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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ab wieviel Wind trägt ein Hang?



luaas
24.04.2007, 13:05
Da steht man am Startplatz, ein laues Windchen weht, aber es ist nicht ganz klar: Reicht das schon, damit es beim Soaren trägt? Anhand ein paar Infos über die Geländetopographie und die aktuelle Windgeschwindigkeit sowie mit ein wenig Kopfrechnen kann man das einigermaßen genau herausfinden. An steilen Klippen reichen übrigens schon 5 kmh! Mehr dazu hier:

Wann trägt ein Soaringhang? (http://lu-glidz.blogspot.com/2007/04/wann-trgt-ein-soaringhang.html)

Vibe
24.04.2007, 14:00
Das Dingen hat leider einen riesen Denkfehler.

diese 5km/h würden sicher funktionieren, wenn wir einfach stundenlang geradeaus fliegen könnten. Leider hat jede Soaringkante mal ein Ende und man muss eine Kurve fliegen um umzudrehen, in der man extrem viel Höhe verliert. Und schon ist die ganze Mathematik an Ende.

Gruß

Claus

Cellinski
24.04.2007, 14:37
Das Ganze haengt auch wesentlich von der Labilitaet der Luft ab! Ist die Luft sehr stabil geschichtet, so hat man an der Kante (wo man idR den Wind misst) starke Kompression und es braucht kurz gesagt deutlich mehr Wind, um oben zu bleiben.

Ist es hingegen labil, so ist die Kompression deutlich schwaecher und das Verhaeltnis von gemessenem Wind und Aufwind dadurch besser.

Jeder mit Soaring-Erfahrung weiss doch, dass es Tage mit viel Wind gibt, wo es trotzdem nicht richtig steigt, und auch Tage mit wenig Wind, wo man prima fliegen kann.

Gruss,

Marcel

luaas
24.04.2007, 14:56
Das Dingen hat leider einen riesen Denkfehler.

diese 5km/h würden sicher funktionieren, wenn wir einfach stundenlang geradeaus fliegen könnten. Leider hat jede Soaringkante mal ein Ende und man muss eine Kurve fliegen um umzudrehen, in der man extrem viel Höhe verliert. Und schon ist die ganze Mathematik an Ende.

Gruß

Claus

Hallo Claus,

den "Denkfehler" habe ich schon mit eingerechnet, d.h. die 5 kmh sind zum einen als unterer "Grenzwert" und zum anderen mit einem Sicherheitspuffer für die Kurve gedacht.

Rein rechnerisch entsprechen 1,3 m/s Gerätesinken ja 4,7 kmh. Die Differenz von 0,3 kmh ergibt beim Abfliegen einer 300m langen Kante schon 2,5 m Höhengewinn, die ich in der Kurve wieder verbraten kann. Wenn ich dann noch ein bissl angebremst fliege und auf 1,2 m/s Gerätesinken komme (was heute einem Standard-GS entspricht, viele Modelle haben noch bessere Werte), ist der verkurvbare Höhengewinn auf der Strecke schon doppelt so groß.

Zudem soll die Mathematik ja auch nur die theoretischen Zusammenhänge erläutern. In der Praxis hat jeder Hang noch viele weitere Einflüsse, es gibt steilere und flachere Passagen mit entsprechend mehr und weniger Auftrieb. Gute Soarer werden ihre Kurven an die besser tragenden Stellen setzen. Denn in einem ist dein Einwand berechtigt: Beim Soaren trennt sich in den Kurven die Spreu vom Weizen.

flypara
24.04.2007, 19:58
Tüte aufklappen und losfliegen, dann siehst du ob es trägt oder nicht.

Ich habe da einen kleinen Bisenhügel um die Ecke. Da weiss ich, wann man soaren kann, da ich zu genüge dort hingehe. Auf einem anderen Hügel funktionierts wieder anders.

Ich denke, nur die Erfahrung am Hügel selber kann Ausschluss dazu geben. Da kommen ja noch Faktoren wie genaue Windrichtung (jaja, schon um ein paar Grad anders, ist's dahin mit schön soaren) , Thermikeinfluss, Labilität (Marcel hats schon erwähnt).

Und je nach Talent fühlt man einfach ob es trägt oder nicht.
Ich halte von diesen Rechnereien nicht viel.

Der grösste Fehler der die meisten machen, ist sowieso ein zu nahe am Hang herumfliegen, da der beste Aufwind meist nicht direkt am Hang ist, sondern ein bisschen weiter weg.

cheers
Raphael

luaas
24.04.2007, 20:25
Tüte aufklappen und losfliegen, dann siehst du ob es trägt oder nicht.

cheers
Raphael

Hallo Raphael,

die Praxis und Erfahrung schlägt beim Fliegen IMMER jede Theorie. Solche Theorien sind nur Hilfsmittel, um ein wenig mehr Grundverständnis fürs Fliegen zu bekommen. Sie helfen gelegentlich, bestimmte praktische Erfahrungen und Erlebnisse leichter einordnen zu können. Ansonsten gilt: Wer "sicher" fliegt (und oben bleibt) hat Recht.

El Zorro
25.04.2007, 20:14
Der grösste Fehler der die meisten machen, ist sowieso ein zu nahe am Hang herumfliegen, da der beste Aufwind meist nicht direkt am Hang ist, sondern ein bisschen weiter weg.

cheers
Raphael

Das würd ich so pauschal nicht unterschreiben. Dafür sind einfach schon zu viele an mir vorbei ins Tal geflogen. Die meisten davon waren i.d.R. immer etwas weniger nah an die Bäume rangegangen als ich. Klar - wenn thermische Komponenten beigemischt sind, hast Du bestimmt Recht.

Gruß
Bernd

luaas
26.04.2007, 09:13
Das würd ich so pauschal nicht unterschreiben. Dafür sind einfach schon zu viele an mir vorbei ins Tal geflogen. Die meisten davon waren i.d.R. immer etwas weniger nah an die Bäume rangegangen als ich. Klar - wenn thermische Komponenten beigemischt sind, hast Du bestimmt Recht.

Gruß
Bernd


Pauschalisieren hilft beim Fliegen eh nicht weiter. An jedem Hang gibt es je nach Hangneigung und je nach Windgeschwindigkeit und Richtung (Seitenwind?) einen Bereich, in dem es am besten trägt. Je steiler ein Hang ist, desto eher lohnt sich hangnahes kratzen (bei schwächerem Wind).

Raphaels Beobachtung stimmt aber in einem auch mit meinen Erfahrungen überein. Viele Flieger fliegen ständig "über" der Hangkante herum. Etwas ins Tal raus versetzt ist die Auftriebskomponente des Windes aber größer. Wie weit raus man fliegen muss? s.o.

CarstenM
26.04.2007, 14:52
Ich habe mal am Cucco eine interessante Erfahrung gemacht.

Am Startplatz stand der Wind mit knapp 40 km/h an - eigentlich perfekt zum Soaren mit dem Drachen. Aber es hat praktisch gar nicht getragen. Keiner konnte oben bleiben.

Uns ist dann aufgefallen dass die Windgeschwindigkeit schon knapp unterhalb des Startplatzes ungewoehnlich stark abnahm. Anscheinend eine andere Luftschicht mit weniger Wind.
Damit war also nicht der ganze Hang angeblasen, der Wind hat praktisch nur die Kuppe gestreift. Folglich war die Aufwindkomonente nur sehr gering.

Man sollte also bei solchen Berechnungen beruecksichtigen, dass die unteren Bereiche des Hangs unter Umstaenden deutlich schwaecher angestroemt werden. Vor allem wohl auch wenn die Stroemungsverhaeltnisse weniger ideal als am Cucco sind.

luaas
26.04.2007, 18:31
Ich habe mal am Cucco eine interessante Erfahrung gemacht.

Am Startplatz stand der Wind mit knapp 40 km/h an - eigentlich perfekt zum Soaren mit dem Drachen. Aber es hat praktisch gar nicht getragen. Keiner konnte oben bleiben.

Uns ist dann aufgefallen dass die Windgeschwindigkeit schon knapp unterhalb des Startplatzes ungewoehnlich stark abnahm. Anscheinend eine andere Luftschicht mit weniger Wind.


Das ist ein Phänomen, das typischerweise bei Hochdrucklagen auftreten kann. Wenn eine Inversionsschicht relativ knapp über dem Gipfel liegt, bildet sich dort eine "unsichtbare" aber fühlbare Düse. Unterhalb der Inversionsschicht wird der Wind stark beschleunigt. Die Geschwindigkeit setzt sich aber nicht bis in die unteren Luftschichten durch (es findet keine umfassende thermische Umlagerung statt). So kann es oben heftig blasen, wenig darunter ist aber kaum noch Wind spürbar.

Marcel hat ja schon zuvor in einem Post zurecht geschrieben, dass die Labilität einen großen Einfluss auf die Tragfähigkeit eines Hanges hat...

flypara
26.04.2007, 19:07
..und genau umgekehrt funktioniert es auch.
Wenn unten in Bodennähe zB die Bise stärker ist, dann ist eben 'mein' Hang super zum soaren (obwohl nur 300 Höhenmeter). Danach höre ich andere Flieger die am bekannten Bisenhöger fast kein Wind hatten, nur unten am Landeplatz wäre die Bise stark genug gewesen. ;)

El Zorro
26.04.2007, 23:27
Das ist ein Phänomen, das typischerweise bei Hochdrucklagen auftreten kann. Wenn eine Inversionsschicht relativ knapp über dem Gipfel liegt, bildet sich dort eine "unsichtbare" aber fühlbare Düse. Unterhalb der Inversionsschicht wird der Wind stark beschleunigt. Die Geschwindigkeit setzt sich aber nicht bis in die unteren Luftschichten durch (es findet keine umfassende thermische Umlagerung statt). So kann es oben heftig blasen, wenig darunter ist aber kaum noch Wind spürbar.

Marcel hat ja schon zuvor in einem Post zurecht geschrieben, dass die Labilität einen großen Einfluss auf die Tragfähigkeit eines Hanges hat...

Yep. Das dürfte häufig der Fall sein. Auch der invertierte Inversionseffekt (was für ein Bla ) , wie vom Raphael beschrieben, ist gut nachvollziehbar.

Aber auch ohne den Inversions(düsen)effekt gibt es bei sehr schwachen Bedingungen (z.B. an der Düne) oft nur eins: Und das ist so nah wie möglich ran - sonst ist man ruck-zuck weg.
Ich hatte schon oft daran gedacht, dass sich im unteren Bereich eine Art Stau bildet, durch den die Strömungsgeschwindigleit verringert wird. Vielleicht hat es aber auch eher was mit geringerer Reibung zu tun - je höher man von der Wasseroberfläche ist, desto ungestörter die Strömung.
Ich rede hier übrigens von rein dynamischem, thermisch nicht oder kaum beeinflusstem, überregionalem Wind.

Zudem zeigt auch der Strömungs-Vektor im steileren Bereich der Düne mehr nach oben, was zur Folge hat, dass die Eigengeschwindigkeit des Fluggerätes eher vom Aufwindband nach vorne wegführen kann, bzw. dies zu sehr durch Bremsen verhindert werden muss und dadurch zuviel Energie vernichtet wird. Im oberen Bereich des Buckels, also da, wo der Strömungs-Vektor wieder eher horizontaler ausgerichtet ist, ist das Verhältnis vom Auftrieb und der Komponente, die die Eigengeschwindigkeit verringert, wohl irgendwie optimaler um oben zu bleiben.

Einfach so ein paar Gedanken.
Müsst ich vielleicht mal aufzeichnen, damit es besser verständlich ist. Hat aber bestimmt schon mal irgendwer gemacht... ;)

Grüßli
Bernd

flypara
27.04.2007, 08:29
Ist alles im Thermikbuch von Burkhard Martens; Kapitel 8 schön beschrieben.

faro
29.04.2007, 12:37
Ist nicht die Krümmung auch entscheident? Also, ob der Hang konkav oder konvex gebogen ist.
Im Hinblick auf die theoretische Betrachtung:und die Luftdichte? Der Unterschied zwischen Sommer- und Wintersoaren spürt man doch nicht nur an den kalten Fingern? ;)
Max