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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Böenprognose übertreibt im Winter



luaas
22.02.2008, 17:29
Bei Wetter3, beim Kachelmann und bei Meteoblue gibt es auch Windkarten mit Böenprognosen. Vor allem im Flachland / Mittelgebirge sind die im Sommer ganz gut zu gebrauchen, um schon im vorhinein abschätzen zu können, wie sportlich es in der Luft werden könnte.

Im Winter, v.a. bei stabilen Hochdruckbedingungen mit Inversionen, neigen diese Karten aber zu Übertreibungen. Warum das so ist, habe ich in meinem Flugmeteo-Blog lu-glidz mal ein bisschen erklärt. Wen's interessiert:

http://lu-glidz.blogspot.com/2008/02/benprognose-bertreibt-im-winter.html


Lucian

Viech
22.02.2008, 17:36
Also ich war heute Groundhandeln und bei mir war es eher untertrieben. Die Böen lagen deutlich über der Kachelmann Prognose. Extrem böig...

Ich denke, man sollte nicht damit anfangen, Prognosen zu verharmlosen.

luaas
22.02.2008, 17:51
Also ich war heute Groundhandeln und bei mir war es eher untertrieben. Die Böen lagen deutlich über der Kachelmann Prognose. Extrem böig...

Ich denke, man sollte nicht damit anfangen, Prognosen zu verharmlosen.


Es geht nicht darum, Prognosen zu verharmlosen, sondern zu differenzieren. Also sollte auch ich mich etwas genauer fassen : Sie neigen bei stabiler Winterhochdruckschichtung zur Übertreibung.

Heute war sicher nicht so ein Fall. :eek:

Lucian

Viech
22.02.2008, 19:34
Ok, interessanter Beitrag übrigens, danke dir!

tomw
23.02.2008, 10:22
übertreibt definitiv manchmal - siehr die Kommentatr zum
Flugwetter Wochenende 26.01.08 (http://lu-glidz.blogspot.com/2008/01/flugwetter-wochenende-260108.html)

Heiko Jägle
23.02.2008, 11:30
Also ich war heute Groundhandeln und bei mir war es eher untertrieben. Die Böen lagen deutlich über der Kachelmann Prognose. Extrem böig...
Hallo Viech,

kannst du bitte verraten, in welcher Region du zum Groundhandlen warst? Würde gerne Prognosen mit tatsächlichen Werten abgleichen.

Gruss
Heiko J.

luaas
23.02.2008, 12:32
Also ich war heute Groundhandeln und bei mir war es eher untertrieben. Die Böen lagen deutlich über der Kachelmann Prognose. Extrem böig...



Wichtig ist auch zu schauen, wo Deine Groundhandlingwiese war. Vielleicht noch im Lee? Bei den für gestern prognostizierten Höhenwinden kann selbst ein mehrere Kilometer entfernter Höhenzug für deutliche Verwirbelungen sorgen.

Außerdem muss man bei extrem böig klären, ob Du damit die Häufigkeit der Böen oder die Windstärke in der Böe meinst.

Häufig kommt erscheint einem eine Böe auch dann als besonders stark, wenn sie mit einer deutlichen WInddrehung daherkommt. Kachelmann gibt nur die Windgeschwindigkeit der Böen an, nicht den Richtungssprung. Vielleicht waren die Böen also im Rahmen der Kachelmannschen Prognosen, aber dennoch so "verdreht" dass es Dir extrem lästig und gefährlich vorkam.

Bei den Kachelmann-Prognosen vom Freitag für die Eifel wäre ich übrigens erst gar nicht auf die Wiese gegangen... Wo warst Du denn?

Lucian

Viech
23.02.2008, 12:46
Hier war ich (Karte ist zentriert auf die GH Wiese)

http://maps.google.com/maps?f=q&hl=de&geocode=&q=jordanbad+biberach&sll=37.0625,-95.677068&sspn=30.185946,59.0625&ie=UTF8&ll=48.079398,9.832871&spn=0.006207,0.01442&t=h&z=16

Was man dazu sagen muss:
Das Gelände kanalisiert stark, im unteren Bereich ein wenig, oben bei der Schneise extrem. Es kann sein, dass der Wind westlicher anstand als gut war (die Wiese ist süd-südwestl. ausgerichtet) und damit evtl. im Lee war. Die Böen waren v.a. in der Stärke über der Prognose. Dann aber zwischenzeitl. auch wieder sehr schwach...naja wie gesagt: evtl. Lee.

Noch eine Frage: Je stärker der Höhenwind, desto stärker die Verwirbelungen hinter Höhenzügen (auch bis zum Boden)?

luaas
23.02.2008, 13:19
Hier war ich (Karte ist zentriert auf die GH Wiese)

http://maps.google.com/maps?f=q&hl=de&geocode=&q=jordanbad+biberach&sll=37.0625,-95.677068&sspn=30.185946,59.0625&ie=UTF8&ll=48.079398,9.832871&spn=0.006207,0.01442&t=h&z=16

Was man dazu sagen muss:
Das Gelände kanalisiert stark, im unteren Bereich ein wenig, oben bei der Schneise extrem. Es kann sein, dass der Wind westlicher anstand als gut war (die Wiese ist süd-südwestl. ausgerichtet) und damit evtl. im Lee war. Die Böen waren v.a. in der Stärke über der Prognose. Dann aber zwischenzeitl. auch wieder sehr schwach...naja wie gesagt: evtl. Lee.


Hallo Viech,

soweit ich das beurteilen kann, stehst Du auf der Wiese bei SW-Wind (W in der Höhe) nicht nur im Lee, sondern auch noch in der seitlichen Kompressionszone des Hügels überm Jordanbad. Das sollte schnell eine sehr böige Mischung ergeben.


Noch eine Frage: Je stärker der Höhenwind, desto stärker die Verwirbelungen hinter Höhenzügen (auch bis zum Boden)? In der Regel ja. Aber auch hier müsste man wieder differenzieren. Hängt auch von der Form und Höhe des Zuges ab, von der herrschenden Luftschichtung (labil/stabil), von der Stärke der Drehung des Windes mit der Höhe... Ums aber nicht zu kompliziert zu machen: Grundsätzlich bedeutet mehr Geschwindigkeit auch mehr Energie, die in Turbulenz verbraten werden kann. Darum sollte man als Flieger auch immer einen Blick auf die Höhenwindprognosen werfen!

Mehr dazu hier: http://lu-glidz.blogspot.com/2006/10/den-hhenwind-im-blick.html

Lucian

Viech
23.02.2008, 14:00
Danke für den Artikel!

Habe mich schon oft gefragt, wie man überhaupt Böenprognosen abgeben kann.
Kannst du vielleicht auch erklären, warum es bei Ostwind auch schnell böig sein kann? War hier mal ne Meldung vom DHV, soweit ich mich erinnern kann, allerdings war es evtl. auf eine Jahreszeit bezogen.

Wieso denkst du, dass eine Kompressionszone Böen verursacht? Dachte bisher, da wo Luft komprimiert wird, wird es eher laminarer, sowohl horizontal wie auch vertikal.

luaas
23.02.2008, 15:03
Danke für den Artikel!

Habe mich schon oft gefragt, wie man überhaupt Böenprognosen abgeben kann.
Kannst du vielleicht auch erklären, warum es bei Ostwind auch schnell böig sein kann? War hier mal ne Meldung vom DHV, soweit ich mich erinnern kann, allerdings war es evtl. auf eine Jahreszeit bezogen.

Wieso denkst du, dass eine Kompressionszone Böen verursacht? Dachte bisher, da wo Luft komprimiert wird, wird es eher laminarer, sowohl horizontal wie auch vertikal.

Hallo,
die Kompressionszone selbst verursacht keine Böen, zumindest nicht direkt. Sie beschleunigt erstmal nur die Luft. Aber jedes Hindernis, das dann im Weg steht, erzeugt dann umso stärkere Wirbel.
An so einem Bergkegel wie auf dem Map hast Du zudem Wind der oben drüber schwappt und welcher, der dran vorbei fließt. Allein dadurch bekommst Du dahinter eine Scherzone, wo beide Strömungen aus unterschiedlichen Richtungen aufeinander treffen, was auch wieder Turbulenzen erzeugt. Brauchst Du Dir nur als Stein in einem Bach vorzustellen, der umflossen wird.

Lucian

Gregor
23.02.2008, 16:51
also im Sommer passt die Kachelmann Vorhersage mit den Böen erschreckend gut. Allerdings: es wird ja immer die mittlere Windgeschwindigkeit und die Böen angegeben. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass im Sommer eher die Böen als Windgeschwindigkeit passt. Da frag ich mich doch: wie wird die mittlere Windgeschwindigkeit berechnet? Arithmetisches Mittel pro Stunde? Denn auch an windigen Tagen gibt es immer Momente, wo es fast gar nicht bläst.

Gregor

luaas
23.02.2008, 17:14
also im Sommer passt die Kachelmann Vorhersage mit den Böen erschreckend gut. Allerdings: es wird ja immer die mittlere Windgeschwindigkeit und die Böen angegeben. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass im Sommer eher die Böen als Windgeschwindigkeit passt. Da frag ich mich doch: wie wird die mittlere Windgeschwindigkeit berechnet? Arithmetisches Mittel pro Stunde? Denn auch an windigen Tagen gibt es immer Momente, wo es fast gar nicht bläst.

Gregor

Windmittelwerte werden i.d.R. einfach als arithmetisches Mittel der gemessenen Windwerte der jeweils letzten 10 Minuten berechnet. Windmessstationen haben üblicherweise ein Messintervall von 10 Sekunden. Also wird aus jeweils 60 Einzelmessungen das Windmittel berechnet.

Im Sommer kann häufig zur thermisch aktiven zeit ein großer Unterschied zwischen Grundwind und Böenwind sein. Wenn nun der Grundwind nur 10 kmh beträgt, die Böen aber 30 kmh stark sind und Du ein Drittel der Zeit die starken Böen am Startplatz hast, dann zeigt Dir das Windmittel nur knapp 17 kmh an, aber "gefühlt" hast Du doch sehr häufig den 30er Wind. So gesehen ist es dann schon sinnvoll, sich an den Böenprognosen zu orientieren.

Lucian

Heiko Jägle
23.02.2008, 17:17
wie wird die mittlere Windgeschwindigkeit berechnet? Arithmetisches Mittel pro Stunde? Denn auch an windigen Tagen gibt es immer Momente, wo es fast gar nicht bläst.
Die WMO hat festgelegt, dass für die in Wetterkarten und Stationsmeldungen angegebene Windstärke der 10-minütige Mittelwert angegeben wird.
Quelle: Wikipedia
Gruss
Heiko J.

Lucian war wieder schneller :-)