PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : kachelwind nur am Gipfel



tjackermann
22.12.2006, 18:25
Frage an die wetterexperten:
Hatte ich vor allem am Brauneck schon öfters, ist mir aber heute besonders aufgefallen.
Der Talwind war schwach aus NO
nun auffahrt Brauneck, da blomberg zu.
kein merklicher wind in den Bäumen
ausstieg bahn kein merklicher wind aber die Fahnen am Südstartplatz stehen wind scharf auf SSO und ein Pilot kann seinen Schirm und sich kaum am Boden halten?
Hochlaufen, oben rauschen die Bäume und die Äste biegen sich
start auf kante, oben fällt der schirm zusammen, das windband ist nur 5 m dick?
Trotz 25 km/h schwer sich zu halten?
danach in Inversion völlig ruhig.
Gleitet der wind auf der Inversionschicht auf???

es war kein Fön

Stefan Hörmann
22.12.2006, 20:28
Frage an die wetterexperten:
Hatte ich vor allem am Brauneck schon öfters, ist mir aber heute besonders aufgefallen.
Der Talwind war schwach aus NO
nun auffahrt Brauneck, da blomberg zu.
kein merklicher wind in den Bäumen
ausstieg bahn kein merklicher wind aber die Fahnen am Südstartplatz stehen wind scharf auf SSO und ein Pilot kann seinen Schirm und sich kaum am Boden halten?
Hochlaufen, oben rauschen die Bäume und die Äste biegen sich
start auf kante, oben fällt der schirm zusammen, das windband ist nur 5 m dick?
Trotz 25 km/h schwer sich zu halten?
danach in Inversion völlig ruhig.

es war kein Fön

Hallo,

über welchen Zeitraum hast Du das denn beobachtet? Nur mal kurz oder schon bisschen länger? Kann man ja öfter beobachten, dass direkt am Grat der Wind immer deutlich stärker ist als nur wenige Meter darunter. Stand vor 2 Jahren auch beim Groundhandeln auf dem Brauneck und auf der Bank stehen konnte man den Fetzen grad so oben halten. Fliegen ging damals nicht, Hochnebel überall.


Gleitet der wind auf der Inversionschicht auf???

Ja, das tut der Wind und nicht zu knapp. Die schwere bodennahe Kaltluft ist jetzt im Winter derart träge, dass sie sich nur schwer verdrängen lässt, besonders wenn es unter Hochdruckeinfluss sehr stabil ist, der Luftmassenaustausch zwar horizontal aber nicht vertikal stattfindet, so wie derzeit unter einem 1040er Hoch.

Während unterhalb der Inversion der windberuhigte Kaltluftsee nur geringe Luftbewegungen erlaubt, sofern natürlich auch dort kein großer Druckgradient herrscht (z.B. oft Alpenvorland/Anliegertäler oft mit hohem Gradient), kann oberhalb der Inversion der Wind sehr stark wehen wenn die Großwetterlage für viel Höhenwind günstig ist, so wie zuletzt. Der Wind gleitet dabei über die Kaltluft, strömt darüber hinweg und solange keine Labilisierung oder z.B. auch Föhn den Luftmassenaustausch nicht vertikal unterstützt (Thermik, Hebung) , wird die Kaltluft unten im Tal dem Wind über der Inversion trotzen. Umsehr kräftiger dies, je wärmer es in der Höhe ist.

Gestern und heute waren solche Tage wo dieses Phänomen gut in den Alpen beobachtet werden konnte. In Lagen oberhalb der noch eher schwachen Inversion oberhalb 1400-1600m (je nach Region) nahm der Wind an Fahrt auf und erreichte in 2000m schon gut 40 km/h in Böen. Zwischen 2000-3000m legte der Wind weiter nach. Auf der Zugspitze war es dann ein 50-60er Wind bei über 90 in Böen, heute früh gar noch über 100 km/h in Böen. Eine richtig fette Inversion war das heute aber noch nicht. Das geht schon noch viel besser.

Interessant vielleicht noch zu erwähnen, dass der markante Wind über der Inversion "Low Level Jet (LLJ)" heißt. Am Tag schwächt sich der meist etwas ab.
Sehr oft beobachten wir ja auch im Sommer einen doch eher kräftigeren Wind an unserem Startberg am Morgen. Vormittags schauen wir die Windwerte an und stellen fest: Hurra, der Wind wird weniger. :-) Hängt damit zusammen, dass sich die Inversion am Tag oft auflöst/durchgeheizt wird (Sommer). Von etwas höheren Windwerten am Morgen daher nicht abschrecken lassen. Das muss nat. immer konform mit der eingeholten Wetterprognose gehen. Bei angesagtem starken Wind wird die Thermik den Winter nämlich dann eher ins Tal schleifen als ihn abschwächen. Jetzt im Winter brauchen wir dazu schon eine deutliche Labilisierung durch ein Tief in der Nähe. Solange das nicht passiert, bleibt die Kaltluft am Boden, in Inversion darüber und über ihr, je nach dem "Höhenwetter" auch ein gewisser überregionaler Wind.

Die Inversion ist wie eine Mauer. Da Luft über Luft gleitet findet kaum Reibung statt und der Verlust durch Reibung bleibt sehr gering.

Gruß,
Stefan

Gipfelflieger
23.12.2006, 10:59
es war kein Fön

Fön ist absolut ungefährlich!! Außer du schmeißt ihn in die volle Badewanne:D :D

Stefan Hörmann
23.12.2006, 13:35
Gleitet der wind auf der Inversionschicht auf???

Hi,

noch hinzufügen möchte ich, dass bei einer Inversionswetterlage die höhenwarm und dort schwachwindig ist, unterhalb der Inversion bei großer Drängung der Isobaren der Wind wie durch einen Kanal geführt wird. Ein kräftiger bodennaher Wind ist die Folge. Besonders gehäuft tritt das bei Ostalgen auf. Führt u.a. auch zur Anhebung der Nebelobergrenze. Stichwort Bise.

Gruß,
Stefan

tjackermann
23.12.2006, 16:25
Super erklärung danke Stefan.

und das schwer halten können liegt vermutlich an der geringen Gipfelhöhe des Brauneck da die inversion nur knapp darunter für ruhe sorgt?
Höhe 1500 m passt zu deiner analyse
Bin heute in Langenau bei Ulm/Do, hat es in Ehingen auch tagelang immer Nebel?
Daher musst du dich mit Meterologie auskennen?



PS.
Fön ist in der Badewanne nur gefährlich wenn man drinn sitzt.
Außerdem sagen alle Einheimischen, dass der Fön niemals nicht bis zum Brauneck durchdringt (info Wind am Patscherkofel unter (80 km/h) . Ich sage das nicht- ich bin zugereister
siehe weiterhin Buch- Titel: das Verhalten der Grossstädter bei Fön- Axel Hacke glaub ich
Thomas

Gipfelflieger
23.12.2006, 22:23
Fön ist in der Badewanne nur gefährlich wenn man drinn sitzt.

da hast du nun auch wieder recht aber voll, oder zumindest halbvoll muss sie auch noch sein.