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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Thema Föhn



sonnenscheiner
20.12.2006, 10:21
Hi,
hier ein sehr schöner Link mit tiefgreifendem zu Thema Föhn im Raum Innsbruck:

http://www.inntranetz.at/foehn.html

Zusatz: Hab die Überschrift allgemein gehalten, dann kann das hier ein Sammel-Thread zum Föhn werden.

Liebernickel
21.12.2006, 12:18
Hallo Volker. Das Thema ist für mich so interessant, weil ich seit 40 Jahren
in Mittenwald und damit in unmittelbarer Nähe Innsbrucks in einem "Föhn-
tal" wohne.

Wenn z.B. Austo-Control Föhn ankündigt und sich in Mittenwald kaum ein
Zweig rührt, frage ich auf Deiner Wetterseite unter http://www.wetteronline.de/cgi-bin/regframe?3&PRG=detail&TIME=std&LANG=de&WMO=11126&ART=wind

nach dem Wind am Patscherkofel nach. Ist der Wind dort z.B. bis zu 40 km/h
dann gehe ich zum Fliegen und das hat eigentlich immer gut funktioniert.

1. Frage: Kann man aufgrund der Windstärke am Patscherkofel sagen,
wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Föhn aus der Höhe
auch in die Täler durchdrückt?

2. Frage: Wie schnell kann sich die Windgeschwindigkeit bei Föhn
ändern?

Gruß Michael

Stefan Hörmann
21.12.2006, 13:00
Hi,
hier ein sehr schöner Link mit tiefgreifendem zu Thema Föhn im Raum Innsbruck:

http://www.inntranetz.at/foehn.html

Zusatz: Hab die Überschrift allgemein gehalten, dann kann das hier ein Sammel-Thread zum Föhn werden.

Hallo Volker,

vielen Dank für den tollen Link von Felix neuer Unterseite. Mit Innsbruck als Studienort für die Met. hat er das große Los gezogen. Kein Alpental ist so gut erforscht und wissenschaftlich erschlossen wie das Inntal, nicht nur was Föhn angeht. Leider kann man vom Inntal nicht alles auf andere Täler 1:1 ummüntzen, aber das macht nix. Mit den Föhnartikeln auf seiner Seite ist genug Wissen aus den neuen Föhntheorien überliefert, die so mache Föhnmeinung/-erfahrung erneuern könnte.

Viele Grüße,
Stefan

Stefan Hörmann
21.12.2006, 13:48
Wenn z.B. Austo-Control Föhn ankündigt und sich in Mittenwald kaum ein
Zweig rührt, frage ich auf Deiner Wetterseite unter http://www.wetteronline.de/cgi-bin/regframe?3&PRG=detail&TIME=std&LANG=de&WMO=11126&ART=wind

nach dem Wind am Patscherkofel nach. Ist der Wind dort z.B. bis zu 40 km/h
dann gehe ich zum Fliegen und das hat eigentlich immer gut funktioniert.

1. Frage: Kann man aufgrund der Windstärke am Patscherkofel sagen,
wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Föhn aus der Höhe
auch in die Täler durchdrückt?

2. Frage: Wie schnell kann sich die Windgeschwindigkeit bei Föhn
ändern?

Gruß Michael

Hallo Michael,

wenn der Patscherkofel nur 40 km/h aus Südost anzeigt, dann liegt schon mal eine schwache Föhnströmung an. 40 km/h ist aber nun wirklich gar nichts für diesen Berg. Bei der Geschwindigkeit - nat. unter Einbezug der vorhergesagten Entwicklung - braucht man sich in vielen Teilen der Nordalpen noch keine zu große Sorgen machen. Selbst an der gegenüberliegenden Nordkette wird bei 40er Südwind am Patscherkofel noch mit dem GS geflogen, mit den Segelfliegern sowieso.

Zur Frage des Föhndurchbruchs.

Ab Böen von 80-100 km/h am Patscherkofel sollte man im Inntal stets von Föhndurchbruch bis ins Inntal ausgehen. Allerdings zeigen sich selbst in Innsbruck noch große Unterschiede. Einige Stadtteile liegen voll im Föhn, oder gar im Rotor, dann mit Nordwind in der Stadt, in anderen Teilen ist es ruhig. Ab 120 km/h kachelt der Föhn aber in fast allen Föhnfällen bis ins Inntal runter.

Ich hatte zu meiner Rosenheimer Zeit mehrere nette Föhnsituationen im Wipptal und Inntal "gechased" und es war immer wieder überraschend, wie plötzlich die Föhnzonen aufgetaucht sind. Hier -5 Grad und schwacher Wind, kaum einen Kilometer weiter +5 Grad und 60er Böen.

Ab 80 km/h am Patscherkofel würde ich von Flugvorhaben absehen wenn ich nicht ganz genau weiß was Sache ist und wie die weitere Entwicklung ist. Nicht jeder Föhn geht nämlich in eine unfliegbare Frontlage über und plötzliche Windabnahme bei Sonnenschein mit Druckanstieg in den Nordalpen macht aus einer Föhnsituation eine Flugsituation. Der Lehrbuchföhn (Föhntheorie 1, veraltet) funktioniert nur bedingt.

Ein grundsätzliches Problem für die Piloten den auf Föhn kommt ja eigentlich die Front, nicht? Es kann, muss aber nicht so sein. Die Flugwetterberichte erkennen das aber und geben dies wohl auch stets an.

In Prozent Durchbruchwahrscheinlichkeiten anzugeben kann arg anfällig sein und ich glabe nicht dass es für uns Piloten aus sicherheitstechnischer Sicht Sinn macht, allein vom Patscherkofelwind auf Föhndurchbruch oder Nichtdurchbruch zu spekulieren, denn in anderen Regionen wird der Föhn später, viel später oder auch gar nicht durchbrechen!?!

Bei beständig mehr als 120 km/h am Patscherkofel ist aber mit Sicherheit die Großwetterlage so gegeben, dass bereits in den Flugwetterprognosen vor Föhndurchbruch gewarnt wird und diesen Warnungen sollte man schon große Beachtung schenken.

Zur Frage, wie schnell sich der Wind bei Föhn ändern kann.

Das kann sehr schnell gehen. Je kleiner und enger das Tal, das Einzugsgebiet, umso plötzlicher kann der Föhn, bzw. die Föhnböe den stabilen Kaltluftsee wegdrücken.

In den großen Tälern (Inntal) kündigt sich ein Föhndurchbruch meist durch eine veränderte Windsituation an. Im Inntal ist das der sogenannte "vorföhnige Westwind" der auf starken Druckfall nördlich der Alpen fusst und die Luft zunächst vor Föhndurchbruch durch das nach Nord geöffnete Inntal abgesaugt wird.

Wie schnell es gehen kann, das konnte ich vor zwei Wochen selbst erfahren. In Oberstdorf, wo der Föhn eher selten durchbricht, wurde am Vormittag der Föhn ausgelöst.

Dort ist der Föhn am Windrichtungswechsel aber nicht einfach zu erkennen. Grund:
Im Sommer wie auch im Winter hast Du dort vom Abend bis in den Vormittag heinein im Tal durch Ausfließen der Kaltluft aus den Alpen eigentlich immer Südwind.

Der Föhn kündigt sich in aller Regel immer durch eine langsam unruhigere Luftmasse an, erkennbar an verquirlten Rauchfahren, an unruhig fliegenden Vögeln und wenn gegeben an zerfaserten Cumuli. Bei einem Kaltluftsee von -15 Grad bei 0 Grad in mittlerer Höhe wird man eher weniger schnell eine vom Föhn gewischt bekommen als bei 0 Grad in beiden Lagen. Kaltluft ist ein sehr zähes Medium.

An jedem Föhntag, dem 8.12.06, gab es mitten im Tal an der DWD-Station Föhnböen von 83 km/h bei einem Mittelwind um die 30 km/h. Die Böen kündigten sich so gut wie gar nicht an. Doch, sie kündigten sich schon an, aber nur hör- und sichtbar durch umherwirbelndes Lauf in der Ferne und regem Getöse aus dem Wald. 18 Grad gab es dazu :-) Im Kleinwalsertal hinten gab's dann auch groundhandelnden Gleitschirmstoff auf der Wiese herumwirbelnd zu sehen (Huhu Karl :-) ).

Föhn, aus sicherheitstechnischer Sicht ein stets brisantes Thema.

Viele Grüße,
Stefan

Stefan Hörmann
21.12.2006, 16:59
...vielleicht noch interessant, die Hauptseite von Felix wo es noch mehr zum "Wie und Warum" gibt.

http://www.wetteran.de

Gruß,
Stefan

Ridcully
21.12.2006, 21:20
Vielen Dank für die Zahlreichen inks zu diesen Thema.
Lieber nicht als eher schon ist bei Föhn meine devise.
Letztens war ne riesige Föhnwolke am Himmel sah aber trozdem 2 GS, hab ja keine Ahnung ab wann schon und wann nicht, daher nicht.
lg
mario

Stefan Hörmann
21.12.2006, 21:30
Vielen Dank für die Zahlreichen inks zu diesen Thema.
Lieber nicht als eher schon ist bei Föhn meine devise.
Letztens war ne riesige Föhnwolke am Himmel sah aber trozdem 2 GS, hab ja keine Ahnung ab wann schon und wann nicht, daher nicht.
lg
mario

Hallo Mario,

apropos Föhnwolke.

Da habe ich was nettes fotografiert bei der letzten starken Föhnsituation.

http://www.gleitsegelwetter.de/alpen_by_night.jpg

Aufgenommen von der Schwäbischen Alb aus über Laupheim hinweg in die Lechtaler Alpen rein. Darüber ein feine Lenti. Entfernung etwa 130 km. Aufgenommen so gegen 1 Uhr in der Nacht mit ein paar Minuten Belichtungszeit.

Das war aber nur so gut möglich wegen Vollmond.

Richtung Alpstein/Säntis sa das so aus.

http://www.gleitsegelwetter.de/saentis_by_night.jpg

Da sieht man nach Links hohe Bewölkung und darunter die Staumauer. Recht der rote Punkt (kein Hotpixel) der Sender des Säntis.

Gruß,
Stefan

Liebernickel
21.12.2006, 21:31
Hallo Stefan, herzlichen Dank für Deine umfangreichen Erklärungen. Was mir
bei uns hier noch aufgefallen ist die Tatsache, dass der Tag vor dem angekün-
digtem Föhn oft ein recht guter Fluttag ist.

Gruß Michael

Bei erkennbaren Lentis lasse ich natürlich auch die Fliegerei!

JHG
16.01.2007, 08:06
Ein Lehrfilmchen auf englisch über Föhn http://www.youtube.com/watch?v=d_287Kf-GKc

Und hier http://www.paraglidingforum.com/viewtopic.php?t=9980 gibt's auch schon einen Thread darüber