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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "linksdrehender" Wind & Bauernregeln



Bettina Ebeling
12.09.2006, 21:23
Hi Wetter-Experten,

hab irgendwann mal eine plausible Beschreibung und Erläuterung gelesen, auf welche zu erwartende Wetterentwicklung es hindeutet, wenn der Wind im Hoch nicht wie "üblich" von NW über N, NO,O usw dreht, sondern bspw. von O wieder nach N zurück. Kann´s aber leider nicht mehr finden. Müsste ja theoretisch auf "Verlängerung" guten Wetters hindeuten (z.B. Hoch dehnt sich aus/verlagert sich nach W oder N)......
Könntet ihr bißchen was dazu erzählen?

2. ...:
Hat die Bauernregel "Morgenrot - Schönwetterbot´" einen plausiblen Hintergrund oder ist sie nur ein erfundenes Pendant zu "Abendrot - Schlechtwetter droht" ?

viele Grüße,
Tina

Stefan Hörmann
13.09.2006, 00:00
Hallo Tina,


hab irgendwann mal eine plausible Beschreibung und Erläuterung gelesen, auf welche zu erwartende Wetterentwicklung es hindeutet, wenn der Wind im Hoch nicht wie "üblich" von NW über N, NO,O usw dreht, sondern bspw. von O wieder nach N zurück. Kann´s aber leider nicht mehr finden. Müsste ja theoretisch auf "Verlängerung" guten Wetters hindeuten (z.B. Hoch dehnt sich aus/verlagert sich nach W oder N)......
Könntet ihr bißchen was dazu erzählen?

Zuerst einmal einigen wir uns auf das Höhenniveau des Windes, sonst geht der Vergleich bald schief :-) Wir besprechen den Wind der uns im Flachland ins Gesicht bläst. Als Bezugspunkt wählen wir München.

Diese Wetterregeln mit der Windrichtungsdrehung basieren auf Annahme einer eindeutigen Westwetterlage, also wenn die Tiefs wie aus dem Lehrbuch über uns von West nach Osten hinweg ziehen. Dann sind sie meistens stimmig, sonst hätten sie nicht den Weg in viele Wetterbücher gefunden.

Wenn der Wind aber wie in Deinem Beispiel von Ost wieder auf Nord zurückdreht, dann kann das folgende Ursache haben.

Verlagerung des nördlich zum Bezugspunkt liegenden Hochs mit seinem Kern nach Süden/Südwesten.

Beispiel: Hochkern über Polen ergibt in München den Ostwind. Damit es Nordwind geben kann muss das Hoch nach Süden/Südwest/West ziehen. Das passiert aber sehr selten und wenn dann zumeist im Winter. Unter besonderen Voraussetzungen kann es nämlich dazu kommen dass sich der Tiefdrucktrog nicht nach Osten, sondern nach Westen verlagert. Damit wird auch der Hochdruck seinen Kern nach Westen verlagern. Es KANN dann zur Fortsetzung des Hochdruckwetters kommen, muss aber nicht. Die Verlagerung des Hochs nach S/SW/W hat meistens einen tiefergehenden Grund. Meistens sind das Tiefs die aus Norden nach Süden ziehen. Dann dreht der Wind aber von Ost über Nord auf Nordwest bis West und schnell steckt man wieder im schlechten Wetter.

Verlagerung des südlich zum Bezugspunkt liegenden Tiefs mit seinem Kern nach Norden nach Nordosten.

Beispiel: Genua/Adriatief. Da ist zuerst der östliche Wind in München und erst wenn das Tief über die Ostalpen nach Norden/Nordosten zieht dreht der Wind auf Nordost bis Ost. Die Folge kennen wir. "Soichwetter und Feuchtestau" an der Nordseite. Also auch an diesem Beispiel erkennen wir, dass mit Winddrehung "anders rum" nicht zwangsläufig gutes Wetter in der Folge erwartet werden kann.

Da fällt mir ein, dass auch bei einer Ostlage der Wind im Tagesverlauf auf Nord dreht. -> Bayerischer Wind :-)

Die allgemeinen Wetterregeln funktionieren oft, aber nicht immer und gerade wenn man sich darauf verlässt, tja dann gehts schief. Kennen wir doch alle. Alles was machbar ist, ist die Verlagerung von Druckzentren festzstellen und wenn dann noch Morgenrot oder Abendrot mit dabei sein, da kann man schon besser Schlussfolgerungen daraus ziehen. -> Castellanus am Morgen, ab Mittag beginnen die Sorgen. Cirrus aus Westen, das Wetter wird nicht zum Besten. Linsen aus Süden, Föhnwind tut blühen... :-)

Nase in den Wind halten:
Vorne links das Hoch, hinten rechts das Tief.


Hat die Bauernregel "Morgenrot - Schönwetterbot´" einen plausiblen Hintergrund oder ist sie nur ein erfundenes Pendant zu "Abendrot - Schlechtwetter droht" ?

Kann es sein dass Du da was verwechsel hast?

Es heisst nämlich: Morgenrot, Schlechtwetter droht

-> Viel Luftfeuchte in den hohen Schichten + Dunst im Vorfeld einer neuen Störung

Und es heisst: Abendrot, Schönwetterbrot

-> Restfeuchte nach einer Front in Bodennähe auf die Schönwetter folgt.

Viele Bauernregeln sind aber Humbug. Treffen sie zu, werden sie in den Medien plattgewalzt, ansonsten hört man davon nix. Genau so ist es auch mit diesem Langfristprognosen die Monate oder gar Jahreszeiten voraussagen wollen.

Viele Grüße,
Stefan

MountMcKinley
13.09.2006, 06:57
Hehe...kenn noch eine weitere Variante dieser Bauernregel:

Morgenrot, Schönwettertod
Abendrot, Schönwetterb(r)ot (schmeckt sicher lecker):D

DGS9
13.09.2006, 07:54
Und geht die Sonne auf im Westen, dann bleib im Bett, das ist am Besten.....


:D :D :D

Eagle 1
13.09.2006, 08:16
Geht die Sonne auf im Westen, solltest Du den Kompass testen.

Gruss

Pikachu
13.09.2006, 09:08
Folgendes las ich in einem Buch über Meteorologie für Laien:

"Morgenrot, Schlechtwetter droht"

--> Weil die aufgehende Sonne (Osten) auf die heranrückenden Wolken aus dem Westen scheint.

"Abendrot, Schönwetterbrot"

--> Weil die untergehende Sonne (Westen) auf die abziehenden Wolken im Osten
scheint.

Naja...
;)

Maverick78
13.09.2006, 09:08
[...]

Viele Bauernregeln sind aber Humbug. Treffen sie zu, werden sie in den Medien plattgewalzt, ansonsten hört man davon nix. Genau so ist es auch mit diesem Langfristprognosen die Monate oder gar Jahreszeiten voraussagen wollen.

Viele Grüße,
Stefan

Gab´s da nicht erst vor Kurzem irgendwo einen interessanten Artikel zum Thema "Singularitäten"? Ich weiß nicht ob der von dir oder von Volker war...

Bettina Ebeling
13.09.2006, 20:34
Kann es sein dass Du da was verwechsel hast?

Es heisst nämlich: Morgenrot, Schlechtwetter droht

-> Viel Luftfeuchte in den hohen Schichten + Dunst im Vorfeld einer neuen Störung

Und es heisst: Abendrot, Schönwetterbrot

-> Restfeuchte nach einer Front in Bodennähe auf die Schönwetter folgt.

Hi Stefan,

ganz lieben Dank erstmal für Deine ausführlichen Erläuterungen.

Zu der Bauernregel: nicht verwechselt, sondern so gelesen. Sie steht mit folgender Erläuterung im Buch "Wolken - Wetter" (Dieter Walch/Ernst Neukamp)
S. 81, Zitat: "Diese Rotfärbung ..." (am westlichen Horizont beim Sonnenuntergang) "...wird durch den hohen Wasserdampfgehalt der Luft im Westen verursacht" ... "Das Licht wird auf seinem Weg durch die untersten Luftschichte an Staubpartikeln und Wassermolekülen gestreut. Dabei filtern die Staubpartikel besonders die gelben Lichtwellen heraus, die Wassermoleküle die roten"... "Ein roter Sonnenuntergang kündigt also feuchte Luft an." Zitat Ende

Schien mir auch plausibler als die "andere" Version, die ich auch in Erinnerung hab, weil das Schietwetter (feuchte Luft) ja in aller Regel aus Westen anmarschiert kommt, d.h. wieso soll die Rotfärbung dann im Osten sein?
(keine Rechthaberei, nur Frage als Wetter-Interessierte und Fan von Naturbeobachtung...)

viele Grüße,
Tina

Stefan Hörmann
13.09.2006, 21:04
Schien mir auch plausibler als die "andere" Version, die ich auch in Erinnerung hab, weil das Schietwetter (feuchte Luft) ja in aller Regel aus Westen anmarschiert kommt, d.h. wieso soll die Rotfärbung dann im Osten sein?
(keine Rechthaberei, nur Frage als Wetter-Interessierte und Fan von Naturbeobachtung...)

Naja, immer im Mitlicht ist es durch Lichtbrechung rot. Sofern das eben im Osten bei Sonnenaufgang passiert -> Die Front ist abgezogen, bei Sonnenuntergang aus Westen die Front aufzieht.

Da passt einfach die Wetterentwicklung auf Sonnenauf- und untergang.

Gruß,
Stefan

Stefan Hörmann
13.09.2006, 21:05
Gab´s da nicht erst vor Kurzem irgendwo einen interessanten Artikel zum Thema "Singularitäten"? Ich weiß nicht ob der von dir oder von Volker war...

Hi,

Volker ist der Autor. War im Märzheft vom DHV-Info?

Gruß,
Stefan

WA
14.09.2006, 12:07
Naja, immer im Mitlicht ist es durch Lichtbrechung rot. Sofern das eben im Osten bei Sonnenaufgang passiert -> Die Front ist abgezogen, bei Sonnenuntergang aus Westen die Front aufzieht.

Da passt einfach die Wetterentwicklung auf Sonnenauf- und untergang.

Gruß,
Stefan
:confused: entschuldigung, versuche den ganzen Morgen daraus schlau zu werden. Einmal heißt es "Morgenrot Schlechtwetter, Abendrot Schönwetter"

Jetzt wieder, Sonnenaufgang, die Front ist abgezogen usw. s. O. ja wie denn nu?

bitte hilf mir!!

Stefan Hörmann
14.09.2006, 12:32
:confused: entschuldigung, versuche den ganzen Morgen daraus schlau zu werden. Einmal heißt es "Morgenrot Schlechtwetter, Abendrot Schönwetter"

Jetzt wieder, Sonnenaufgang, die Front ist abgezogen usw. s. O. ja wie denn nu?

bitte hilf mir!!

Hi,

wird man ja hackig bei den vielen Varianten :eek: Muss man ja durcheinander kommen...

Hier mal der 1:1 Text den ich gerade bei www.meteoros.de gefunden habe:

Morgenrot-Schlechtwetter droht; Abendrot-Gutwetterbot. Dies ist eine der bekanntesten Bauernregeln. In den meisten Fällen stimmt die Regel auch. Zumindest dann, wenn man unter Abend- und Morgenrot die intensive Beleuchtung von Wolken durch die untergehene oder untergegangene Sonne versteht. In unseren Breiten wird das Wettergeschehen durch Westwinde bestimmt. Ein schönes Abendrot kann sich nur ergeben, wenn der Himmel im Westen klar ist und sich im Osten noch viele Wolken, z.B. von einem abziehenden Niederschlagsgebiet, befinden. Im Laufe der Nacht ziehen die Wolken dann weiter nach Osten ab und darauf folgt oft ein heiterer Tag. Am Morgen ist es genau umgekehrt. Dann steht die Sonne im Osten, wo der Himmel noch klar sein muß, aber von Westen zieht bereits Bewölkung auf. Im Laufe des Tages bedecken die Wolken dann den ganzen Himmel.

Die rote Farbe der Wolken beruht darauf, daß das Sonnenlicht an den verschiedenen Bestandteilen der Atmosphäre gestreut wird. Zum einen streuen die Luftmoleküle das blaue Licht stärker als rotes. Daraus ergibt sich die orange Farbe der Sonne beim Sonnenuntergang. Um ein intensives Himmelsrot hervorzurrufen, müssen sich darüber hinaus aber viele Wassertröpfchen in der Atmosphäre befinden. Neben Wassertropfchen können auch Staubteilchen (z.B. von einem Vulkanausbruch) zu farbigen Dämmerungserscheinungen beitragen.


Gruß,
Stefan

WA
14.09.2006, 12:52
Hi,

wird man ja hackig bei den vielen Varianten :eek: Muss man ja durcheinander kommen...

Gruß,
Stefan

Daaaanke! Da bin ich aber froh, daß ich`s geblickt hab. Wollt mich schon runterspülen!

Da gabs vor einiger Zeit, ich glaube hier im Forum, einen interessanten Ausspruch von einem Deiner griechischen Uralt-Vorgänger. Sinngemäß etwa so: Abendrot, schönwetter usw. aber nur, wenn der Himmel darunter klar. Wenn die Farben dann so in Richtung giftig gehen, violett, gelblich usw.- auf See des öfteren erlebt, dann wurde es nächsten Tages meistens turbulent!:D Dann haben wir uns das Essen gespart!:D :D

Stefan Hörmann
16.09.2006, 14:07
Hallo Tina.


Verlagerung des südlich zum Bezugspunkt liegenden Tiefs mit seinem Kern nach Norden nach Nordosten.

Beispiel: Genua/Adriatief. Da ist zuerst der östliche Wind in München und erst wenn das Tief über die Ostalpen nach Norden/Nordosten zieht dreht der Wind auf Nordost bis Ost. Die Folge kennen wir. "Soichwetter und Feuchtestau" an der Nordseite. Also auch an diesem Beispiel erkennen wir, dass mit Winddrehung "anders rum" nicht zwangsläufig gutes Wetter in der Folge erwartet werden kann.

tja, da haben wir aktuell den Salat. Genau so kommt es nun am Sonntag in den Westalpen. Ein Tief das zuerst in den Südalpen zugang ist (Ostwind im Norden) zieht über die Alpen nach Norden und dann kippt der Wind in den Nordalpen auf Nord.

Heute:

http://www.wetterzentrale.com/wz/pics/Rmgfs0613.gif

Morgen:

http://www.wetterzentrale.com/wz/pics/Rmgfs3013.gif

Das Tief ganz nah bei uns :-(

Dazu morgen Land unter in Südwestdeutschland!

Gruß,
Stefan