es ist niemand gezwungen zu starten. Es ist niemand gezwungen in
die Leeboye zu fliegen. (Schon gar nicht tief...)

Anders siehts allerdings aus wenn du die gerätesicherheit beim Drachen fliegen
ansprichst aber dazu gibts schon ein thema...

Gruss Mario

kemde
23.06.2004, 14:22
Gebe dir zum nachsatz recht, jeder nimmt freiwillig am wettkampf teil.
Es ist niemand gezwungen zu starten. Es ist niemand gezwungen in
die Leeboye zu fliegen. (Schon gar nicht tief...)

Anders siehts allerdings aus wenn du die gerätesicherheit beim Drachen fliegen
ansprichst aber dazu gibts schon ein thema...

Gruss Mario

Ich meinte beide "Seiten", Veranstalter und Piloten. Und Du hast netürlich theoretisch Recht: Es muß keiner mitmachen. Aber alle tun's. Und viel zu oft erwischt es einen oder zwei, wonach man kurz betroffen ist und danach - the show must go on - weitermacht, als wäre nichts gewesen.

"Lerneffekt" kann man das nicht nennen oder man (Veranstalter und Piloten) hat sich (oh jetzt krieg ich Prügel, aber der Verdacht drängt sich auf) eben einfach auf die Verluste eingestellt und macht sich das Risiko gar nicht mehr bewußt. Es wird nur kurz drüber beim Briefing geredet: "Heute gibt's Schauer, da hinten steht schon einer, das Fenster öffnet in einer halben Stunde".

Ein Witz, wenn man's liest, aber durchaus "normal" ...


Und jetzt schreibt bestimmt einer "Papperlapapp! Das war doch gar kein Problem ! Ist ja gar nix passiert !".

"Schön" sage ich, schön daß nichts passiert ist. Das kommt selten genug vor.

Fliegergrüße
Klaus

Mario Tejon
23.06.2004, 15:13
Nana jetzt übertreibst du aber ! ;)

Ich fliege selber aktiv an Wettkämpfen mit und hab das SO noch nicht erlebt.
Das hingegen von Wettkampfpiloten etwas mehr Gerätebeherschung
erwartet wird, ist sicherlich verständlich. Das ein rennen taktische entscheide be-
inhaltet ist auch logisch.
Das man im eifer des gefechts mal sehr tief an eine Boje fliegt... tja das geschieht
und ist logische konsequenz des wettbewerbs. ABER es liegt in der verantwortung des piloten mit welcher Höhe er in eine Boje fliegt.

Generel habe ich bei allen bisherigen Wettkämpfen die erfahrung gemacht
das sehr Sicherheitsbewusst agiert wird. Meteo/Gelände infos sind sehr detailiert und umfassend.

Das es in der Fliegerei unfälle gibt ist klar.Die gibt es auch unter genussfliegern(geniessen wirs nicht alle ?? :rolleyes: )
Wie wir mit unfällen umgehen ist sicher eine diskussion, jedoch denke ich das die verunfallten, doch auch gerne geflogen sind und es daher nicht zwingend ist einen wettkampf wegen einem unfall zu beenden.
Jedenfalls möchte ich das nicht wenn ich von einem Unfall betroffen wäre.
(Gott behüte...)

Wie schon mal gesagt sehe ich das ganze anders wenn mit gefärlichen geräten
geflogen wird und deshalb unfälle passieren. Da sehe ich dringenden handlungsbedarf. Wie olaf B. so trefend sagte:


ich begreife auch nicht weshalb es heute nicht mehr möglich ist mit einem
"gütesiegelkonformen"gerät ein wettbewerb zu gewinnen ist.
(Nur zum verständniss: Ich halte wettkampf schirme nicht für gefährlich ;) )

Gruss Mario

Thommy
23.06.2004, 15:39
Hi Klaus,

nach deinen Postings sind alle Wettbewerbspiloten potentielle Selbstmörder und die Veranstalter allesamt verantwortungslos.
Ich fliege zwar keine internationalen Wettbewerbe und kann somit nicht sagen wie es dort abläuft, sondern ich fliege nur im German Cup und da wird Sicherheit groß geschrieben. Es wird auch immer hingewiesen eigenverantwortlich zu fliegen, d,h. selbst zu entscheiden ob es mir persönlich zu bockig ist oder ob mir die Wolke zu dunkel ist und selbst entscheiden ob ich landen gehe oder nicht.
Es ist sehr schwer das Wetter in den Alpen über mehrere Stunden genau vorher zu sehen. Woher soll ein Veranstalter um 11:00 bei der Aufgabenstellung wissen, ob sich um 15:00 Uhr an einer Wende z.B. eine Gewitterwolke aufbaut oder nicht. Oder ob die Basis am dem Tag hoch genug ist um bei einen Talsprung nicht in eine Leefalle zu geraten. Beim Flug muß doch der Pilot selbst seine Entscheidungen auf die Gegebenheiten anpassen.

Es ist zwar richtig das bei einem Wettkampf manchmal der Lemminge Effekt auftritt und man sich denkt, wenn der da weiterfliegt probiere ich das auch. Auch das sehr nahe rumkratzen auf Baumwipfelhöhe um die letzten Meter rauszuholen ist manchmal drin, aber die Entscheidung ob ich das mache und ob mir das Risiko wert ist, entscheide ich selber.

Richtigstellung GC letztes Jahr in Garmisch:
Die Wende war sicherlich nicht im Lee, sondern einer der Wege um zu dieser Wende zu gelangen führte durch das Lee. Bis auf einige wenige haben alle diese Route gewählt. Es ist und war jeden Piloten klar, dass wenn man vom Wank Richtung Kramer fliege und den Kramer zu weit nördlich und zu tief anfliegt man sich mich im Lee befindet.
Die meisten Piloten so auch ich haben irgendwann gespannt, dass man sich im Lee befindet und haben sich mit noch genügend Höhe einen Landeplatz ausgesucht. Einige wenige, auch die beiden die in den Bäumen hingen wollten einfach weiter fliegen wie die anderen und gingen in dem sie näher an die Felsen rangeflogen sind ein höheres Risiko ein in den Leerotor zu kommen.
Den Veranstalter kann man hier keinen Vorwurf machen, sondern nur den Piloten die dieses Risiko bewusst eingehen.

Gruß
Thommy

kemde
23.06.2004, 15:43
Nana jetzt übertreibst du aber ! ;)

Klar, ich bin da schon provokant. Aber wo genau siehst Du denn die Übertreibung ? Was ich schrieb, habe ich mir nicht ausgedacht.


Das hingegen von Wettkampfpiloten etwas mehr Gerätebeherschung
erwartet wird, ist sicherlich verständlich. Das ein rennen taktische entscheide be-
inhaltet ist auch logisch.
Das man im eifer des gefechts mal sehr tief an eine Boje fliegt... tja das geschieht
und ist logische konsequenz des wettbewerbs.

Sicher, stimmt ja alles. Aber führt die Kombination aus der erhöhten Risikobereitschaft sowie des "Eifers des Gefechts" nicht erst zu gefährlichen Situationen und damit zu Abstürzen ? Bist Du nicht eher verleitet, unter Grat in's Lee zu fliegen, weil's der vor Dir auch tut (sieht ja nicht sooo schlimm aus) ?
Deshalb meinte ich, daß in Wettbewerben, bewußt oder unbewußt, das Umfeld für riskante Manöver und das allgemeine gutheißen derselben geschaffen wird.




Generel habe ich bei allen bisherigen Wettkämpfen die erfahrung gemacht
das sehr Sicherheitsbewusst agiert wird. Meteo/Gelände infos sind sehr detailiert und umfassend.

Naja, stimmt aber nur vordergründig. Ich kenne als Teilnehmer (war der "Träger der roten Laterne") jetzt nur die ersten beiden German Cups und die erwähnten South African Nationals, aber bin viel fliegerisch unterwegs und beobachte dann natürlich. Dabei fällt mir auf, daß Risiken zwar angesprochen werden, aber eben nicht zu Konsequenzen führen. Oder erst dann, wenn es mindestens Einen erwischt hat und die Gefahr groß ist, daß weitere folgen werden.


Das es in der Fliegerei unfälle gibt ist klar.Die gibt es auch unter genussfliegern(geniessen wirs nicht alle ?? :rolleyes: )
Wie wir mit unfällen umgehen ist sicher eine diskussion, jedoch denke ich das die verunfallten, doch auch gerne geflogen sind und es daher nicht zwingend ist einen wettkampf wegen einem unfall zu beenden.
Jedenfalls möchte ich das nicht wenn ich von einem Unfall betroffen wäre.
(Gott behüte...)

Siehst Du, darin unterscheiden wir zwei uns. Ich habe meinen Crash hinter mir und sage VOR dem Start nein zu einem Flug (und das kommt oft vor, habe trotzdem 30 Flugstunden dieses Jahr). Ich finde daß wir (also ich meine damit mal die einfach die ganze Sippe der Freifliegenden) zu salopp mit Unfällen umgehen, zu nebensächlich. Allein die Ansicht, daß Unfälle dazugehören, wie Du schreibst, halte ich schon für eine sagen wir mal billigende Inkaufnahme. Ich finde, Unfälle gehören *nicht* dazu, jedenfalls nicht, wenn sie vermeidbar sind. Und vermeidabr sind sie, wenn bei Schauern eben abgebrochen wird und eine Boje nicht in's Lee gesetzt wird. Aber genau das scheint zum Flair eines Wettkampfes zu gehören, was ich falsch finde.


Wie schon mal gesagt sehe ich das ganze anders wenn mit gefärlichen geräten
geflogen wird und deshalb unfälle passieren. Da sehe ich dringenden handlungsbedarf.
(Nur zum verständniss: Ich halte wettkampf schirme nicht für gefährlich ;) )

Yepp. Auf jeden Fall. Und: Nein, natürlich sind's nicht die Schirme, die gefährlich sind. Obwohl, *für mich* wäre im Lee eine Wettkampftüte sicher gefährlich, weil ich mir dann eben einfach in die Hose scheißen würde und deshalb keinen klaren Kopf zum schnellen Handeln hätte. Deshalb flieg ich ja auch 'nen 1-2er (mit dem man sich im Lee auch umbringen kann.)

Fliegegrüße
Klaus

p.s.: Gugge mal auf die Mittelfristprognosen .... Kömmt da etwa Hochdruck ?

kemde
23.06.2004, 15:55
Hi Klaus,

Richtigstellung GC letztes Jahr in Garmisch:
Die Wende war sicherlich nicht im Lee, sondern einer der Wege um zu dieser Wende zu gelangen führte durch das Lee. Bis auf einige wenige haben alle diese Route gewählt. Es ist und war jeden Piloten klar, dass wenn man vom Wank Richtung Kramer fliege und den Kramer zu weit nördlich und zu tief anfliegt man sich mich im Lee befindet.
Thommy

Ah ! Ok, danke für die Richtigstellung. Ich war nur "Mitflieger" (waren meine ersten Thermik-Flüge nach einem Unfall) und kam am Folgetag der "Baumlandungen" dazu.

Fühle mich aber doch bestätigt, daß der Wettkampf einfach eine zu hohe Risikobereitschaft fördert. Klar, man muß nicht in's Lee fliegen und jeder Wettkampfpilot weiß auch, wo es ist (oder bekommt's gesagt). Aber warum fliegt Ihr dann dahin und riskiert Abstürze (schön, wenn ein Baum da ist) ?

Wenn es heißt "Das gehört zum Wettkampf dazu, das Risiko, daß es einen erwischt." dann finde ich das, gelinde gesagt, bedenklich. Meine persönliche Meinung.

Aber vielleicht sollten wir 'mal einfach abwarten, bis rauskommt, wie es zu Unfällen bei der Drachen-WM kam und ob erhöhte Risikobereitschaft .

Fliegergrüße
Klaus

Mario Tejon
23.06.2004, 15:56
Hallo Klaus

Ok, ich verstehe Deinen standpunkt, belassen wirs dabei. Die beiden gegensätze
sind eigentlich recht gut herausgestrichen.

und ja

DAS HOCH KOMMT !! (so sicher wie das amen in der Kirche... :) )

Gruss Mario

Mario Tejon
23.06.2004, 16:17
...
Wenn es heißt "Das gehört zum Wettkampf dazu, das Risiko, daß es einen erwischt." dann finde ich das, gelinde gesagt, bedenklich. Meine persönliche Meinung.


Fliegergrüße
Klaus

HALT STOPP !!

Also da musst du mir einen aktiven Wettkampf piloten bringen der das Unterschreibt.

Wettkampffliegen hat sehr wenig mit Riskantem fliegen zu tun. Aber viel mit richtigen entscheidungen. Es ist blöd in sinnlosen situationen etwas zu riskieren
, aber es ist legitim in führung liegend noch etwas mehr Gas zu geben wenn der direkte Konkurent aufholt.

Das es den leming effekt gibt bestreite ich nicht, aber kann man dafür den Veranstalter/wettkampf verantwortlich machen.

So jetzt aber fertig.... ;) :)

Gruss Mario

airracer
30.06.2004, 09:39
@kemde

Tja, so möcht ich deine Unterstellungen also auch nicht stehen lassen!

Was hast du eigentlich für ein Problem mit Lee? Bekanntlich löst sich die Thermik doch genau an den windgeschützten Stellen am besten ab, oder? Sicherlich gehört Schirmbeherrschung und Erfahrung dazu um abschätzen zu können, wo die Grenzen liegen. Dazu kommt, dass man auch noch einen Notschirm im Gepäck hat. Will heissen, wenn ich vorne dabei bin, dann geb ich Gas, und wenn es dann halt mal tatsächlich nicht mehr kontrollierbar sein sollte, knall ich eben mal kurz den Retter raus. Auch hier gehört etwas Erfahrung dazu, natürlich geb ich knapp über Boden oder über ungünstigem "Notschirm-Gelände" etwas weniger Stoff. Aber ehrlich, was ist schon dabei, mal den Notschirm zu schmeissen? Das ist keine heilige Kuh!

Du wirst jetzt lachen, aber in Andelsbuch war ich auch mit dabei. Hast Du da irgendwo ne CB oder so gesehen? Ich nicht, lediglich ein gänzlich lokaler Graupelschauer über einem Wendepunkt. Beim Zurückfliegen, hab ich übrigens am Hang gewartet, bis die Sonne wieder schien und hab den Turnpoint erst dann genommen. Das ist Taktik, mal muss man eben auf bessere Verhältnisse warten, aber gefährlich war das ja wohl kaum, oder?

Deine Erfahrungen kann ich so nicht bestätigen, im Swiss-Cup, Swissleague-Cup, Schweizermeisterschaft, PWC hab ich bisher erst einmal erlebt, dass die Organisation übers Limit gegangen ist. Klar waren einige Läufe drunter, welche am Limit waren, aber die Teilnehmer an einem Weltcup sind ja keine Sonntagsflieger, sondern haben einen extrem hohen Erfahrungsschatz. Dieser setzt das Limit auch nach oben, will heissen, wenns für Otto-Normal-Pilot nicht mehr gut ist, können die noch fliegen und sind immer noch im grünen Bereich. Denn jeder hat seinen eigenen grünen Bereich, oder?

Greetz Michi

Tobias S.
30.06.2004, 13:41
Dazu kommt, dass man auch noch einen Notschirm im Gepäck hat. Will heissen, wenn ich vorne dabei bin, dann geb ich Gas, und wenn es dann halt mal tatsächlich nicht mehr kontrollierbar sein sollte, knall ich eben mal kurz den Retter raus. Auch hier gehört etwas Erfahrung dazu, natürlich geb ich knapp über Boden oder über ungünstigem "Notschirm-Gelände" etwas weniger Stoff. Aber ehrlich, was ist schon dabei, mal den Notschirm zu schmeissen? Das ist keine heilige Kuh! Das hab ich jetzt schon vor mehreren Wettkampfpiloten gehört, dass der Retterwurf zunehmend von "Last Chance" zu einer echten Alternative geworden ist.
Und dass die Überlegung nicht mehr heißt:
"Wie viel Gas kann ich geben, ohne dass es mich zerlegt?", sondern statt dessen:
"Kostet ein Zerleger mehr Zeit und Höhe als ich durch das Gasgeben gewinne?".

Sorry, dass ich dich jetzt damit auch persönlich angreife, aber diese Einstellung (die du ja nicht alleine hast), hat für mich was von dämlichem Draufgängertum. Und mit der Einstellung gewinnt eben der, der am wenigsten Angst hat oder seine Angst am besten unter Kontrolle hat und nicht der, der am besten (taktisch und technisch) fliegt. Daran hab ich kein Interesse, weder aktiv noch als Beobachter.

Und ich denke auch, dass der PWC mit seinen vielen Streichresultaten dazu beiträgt, dass das Wettkampffliegen risikoreicher geworden ist. Gefragt ist eben nicht mehr der Pilot, der konstant und sicher vorne rein fliegt, sondern derjenige steht am Schluss ganz oben, der viele Durchgänge gewonnen hat und das ist eben der, der im Endanflug am wenigsten Angst hat.


Und wenn er vorher zweimal mit dem Retter absteigt, ist´s auch egal, weil dafür gibt´s ja Streicher.


Viele Grüße,
Tobias

Karl Slezak
30.06.2004, 14:21
@kemde

[QUOTE]Was hast du eigentlich für ein Problem mit Lee? Bekanntlich löst sich die Thermik doch genau an den windgeschützten Stellen am besten ab, oder? Sicherlich gehört Schirmbeherrschung und Erfahrung dazu um abschätzen zu können, wo die Grenzen liegen. Dazu kommt, dass man auch noch einen Notschirm im Gepäck hat. Will heissen, wenn ich vorne dabei bin, dann geb ich Gas, und wenn es dann halt mal tatsächlich nicht mehr kontrollierbar sein sollte, knall ich eben mal kurz den Retter raus. Auch hier gehört etwas Erfahrung dazu, natürlich geb ich knapp über Boden oder über ungünstigem "Notschirm-Gelände" etwas weniger Stoff. Aber ehrlich, was ist schon dabei, mal den Notschirm zu schmeissen? Das ist keine heilige Kuh!

Dieses Posting suggeriert - vielleicht weniger erfahrenen Piloten - dass Fliegen im Lee durchaus Normalität ist. Es dokumentiert damit die Überheblichkeit eines Könners, der mitleidig auf Regeln herabblickt die für andere lebenswichtig sind, ihn aber vermeintlich nicht betreffen.
Wer ins Lee fliegt begibt sich unmittelbar in Lebensgefahr. Drei tödliche Unfälle nach Totalzerlegern im Lee sind es bereits in diesem Jahr, der letzte erst vor wenigen Tagen im Stubaital. Da hat dann wohl die Schirmbeherrschung und Erfahrung nicht ausgereicht!
Es ist nicht zu verantworten dass jemand - aufgrund einer Veröffentlichung im Forum oder sonstwo - aus Unwissenheit, Leichtgläubigkeit oder einfach weil der Eindruck vermittelt wird, dass "das eh`jeder macht," zu gefährlichem Tun animiert wird, wie beispielsweise im Lee nach Thermik suchen, weil diese "dort besonders schön ablöst".

Ich würde mir wünschen, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, Selbstmordrezepte jeder Art entweder deutlichst als solche zu kennzeichnen oder - besser- ganz auf deren Veröffentlichung zu verzichten. Es gibt zudem bessere Plätze zur Veröffentlichung. darwinawards.com z.B. Hier findet man "Das ultimative Panoptikum menschlicher Idiote. Dummheit, Ignoranz und ihre meist äusserst unangenehmen Folgen".

Beste Grüße

Karl Slezak
DHV-Sicherheitsreferent

Vibe
30.06.2004, 15:11
Hi Karl,

Wohl die allermeisten Mitleser und -schreiber schließen von der Fahrzeugbeherrschung eines Rallycracks auf Glatteis nicht 1:1 auf ihren eigenen Grenzbereich. Und höchstwahrscheinlich sind GS/HG-Piloten nicht dümmer als Autofahrer. Ergo werden sie mit dem Thema "Lee" auch respektvoller umgehen, als ein Konkurrent von airracer&Co

Ciao / Maxl


P.S.: Und obendrein wissen wir jetzt auch, daß "ein Notschirm keine (heilige) Kuh ist" http://www.nbproducties.nl/smilies/klappen.gif !
Hi Maxl,

ich denke dein Verlgeich hinkt ein wenig. Ich werde als Autofahrer sicher niemals versuchen mein Fahrzeug auf Glatteis so zu beherrschen wie ein Rally-Crack, aber ich FAHRE auf Gleiteis. Und ich denke da hat Karl schon recht, wenn wir versuchen sollten den Ansatz schon zu unterbinden.

Es sollte einfach eine Selbstverständlichkeit sein, daß man nicht im Lee rumfliegt wenn man nicht ein sehr gut geübter Pilot ist.

Mir persönlich ist es vollkommen unklar, wie der arme Kollege im Stubaital nach nur 1 jähriger Flugpraxis mit immerhin 46 jahren Lebenserfahrung, auf die Idee kommen konnte im Lee zu fliegen und das auch noch mit wenig Bodenabstand. Da muß doch einfach irgendetwas gänzlich versagt haben, entweder in der Schulung, oder einer sonstigen Informations-Quelle der sich der verunfallte Flieger bedient hat.

dubab
30.06.2004, 15:37
lee ist ja auch nicht gleich lee...

gibt ja die wirklich üblen talwindlees und die lees von nem 10er überregionalen wind an einem labilen tag.

Vibe
30.06.2004, 15:56
Wie immer liegt wohl auch hier der richtige Weg einfach in der Mitte.

Und ich denke das wollte der Karl auch so zum Ausdruck bringen. Man kann einfach nicht oft genug zum Ausdruck bringen, wie gefährlich es ist (oder besser sein kann) im Lee zu fliegen. Und das sollte man eben auch machen, wenn man in einem Posting schreibt, daß man es selber macht. Den mahnenden Zeigefinger lieber einmal mehr heben als einmal zu wenig ist bestimmt auch nicht falsch, auch wenn es manche vielleicht nervt.

Ich denke jeder tote Flieger geht gerade Karl, der seine Hauptaufgabe darin sieht solche zu vermeiden, mehr ans Herz als uns...

easyfly
01.07.2004, 06:32
Die an sich interessante Disussion "verrennt" sich gerade. Bitte hackt nicht auf Statements herum, nur damit ihr auch etwas zu sagen habt .

Wettkampf ist und wird immer riskanter sein, das ist nicht nur im Flugsport so.
Dennoch ist mir persönlich in den letzten Jahren die Wettkampffliegerei immer gefährlicher vorgekommen. Es hat Jahre gegeben wo wir oft starke Westlagen hatten und Veranstalter verzweifelt versucht haben einen (oder mehrere) Tasks durchzuboxen. Leider ist dabei auch manchmal etwas passiert, und das kotzt mich gelinde gesagt jedesmal unglaublich an.

Trotzdem halte ich nicht die Veranstalter für den "Schuldigen" ich muss den schwarzen Peter eigentlich mehr uns Piloten weitergeben.
Das ein Veranstalter, der Zeit/Geld etc. investiert hat, um alles in der Welt, einen Task durchbringen will ist verständlich, aber warum machen die Piloten da mit.
Bei jedem erstzunehmenden Wettkampf wird am Anfang (oft wirds auch "vergessen") ein Piloten bzw. Safety Comity gewählt.
Nur werden diese Jungs so gut wie nie aktiv!
Die haben eigentlich, aus meiner Sicht die Verantwortung einen Task nicht zuzulassen und ein Veto im Namen der Piloten auszusprechen, warum tun sie's nicht? Ich habe selber erlebt wie ein Piot aus dem Saftey Comity sich lauthals beschwert hat, wie gefährlich die Sache sei, aber die "Eier" zum Veranstalter zu sagen "Unter diesen Umständen fliegen unsere Piloten nicht" hat er nicht gehabt.

Woran liegts?

Nun, zum einen ist unser Sport ein "Egoisten" Sport, lauter Einzelkämpfer die es nicht gewohnt sind im Team zu arbeiten und das macht es wahrscheinlich so schwer. Auf der anderen Seite ist es nicht immer klar wo die Gefahren liegen. Bei der A-Staats in Andelsbuch hats zwar wild ausgesehen war aber aus meiner Sicht im Grünen Bereich. Viel schlimmer find ich es im schon im Lee(!) zu starten und dann die Piloten bei starkem Wind durchs Lee zu hetzen, wie oft haben wir so was erlebt.. Oder bei einem 30iger Wind mit eingelagerter Hammerthermik bis 10m plus dazugehörendem Rückwärtsflug sich pulkweise hinters nächste Grat verblasen zu lassen und das könnte ich fast endlos weiterbeten.

Bei all diesen Fällen hat das Safety Comity versagt und sich, wie das ganze Teilnehmerfeld in Lebensgefahr gebracht.

Klar wollen alle fliegen, darum sind wir ja hier, aber es ist hoch an der Zeit mehr Verantwortung zu zeigen und das Bewusstsein zu bilden im Zweifelsfall "gegen" den ausgeschriebenen Task vorzugehen.

Es könnte protokollierte Vorgehensweisen des Saftey Comity geben, wo diese Jungs auch unterschreiben müssen, das sie es für "safe" halten oder auch nicht. Ich möchte den Veranstalter sehen der gegen das SC entscheidet.
Ausserdem sollte das SC auch in der Luft canceln können.

Ich kann mich an einen Task erinnern (sage bewusst nicht wann/wo) wo im Flugwetterbericht der Austro Control ganz klar als Gefahren "präfrontaler Fön und Turbulenz in Kammlagen etc. angesagt war. Der Veranstalter hat trotzdem einen Task ausgeschrieben, der uns noch dazu zu einem der höchsten Berg der Gegend geführt hat. Nach der 1. Boje gings dann mit fetzen Rückenwind in Richtung Leeboje - Fazit: 3 Schwerverletzte inklusive Hubschrauberbergung der Katzenjammer war gross!

Wie kann ein Safety Comity so einen Task zulassen?

Haben die Jungs den Wetterbericht nicht gesehen? (Haben sie)
Wie kann man einen Task starten obwohl der zuständige Sachverständige, um es mal aus Juristen Sicht zu sehen, der Austrocontrol, eindeutige Gefahren ausweist?
Aus meiner Sicht tragen die Herrschaften die in einem solchen SC sitzen Mitschuld an solchen Unfällen! Weil sie sich nicht bewusst waren wozu sie da ihren Sanktus geben (Trotz vorgehaltenem Stopschild der Austrocontrol)

Klar hat jeder Einzelne die Verantwortung zu entscheiden ob er fliegt oder nicht, schliesslich ist der ja zum Wettkampf gefahren um sich zu qualifiziern etc. Von dem kann man nicht erwarten das er sagt "ich pfeif drauf und geh landen."
Aber er hat das Recht an einem fairen und sicherem Wettkampf teilzunehmen und das muss ihm der Veranstalter sowie das SC garantieren können.

Tobias S.
10.10.2004, 12:23
Grade les' ich in den Berichten des EM-Teams, dass es schon wieder einen Toten gegeben hat:



09. Oktober
Eigentlich sollte an dieser Stelle ein ausführlicher Bericht über den heutigen 80 km Task stehen. Doch der tödliche Unfall des Spaniers Carlos Izquierdo stellt die sportlichen Ereignisse des heutigen Tages in Frage. Als Dan und ich zwei Minuten nach dem Tagesieger Alex Hofer im Ziel ankommen, wissen wir nur, dass Carlos Izquierdo in dem recht bockigen Bereich an der zweiten Wende abgestürzt ist. Ein Pilot war bei ihm eingelandet um erste Hilfe zu leisten, doch Carlos Izquierdo verstarb noch im Hubschrauber.
Morgen wird es keinen Task geben und wir melden uns dann später wieder.

In der Berichterstattung des öst. Teams auf www.paragleiter.org kann man dazu lesen:



Wie der eine oder andere wahrscheinlich schon im Internet gelesen hat, hatten wir gestern mehrere schwere Unfälle zu beklagen. Das Schlimmste: Der Spanier Carlos Izquierdo ist tödlich verunglückt. Klar, daß wir alle geschockt sind. Die Verhältnisse am gestrigen Tag waren eigentlich nicht geeignet für einen Wettkampftag. Talwinde bis zu einer Stärke von 35 km/h machen unsere Fliegerei einfach zu gefährlich. Der heutige Tag ist in Gedenken an Carlos wettkampffrei.

Adorno
10.10.2004, 17:31
Im Bigairforum steht :

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One killed, two injured at European paragliding championships ATHENS, Oct 9 (AFP) - A Spanish man was killed and two others injured Saturday while competing in the 8th European paragliding championships in southern Greece, police said. A Super Puma was dispatched to locate the body of 40-year-old Spaniard Iscuerdo Carlos, who crashed in the Arcadia mountains in the Peloponnese. A British competitor was lightly injured in a crash in the same area and rushed to hospital, while police were still searching for an injured Pole who contacted them by mobile telephone. The Greek television station said the crashes were due to a storm that had moved into the area. More than 135 people were competing Saturday in the 1,500-meter (5,000-foot) free flight competition at Kalavrita, police said. The contest is due to finish on October 11.

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Adorno
27.10.2004, 16:22
PWC in Mexiko.



Der heutige Durchgang stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Die tiefe Basis und grossflaechige Abschattungen verunsicherten das Task-Komittee derart, dass wir heute insgesamt drei Tasks in unsere GPS eintippen durften. Wahrscheinlich waere die vierte Variante die richtige gewesen.

Ist der erste Teil des 66 Kilometer grossen Durchgangs noch schoen zu fliegen, wird der letzte Schenkel gegen des Wind zum Fiasko. Bei bis zu 40 km/h Wind am Ridge kann man keinen Wettbewerb fliegen.

Obwohl ca. 10 bis 15 Piloten ueber Funk zum Abbrechen auffordern, tut sich nichts. Offensichtlich dient der Funk hier nur dazu, dass die Piloten erkennen mit ihrer Angst nicht alleine zu stehen.


Wieso unterstützt der DHV sowas?

easyfly
27.10.2004, 17:37
@ adorno

wie kommst du auf die Idee, dass der DHV sowas unterstützt?