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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Trügerischer Nordföhn



luaas
07.11.2007, 12:28
Hallo Leute,
ein tolles Sat-Bild hat mich heute dazu angeregt, auf lu-glidz mal ein bisschen Aufklärung zu den Gefahren des Nordföhns in den Alpen zu leisten. Wen's interessiert, einfach hier nachlesen: http://lu-glidz.blogspot.com/2007/11/trgerischer-nordfoehn.html

Lucian

WA
08.11.2007, 12:09
http://lu-glidz.blogspot.com/2007/11/trgerischer-nordfoehn.html
Lucian

Danke Lucian für Deine interessanten Erklärungen/Folgerungen.

Sollte sich so mancher "Nordföhnflieger" zu Herzen nehmen, vor allem in den Dolo´s!

Gruß, WA

Dennis_the_menace
08.11.2007, 15:08
Sehr schöne Aufnahmen.

Danke

MarkusZ
09.11.2007, 09:14
Hallo Lucian,

Vielen Dank für die prima Info.

Ich will demnächst zum fly & walk über die Alpen und wäre ohne deinen Beitrag dort wohl um einiges ahnungsloser unterwegs gewesen.

mehr davon...

viele Grüsse

Markus

Eps 4
09.11.2007, 13:46
Danke Lucian für Deine interessanten Erklärungen/Folgerungen.

Sollte sich so mancher "Nordföhnflieger" zu Herzen nehmen, vor allem in den Dolo´s!

Gruß, WA

Hi

Dieser Artikel oder diese "Interessante" Erklärung ist ja nicht wirklich revolutionär.:o
Das Nord- oder Südstaulagen gefährlich sein können gehört ja wohl zum minium was ein Gleitschirmfliegen wissen sollte, oder?

Gruess Beat

luaas
09.11.2007, 14:52
Hi

Dieser Artikel oder diese "Interessante" Erklärung ist ja nicht wirklich revolutionär.:o
Das Nord- oder Südstaulagen gefährlich sein können gehört ja wohl zum minium was ein Gleitschirmfliegen wissen sollte, oder?

Gruess Beat


Hallo Beat,

in der gesamten Flugmeteorologie ist gar nichts revolutionär. Eher könnte man es als reaktionär bezeichnen, mit wie wenig Wissen über die möglichen Vorgänge in der Luft sich viele Piloten in die Lüfte schwingen.

Dass Föhnlagen irgendwie gefährlich sind, gehört sicher zu den meteorologischen Grundlagen, die jeder Pilot aus der Grundausbildung noch behält. Aber da hört es bei den meisten auch schon auf.

Wenn der Föhn erklärt wird, so wird i.d.R. nicht zwischen Nord- und Südföhn unterschieden, sondern das Phänomen meist vereinfachend und unzutreffend als "warmer Fallwind" bezeichnet. Diesen Charakter hat aber - wenn überhaupt - nur der Südföhn (wobei dieser gar nicht "fällt", sondern durch Mitreißeffekte die herrschende Luftschicht in einem Tal einfach verdrängt und somit "durchbricht").

In den meisten Meteo-Lehrbüchern und auch bei der DHV-konformen Ausbildung (Prüfungskatalog) wird überhaupt nicht auf den unterschiedlichen Charakter und die unterschiedlichen Gefahren von Nord- und Südföhn eingegangen.:eek:

Und so kommt es immer wieder vor, dass Piloten, die bei "leichtem" Südföhn schon herrliche Flugerfahrungen machten, sich ebenso bei "leichtem" Nordföhn in die Lüfte schwingen und dann wundern, warum beispielsweise in Greifenburg die Luft plötzlich derart turbulent daher kommt (weil mal eben ein Schwall Kaltluft von Norden her über den Grat geschwappt ist und auf der anderen Seite kräftig nach unten poltert).

Hier mehr Wetterverständnis und -bewusstsein bei der Masse der Piloten zu erreichen, das wäre revolutionär.;)

Lucian

Eps 4
09.11.2007, 16:21
Hi

Muss den "föhn" erklärt werden?
Föhn heisst für uns GS flieger alarmstufe rot, weil er meiner meinung nach schlicht weg nicht berechenbar ist.

Ich wohne seit 26 jahren in einem föhntal und weiss das es bei 3 hp stürmen kann wie die sau und bei 7 hp unterschied fliegbar wäre obwohl die meteolügner starker föhn vorausgesagt haben.

Also was will man den das fänomen föhn noch erklären und was wollen wir ( nicht du) hobbymeteologen den föhn einschätzen wenn es nicht mal die profis können.

Das einzige was man den piloten mit auf den weg geben kann ist, dass man besser aufs bike geht wenns "öhnig" ist.

Gruess Beat

JHG
09.11.2007, 19:18
@Lucian,

Danke für die schöne Aufarbeitung des Themas. Ich habe was gelernt :cool:

oskar.w
10.11.2007, 07:19
Ich wohne seit 26 jahren in einem föhntal und weiss das es bei 3 hp stürmen kann wie die sau und bei 7 hp unterschied fliegbar wäre obwohl die meteolügner starker föhn vorausgesagt haben.

Gruess Beat

Hi,

Du triffst es auf den Punkt. :)
Nordföhn bricht nicht immer bis zum Boden durch, so wie es in diesem Artikel beschrieben ist. Es gibt Tage, wo es im Tal und auf Startplatz Niveau kaum Wind hat. Trotzdem kann es dazwischen zu extremen Turbulenzen kommen...

Föhn ist einfach unberechenbar, die Grenze von Nordwind zum Föhn ist auch irgendwie fließend.
Bei Nordwind bis ca. 15 km/h auf 3000 Meter Höhe kann man bei uns wunderbare Streckenflüge machen, auch wenn die Bedingungen dann meist etwas sportlich sind. Der kalte Nordwind kühlt die Luftmassen in der Höhe ab, es entwickelt sich sehr gute Thermik. Doch man muss den Wind im Auge behalten, nimmt der Nordwind weiter zu, wird es schnell sehr turbulent... ;)

Ist Föhn zu erwarten, geh ich auch lieber radfahren.


schöne Grüße
Oskar

luaas
10.11.2007, 11:19
Hi,

Nordföhn bricht nicht immer bis zum Boden durch, so wie es in diesem Artikel beschrieben ist. Es gibt Tage, wo es im Tal und auf Startplatz Niveau kaum Wind hat. Trotzdem kann es dazwischen zu extremen Turbulenzen kommen...

Föhn ist einfach unberechenbar, die Grenze von Nordwind zum Föhn ist auch irgendwie fließend.
schöne Grüße
Oskar

Hallo Oskar,

die Grenzen bei Föhn sind immer fließend, weil es keine klare Definition für Föhn gibt (z.B. WIndgeschwindigkeit >25 kmh o.ä.) Ob Nordwind, "föhnig", oder echter Föhn ist somit auch eine subjektive Empfindung und zudem jeweils vom Beobachtungsort abhängig.

Natürlich bricht Nordwind auch nicht immer bis zum Boden durch, wobei Boden hier ja auch wieder relativ ist. In einem höher gelegenen Tal rauscht er vieleicht schon bis zum Boden, könnte dann aber im Anschlusstal, wo vielleicht eine etwas andere Luftschichtung herrscht, nur 300m über Talgrund sein Unwesen treiben.

Wichtig ist mir die Erkenntnis: Nordföhn entsteht i.d.R. aus "kaltem" Nordwind, der deswegen normalerweise als Abwind auf der anderen Seite ankommt. Und gerade deshalb kannst Du ja auch gelegentlich auf 3000m bei 15 kmh Nord noch schön fliegen, während etwas tiefer schon die Post abgeht (hängt alles auch von der herrschenden Luftschichtung auf der Leeseite der Berge ab).

Und "trügerisch" ist der Nordföhn, weil er halt manchmal am hoch gelegenen Startplatz fliegbare Bedingungen vortäuscht, die dann weiter unten in der Luft nicht herrschen. Und hier liegt einer der großen Unterschiede von Nord- und Südföhn (Achtung: auch das ist wieder vereinfacht! ;)):

Der Südföhn treibt v.a. in der Höhe sein Unwesen und gräbt sich dann langsam tiefer, v.a. bei zunehmendem Wind.

Der Nordföhn hingegen sucht sich meistens gleich den Weg nach unten, und das auch, wenn nur ein "schwacher" Nordwind in der Höhe bläst. Sobald die Kaltluft über die Berge schwappt, kann das Rodeo losgehen. Hier gilt nur: Je stärker der WInd auch in der Höhe bläst, desto mehr Kaltluft wird über die Berge gerissen, und desto stärker werden diese kalten Föhnluftbäche, die dann die Täler runterrauschen.

Aber eins sollte man sich bewusst sein: Die latente Gefahr für die Piloten ist bei 20 kmh Nord in 3000m viel größer als bei 20 kmh Süd.


Lucian

oskar.w
10.11.2007, 12:08
Der Nordföhn hingegen sucht sich meistens gleich den Weg nach unten, und das auch, wenn nur ein "schwacher" Nordwind in der Höhe bläst. Sobald die Kaltluft über die Berge schwappt, kann das Rodeo losgehen. Hier gilt nur: Je stärker der WInd auch in der Höhe bläst, desto mehr Kaltluft wird über die Berge gerissen, und desto stärker werden diese kalten Föhnluftbäche, die dann die Täler runterrauschen.

Lucian

Hi,


also bei uns greift der Nordföhn eigentlich immer von der Höhe an beginnend durch. Bei typischen Föhnlagen gibts meist viel Sonnenschein, der Talwind setzt ein. In der Höhe hats dann meist schon anständig Nordwind, im Tal geht Südwind (Talwind).
Das Problem dabei: Der Talwind kann von einer Minute auf die andere vom Föhn überlagert werden, meist geschieht das um die Mittagszeit, je nach Föhnstärke kann das aber auch schon früh am morgen passieren. Es kann aber auch sein, das der Nordwind erst nach Sonnenuntergang zugleich mit dem Einsetzen des Bergwinds durchbricht. Man weiß also nie, wie, wann und ob er überhaupt kommt.

Bläst im Tal allerdings der Föhn, so hat's diesen Wind auch in der Höhe, zumindest in unserem Tal. Ich konnte bei uns eigentlich noch nie beobachten, dass der Föhn nur im Tal sein Unwesen getrieben hätte und es am Berg noch zum Starten gegangen wäre, aber vielleicht ist das in anderen Gebieten ja anders. ;)

Fazit: bei solchen Bedingungen kann Fliegen sehr ungesund sein :D


Grüße Oskar

luaas
10.11.2007, 12:50
Hi,
also bei uns greift der Nordföhn eigentlich immer von der Höhe an beginnend durch. Bei typischen Föhnlagen gibts meist viel Sonnenschein, der Talwind setzt ein. In der Höhe hats dann meist schon anständig Nordwind, im Tal geht Südwind (Talwind).

Ja klar. Morgens herrscht erst noch die Inversion durch die nächtliche Austrahlung (bei klarem Himmel). Der Nordwind rauscht dann erst oberhalb dieser Inversion dahin. Unten setzt dann langsam die Thermik ein, durchmischt die Schicht und frisst die Inversion weg. Ist der Deckel erst einmal gelüftet, hat der Nordwind ein Hindernis weniger auf dem Weg nach unten.

Warum wirkt nun eine tiefer liegende Inversionsschicht für den kalten Nordwind erst einmal als Durchbruchbremse? Weil bei einer Inversion es unten kälter ist als oben. Fällt nun der kalte Nordwind von oben her über den Kamm und erwärmt sich dabei mit 1°C / 100m, trifft er in der tiefer liegenden Inversion auf eine Schicht, die nach unten hin kälter wird. Der kalte Nordwind wird also nur soweit nach unten voran kommen, wie er noch kälter ist als die Luftmasse in der Inversion.




Das Problem dabei: Der Talwind kann von einer Minute auf die andere vom Föhn überlagert werden, meist geschieht das um die Mittagszeit, je nach Föhnstärke kann das aber auch schon früh am morgen passieren. Mittagszeit = Inversion ist dann weitgehend weggeheizt. Bei starkem Nordwind kann die Inversion freilich auch allein durch die turbulente Durchmischung der Luft von oben her aufgelöst werden, also auch ganz früh am morgen.

Ich würde zudem sagen, dass der Nordföhn den Talwind nicht über- sondern unterlagert. Die kältere Luftmasse schiebt sich also unter die von der Thermik erwärmte Talluft und hebt sie an. Das gibt noch einmal einen tollen Thermikschub, aber natürlich entsprechend turbulent.


Es kann aber auch sein, das der Nordwind erst nach Sonnenuntergang zugleich mit dem Einsetzen des Bergwinds durchbricht. Man weiß also nie, wie, wann und ob er überhaupt kommt.Meistens wird der Nordwind tagsüber nicht so leicht durchbrechen, wenn der thermische Gradient eher schwach ist und deshalb in der Höhe den ganzen Tag eine Inversion bestehen bleibt, die unterhalb des Kammniveaus liegt (s.o.). Der abendliche Bergwind kann dann hangnah von oben her die Inversion durchstoßen und bahnt somit den Weg für die kalten Nordlüfte.


Bläst im Tal allerdings der Föhn, so hat's diesen Wind auch in der Höhe, zumindest in unserem Tal. Ich konnte bei uns eigentlich noch nie beobachten, dass der Föhn nur im Tal sein Unwesen getrieben hätte und es am Berg noch zum Starten gegangen wäre, aber vielleicht ist das in anderen Gebieten ja anders. ;)Das hängt , vereinfacht gesprochen, stark davon ab, wie nah Dein Tal am Hauptkamm liegt. Nah dran, wird der Höhenwind und der kalte, talauswärts fließende Bodenwind natürlich ähnlich stark blasen. Weiter südlich, also vom Hauptkamm weg, kann der Nordwind in der Höhe schon an Schwung verloren haben (=fliegbar sein), während im kanalisierenden Tal der Kaltluftstrom - vom Hauptkamm her kommend - im engen Bett stark und turbulent dahinrauscht.


Fazit: bei solchen Bedingungen kann Fliegen sehr ungesund sein :D
Grüße OskarJa eben drum.:D

Lucian

Dennis_the_menace
10.11.2007, 20:30
Jetzt musste hier schon aufpassen, wenn de den Leuten Tipps geben willst....
Huiuiui alles Flugleher mit Meteorologie (http://www.meteo.uni-koeln.de/)-Doktortitel in der Tasche

Was bin ich doch dumm *Kopfschüttel*

Eps 4
11.11.2007, 09:33
Jetzt musste hier schon aufpassen, wenn de den Leuten Tipps geben willst....
Huiuiui alles Flugleher mit Meteorologie (http://www.meteo.uni-koeln.de/)-Doktortitel in der Tasche

Was bin ich doch dumm *Kopfschüttel*

Lieber Dennis

Wie immer hast Du nicht begriffen um was es geht.
Lass doch diese Kommentare in Zukunft.

Gruess Beat

waskukstdu
11.11.2007, 09:48
hi

man sollte doch auch die darüber liegenden luftschichten(oberhalb kammmhöhe) beachten,die die ganze

sache noch mehr kanaliesieren könnten oder lieg ich falsch


grüße jürgen



@lucian gibt es keine vereinfachte skizze,

sonnenscheiner
11.11.2007, 10:58
Hi,
ich finde es wirklich gut, wenn das Thema Föhn wieder etwas in den Blickpunkt rückt. Dazu passend (auch wenn es nicht der Nordföhn ist) hier ein Artikel aus dem Swiss-Glider, der mit Beispielen die verschwimmenden Grenzen bei Föhn schön anspricht:
http://www.shv-fsvl.ch/d/wetter/archiv/0507.htm

querformat
11.11.2007, 11:17
Ich finde es auch gut erklärt - und auch sehr sinnvoll, gerade auf den kälteren Nordföhn einzugehen.

Dennis_the_menace
11.11.2007, 12:36
Lieber Dennis

Wie immer hast Du nicht begriffen um was es geht.
Lass doch diese Kommentare in Zukunft.

Gruess Beat

Komisch, dass viele meine Ansicht teilen:eek:
Versuch es doch mal mit kostruktiver Kritik und nicht ständig mit dem Oberlehrermodus...

Eps 4
11.11.2007, 16:53
Hi

Es scheint so, dass ich immer was falsches erwarte, wenn ich gewisse themen anklicke.
Als ich den titel "Trügerischer Nordföhn" gelesen habe, dachte ich mir das da was neues zum thema nordföhn kommt.
Leider war dem nicht so.
Dieser artikel ist meiner meinung nach geeignet um jemanden der keine ahnung vom wetter hat den nordföhn zu erklären.
Von einem gleitschirmflieger erwarte ich aber das für ihn föhn, egal ob süd oder nordföhn, ein bekanntes thema ist und der artikel für alle hier drinn nicht wircklich was neues ist.
Auf das hab ich gezielt.

Kleines beispiel wie berechbar föhn ist.

Letztes jahr an der GS SM im tessin hat der meteomensch beim briefing darauf hingewissen das wir im moment noch nordüberdruck haben, dieser aber in der nächsten zeit abnehmen wird und wir fliegbar verhältnisse bekommen.

Als wir 2 stunden später am startplatz waren hatten wir bereits 9 hp nordüberdruck.:eek:
So stieg der nordüberdruck halbstündlich um ca 1 hp bis er dann bei 14 hp seine spitze erreichte. Der tag wurde gecancelt.
Das verblüffende war, dass wir an diesem tag keinen wind hatten und es der beste flugtag gewesen wäre.
Was solls, es gab piloten die sind bei besten verhältnissen fast 100 km geflogen an dem tag.

Zuviel faktoren spielen eine rolle ob föhn durchbricht oder nicht und irgendwie sind sich da die meteologen auch nicht ganz sicher.....


....ich finde es wirklich gut, wenn das Thema Föhn wieder etwas in den Blickpunkt rückt......Da bin ich voll und ganz deiner meinung.....
Als ich die schulung absolviert habe, ist man bei 3 hp südüberdruck nicht mehr geflogen......
Heute spricht man von "öhnig" wenn es irgendwie 7 hp südüberdruck hat und es noch windstill ist. Aber geflogen wird wie wild...... und beim landebier hört man dann, tja, dass war wohl wieder nicht so schlau heute......
Es wäre schade, wenn es zuerst wieder ein paar piloten in der boden spitzen muss, damit wir wieder wissen was föhn heisst.

Gruess Beat

P.S. Meine "Oberlehrermodus" wie du es nennst soll zum nachdenken anregen......
Ich provoziere gern.
Es schadet nicht wenn man sich ab und zu selbst hinterfragt. Aber sich immer wieder hinter lehrbücher und deren meinung, güsis und aussagen von anderen piloten zu verstecken kann nicht die lösung sein um alt zu werden in unserem sport......

sonnenscheiner
11.11.2007, 21:30
hi,

ich glaube jeder hätte gern die universelle Föhnformel, mit der man genau sagen kann: heute gehts noch mal top - morgen ist aber Föhn. Das wird aber ein Wunschtraum bleiben. Auch mit den Druckdifferenzen ist es nicht so einfach, wie dieser Artikel zeigt, denn beim Umrechnen auf Meereshöhe können sich deutliche Fehler einschleichen: http://www.shv-fsvl.ch/d/wetter/archiv/0806.htm
Zudem sind solch ein enges und freies Messnetz, wie von Meteoschweiz, für Österreich nicht verfügbar.

Ich denke man wird als Flieger immer wieder Tage treffen, an denen Föhngefahr angesagt war, an denen aber einige doch geflogen sind oder nicht überall der Föhn durchbrach. Aber daraus abzuleiten, dass man gar nix mehr auf die Vorhersagen gibt halte ich für (früher oder später) fatal. Das muss man sich klar machen und so den Frust über einen "vielleicht wärs gegangen" -Flug bändigen.

Ich denke die meisten Fehlentscheidungen werden durch die am Startplatz augenscheinlich oft guten Bedingungen gemacht. Die Thermik sorgt für den passenden Startwind, alles sieht optimal aus... Und Lentis sind ja auch nicht zu sehen....(was NIX aussagt!) Und überhaupt, da draußen dreht schon einer prima hoch...
Dabei geht unter, dass durch die thermische Ankopplung (die bis zum Nachmittag immer höher ausgreift) heftigste Turbulenzen entstehen können und auch das von Luaas angesprochene Überschwappen von Kaltluft bis zum Talgrund.

Vielleicht ist jetzt die Gelegenheit günstig sich in sein Handy mal die Wap-Seiten mit den aktuellen Windmesswerten der Föhnstriche einzuspeichern. Da kann man dann im Zweifelsfall am Startplatz mal einen schnellen Blick drauf werfen. Besonders bei den Föhnstrichen treten meist heilsame Windgeschwindigkeiten zutage
Siehe dazu: http://www.dhv.de/typo/Handy_und_WAP.1500.0.html

Eps 4
11.11.2007, 21:56
....ich glaube jeder hätte gern die universelle Föhnformel.....

Sicher, aber die gibt es nicht. Zum Glück nicht oder muss denn immer alles erklärbar sein. Manche sachen sind so wie sie sind und das ist gut so......:cool:

Ich weiss was es heisst vom föhn "überrascht" zu werden.
Wir flogen dazumal auch an einem föhn geschützen ort.
Nachher ist man immer schlauer..... hätten wir die augen offen gehabt und die ersten zeichen richtig intepretiert wäre wohl alles klar gewesen. Dazumal gab es leider noch kein internet und man konnte nicht noch auf die schnell das wetter checken.....

Guets nächtle

luaas
11.11.2007, 22:14
hi

man sollte doch auch die darüber liegenden luftschichten(oberhalb kammmhöhe) beachten,die die ganze sache noch mehr kanaliesieren könnten oder lieg ich falsch

grüße jürgen
@lucian gibt es keine vereinfachte skizze,


Hallo Jürgen,

die Luftschichtung, d.h. die Lage einer Inversion hat immer einen großen Einfluss auf die Ausbildung des Föhns. Eine Inversion oberhalb der Kammhöhe kann natürlich als "Deckel" von oben wirken, der den Wind darunter wie bei einer Talwinddüse (nun aber horizontal) kanalisiert und beschleunigt. Diese Beschleunigung kann wie ein Saugeffekt luvseitig auf tiefere Kaltlufschichten wirken und somit noch mehr der kalten Luft anzapfen. Zugleich wird der beschleunigte Höhenwind i.d.R. aber auch so stark, dass dann eh schon keiner mehr ans Fliegen denkt.

"Trügerischer" ist der Nordföhn bei moderaten Windgeschwindigkeiten in der Höhe, wenn man eben nicht vorhersagen kann, ob und wann die kältere Luft über die Kämme herüberschwappt...

Zum Föhn kann man im Web viele vereinfachte Skizzen finden, diese sind aber i.d.R. auf den typischen Südföhn abgestimmt.

Was den "kalten" Nordföhn betrifft, so herrscht dort an guten Grafiken leider Mangelware. Zumal hier die Meteorologen gelegentlich auch noch zwischen dem "warmen" Nordföhn (analog zum Südföhn) und der kalten Variante unterscheiden, wobei diese dann auch in den Alpen nicht als Föhn, sondern als Bora bezeichnet wird (wie die kalten Fallwinde an der dalmatinischen Küste). Allerdings sind die Grenzen zwischen diesen Varianten in der Praxis fließend.

Der Einfachheit halber und fürs bessere Verständnis bleibe ich lieber grundsätzlich bei der Bezeichnung "Föhn" für solche Stauwindeffekte in den Alpen, wobei der Südföhn halt normalerweise warm, der Nordföhn hingegen häufig einen kalten Charakter hat, mit den entsprechend unterschiedlichen und bereits beschriebenen Auswirkungen.

Was Sonnenscheiners Tipp mit den WAP-Wetterseiten betrifft: Das kann ich nur befürworten. Zumal das WAPen heute absolut nicht mehr die Welt kostet. Allerdings muss ich auch da bei Nordwind für größte Vorsicht plädieren. Bei einer entsprechenden Luftschichtung mit hochreichend kalter Luft auf der Nordseite kann der Nordföhn schon bei viel geringeren Höhenwindstärken in die südlichen Täler durchbrechen als umgekehrt der warme Südföhn.

Mit anderen Worten: Die Erfahrungswindwerte für Südföhn z.B. am Patscherkofel sollte man nicht einfach so auch bei Nordwindbedingungen anwenden. Denn da reichen häufig auch schon ~20 kmh weniger, damit es in Föhnschneisentälern unheilvoll wird.

Lucian

rene
12.11.2007, 12:23
Jetzt musste hier schon aufpassen, wenn de den Leuten Tipps geben willst....
Huiuiui alles Flugleher mit Meteorologie (http://www.meteo.uni-koeln.de/)-Doktortitel in der Tasche
Was bin ich doch dumm *Kopfschüttel*
Was willst Du uns mit diesem OT-Beitrag sagen? Ich hab's nicht kapiert (ist evtl. besser so).

sonnenscheiner
12.11.2007, 15:44
hi, lasst uns doch über das Thema reden und nicht über OT

rene
12.11.2007, 15:54
hi, lasst uns doch über das Thema reden und nicht über OT
Stimmt, habe mir auch lange überlegt, ob ich darauf antworten soll (Trolle...füttern usw.)
Zum Thema: Gibt es Erfahrungswerte bei Nordföhn, an welchen Wetterstationen welche Windwerte problematisch sind (auch wenn man daraus keine Garantie für Gefahrlosigkeit ableiten kann)?

Grüßle und danke für die guten Infos (hier im Thread und im Blog von Lucian),
René

matts beck
12.11.2007, 16:33
...Als ich den titel "Trügerischer Nordföhn" gelesen habe, dachte ich mir das da was neues zum thema nordföhn kommt. Leider war dem nicht so...
Schön für Dich, dass Du Dich so gut auskennst. Für mich jedenfalls war diese Erklärung neu und spannend - um nicht zu sagen sogar wichtig. Natürlich ist das hinterher für mich auch mit meinem bisherigen Wissen nachvollziehbar. VOR diesem Thread bin ich nur nie draufgekommen, warum 20km/h Nordlagen auf der Südseite meist turbulenter sind als 20km/h Südlagen auf der Nordseite - aufgefallen war mir dieser Umstand aber natürlich (wie vermutlich jedem von uns) schon öfter.

Selbstverständlich ist es sehr vernünftig, bei möglichen Föhnlagen von vorne herein Biken zu gehen. Da ich aber Biken doof finde und sowieso jeden freien Tag an den Startplatz fahre, bin ich für meinen Teil da nicht ganz so binär. Dieses Jahr waren so unglaublich viele "mögliche Föhnlagen" angesagt, dass man beim grundsätzlichen Vermeiden der selben (zumindest an Wochenenden) wohl kaum in die Luft gekommen wäre. Aber das muss natürlich jeder selbst entscheiden, gesünder ist es sicher grundsätzlich auf Flüge bei Föhnlagen zu verzichten. Noch sicher ist es übrigens, gar nicht zu fliegen.

Und gerade weil die Föhngeschichten so schwierig vorhersehbar sind, bin ich über jedes noch so kleine Fitzelchen Information darüber dankbar. Denn nur aus dem Gesamtbild von vielen Informationen - und noch viel mehr Erfahrungen - wird sich der Instinkt entwickeln, der vielleicht am entscheidenden Tag über Starten oder nicht Starten entscheidet. Danke also, Lucien!

peder
13.11.2007, 05:13
Hallo,

den Nordföhn habe ich gerade letzte Woche in Bassano live miterleben können.
Morgens am Südstartplatz leicht pendelnder Wind aus Süd. Sah auf den ersten Blick fliegbar aus.
Ein Blick nach oben zeigte, daß die Wolken in den höheren Schichten mit hoher Geschwindigkeit südwärts zogen.

Wir sind dann zum Weststartplatz hochgefahren und hatten dort leichten Nordwest. Ein erfahrener Local (Klaus) und ein Teil der Leute vom Skywalk Testteam waren der Ansicht, daß man momentan noch starten kann. Als Richard Gallon vom Skywalk Team dann gestartet ist hatte der Wind schon etwas zugenommen. Keine 3 min. später war es schon nicht mehr fliegbar.

Weiter unten am Südstart konnte man wunderbar die Leerotoren in den tiefen Wolken erkennen. Unten am Landeplatz war dann wiederum kaum Wind. Dort kam der Föhn erst viel später durch.

Das war für mich schon ziemlich lehrreich, und bei Föhnvorhersage bleibe ich künftig lieber am Boden.

Gruß Patrick

waskukstdu
13.11.2007, 08:24
hi patrick

genau das gleiche in meduno,nur das sich dort die leute gewundert haben

das es bockig war obwohl die anzeichen klar waren.

schon bei der kleinsten abschattung kam der wind ordenlich von hinten

muß nicht immer föhn sein???

grüße jürgen

WA
14.11.2007, 14:46
Das Nord- oder Südstaulagen gefährlich sein können gehört ja wohl zum minium was ein Gleitschirmfliegen wissen sollte, oder?


Beat,

warum habe ich seit kurzem das Gefühl, daß Du bei meinen Post`s besonderst aufpasst?

Natürlich haben wir den Föhn beim Kurs durchgenommen, ich konnte, vielleicht auch noch, ihn sogar erstmals theoretisch richtig erklären, aber es ging ja nun wirklich in erster Linie um den S-Föhn.

Da ich nun nach meiner Ausbildung, nach einer kurzen Eingewöhnungszeit, oft in den S-Alpen flog und mich manches mal wunderte wie turbulent es zuging, obwohl man mir diese Gebiete als "Rentnertauglich" pries, begriff ich so langsam die Unterschiede, um irgendwann festzustellen, daß, wenn es im Norden schlecht geht, im Süden meisstens N-Lage ist und die mischt die Thermik dort mitunter kräftig auf. Das weiss ich jetzt nach 1,5 Jahren GS-fliegen.

Da Du ja schon so viel länger dabei bist, mag der Post von Lucian für Dich nicht interessant sein, aber ich z.B. obwohl gut ausgebildet wie ich meine, habe meine Erfahrungen bestätigt gesehen, ob das nun in Bassano zum X-ten Male, in G-burg, Meduno oder in Algo war, eigentlich war ich vielfach bei "Nord" unterwegs und damit oft sportlich.

Das Feedback auf Lucians Post freut mich einerseits, dachte erst da kommt nichts, auch das sich mehr "Berufene" meldeteten und andererseits zeigt es mir, daß das Thema so alltäglich nun doch nicht ist und damit eben doch immer wieder interessant.

Finde solche Artikel sollten öfters rüberkommen, da die Wetter-Geschichten vielfach nicht ganz einfach zu verstehen sind, für uns aber essentiell sind.

Gruß, WA

Eps 4
14.11.2007, 14:59
Beat,

warum habe ich seit kurzem das Gefühl, daß Du bei meinen Post`s besonderst aufpasst?


Kann Dich beruhigen..... dem ist nicht so!:p