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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was kostet mehr Leistung: geknickte Mylar-Verstärkungen oder zerknittertes Tuch?



herc
29.05.2011, 18:46
Viele packen ihre Schirme Zelle auf Zelle. Dabei bleiben die Mylarverstärkungen oder die Stäbchen schön knickfrei. Was mir aber selber aufgefallen ist: mein Schirm sieht sehr viel mehr "zerknittert" aus - meiner Meinung nach besonders an der Eintrittskante - welche doch aber wohl so wichtig für den Auftrieb ist ? Wie laminar kann denn dann noch die Strömung im auftriebsrelevanten vorderen Teil bleiben, wenn das Tuch durch das enge Packen so stark knittert ?

Welche Vorteile hat das Zelle-auf-Zelle packen bis auf das bessere Startverhalten ?

Oder mal anders gefragt: mein gebraucht gekaufter Schirm wurde bisher klassisch nach der Bettuchmethode gepackt. Dabei bleibt das Tuch schön knitterfrei. Die Mylars sind aber schon teilweise recht stark geknickt. Macht es jetzt überhaupt noch Sinn, diesen Schirm Zelle-auf-Zelle zu packen ?

Uli
29.05.2011, 20:04
Gute Frage !

Genau dieselbe Frage habe ich mir auch schon gestellt, wenn ich über brav Zelle auf Zelle gepackte, aber im Obersegel zerknitterte Schirme geflogen bin.
Ist eh auffällig, mit wieviel Hingabe die Eintrittskante gepackt wird, der Rest aber oftmals lieblos zusammengeknäult wird. Außerdem sieht es so aus als würde das Tuch diagonal verspannt, indem man die Eintrittkante ungeachtet der natürlichen Krümmung fein säuberlich aufeinanderlegt.

rolx
30.05.2011, 06:59
Hallo Herc,

ich habe meinen Schirm seit 2002. Damals war's noch nicht üblich, Zelle auf Zelle zu packen. Dementsprechende Knicke hatten meine Verstärkungen :(. Als ich dann ca. 2006 in der Schweiz das erste Mal die andere Packmethode gesehen habe, fing ich an den Schirm so zu packen (damals von allen belächelt http://www.gleitschirmdrachenforum.de/images/icons/icon6.png). Nach kurzer Zeit konnte ich feststellen, dass die Knicke der Verstärkungen - wie soll ich schreiben - "schwächer" wurden. Zumindest gefühlt hat sich die Qualität wieder verbessert :). Ein zerknittertes Tuch stelle ich eher weniger fest. Wenn der Schirm mal ein gewisses "Alter" hat :) ist das Tuch so weich, dass da nichts mehr knittert ;)

Meine Empfehlung: Packe Zelle auf Zelle, das bringt meiner Ansicht nach auf Dauer mehr.

Gruß, rolX (www.rolX.de)

shoulders
30.05.2011, 09:37
Genau dieselbe Frage habe ich mir auch schon gestellt, wenn ich über brav Zelle auf Zelle gepackte, aber im Obersegel zerknitterte Schirme geflogen bin.
Ist eh auffällig, mit wieviel Hingabe die Eintrittskante gepackt wird, der Rest aber oftmals lieblos zusammengeknäult wird.
Das macht dem auch nix. Im Gegenteil: wenn das Gewebe immer an der gleichen Stelle gefaltet wird, leidet es erst so richtig und wird an diesen Stellen luftdurchlässiger. So lange es dagegen die Luft hält, funktionieren auch all die internen Strukturen, die dem Flügel seine Form geben.

Eintritts- und Hinterkante spielen hingegen Sonderrollen. Hinten passt wenig Luft rein, deshalb sorgen hier bisweilen zusätzliche Strukturen (z.B. Miniribs) für mehr Formhaltigkeit. Da ist aber keine große Last drauf, drum kann das rein textil ausgeführt werden. Vorne hingegen ist erstens - vor allem beim Start - zu wenig gegen den Oberflügel gerichteter Druck vorhanden, um alleine durch "Aufblasen" ein optimales Ergebnis zu erzielen, und zweitens ist hier über eine größere Fläche eine bestimmte Form gefordert. Deshalb wird hier zusätzlich in Strukturen verstärkt, deren Funktionserhalt durch bestimmte Packweisen begünstigt wird.

CU
Shoulders

creg
30.05.2011, 09:56
Ich nutze oft die Madsen Packtechnik (http://www.youtube.com/watch?v=4WtaO3Je-mQ). Eintrittskante liegt Zelle auf Zelle und es geht recht schnell, wenn man sich an den Bewegungsablauf gewöhnt hat ;)

testpilot
30.05.2011, 11:07
hat weniger mit Leistung zu tun als mit Sicherheit,
wenn die Mylars stark geknickt sind, dann haben sie nicht mehr die ursprüngliche Festigkeit, diese ist jedoch für das Füllverhalten extrem wichtig, welches sich verschlechtert, d.h. die Eintrittsöffnungen verjüngen sich bei einströmender Luft, im Extremfall verschliesst das Obersegel die Eintrittsöffnung komplett
die Schirme haben dann leider auch die Tendenz nach großflächigen Klappern deutlich mehr Zeit zu benötigen um sich wieder zu Füllen und in Normalflug zu gehen.
Es gibt selbst im 1-2er-Bereich Schirme die durch die verlängerte/verzögerte Wiederbefüllung mehr Rotation auf den Piloten auswirken, mehr als im Testzertifikat des Neuschirms, leider auch in eine stabile Spirale gehen und die geklappte Seite nicht mehr öffnet ohne erheblichen Eingriff des Piloten, also zum sogannten "Hochleister" werden, zumindest was das Extremflugverhalten anbelangt,
man könnte sie auch als heimliche "Witwenmacher" bezeichnen

Ich würde unerfahren Piloten nicht empfehlen einen in Sachen Start/Füll/Steigverhalten vom Neuzustand stark negativ abweichenden Gebrauchtschirm im Selbstversuch auf sein gesamtes Extremflugverhalten zu überprüfen, der Ausgang kann zur ungewollten Überraschung führen.

Wer lange die Sicherheit seines Schirm aufrechterhalten will, der geht sorgsam mit dem Material um, ganz besonders mit der Eintrittskante und seinen verstärkenden Elementen

happy landing
Hartmut

tjackermann
30.05.2011, 12:23
Hartmut,
das klingt logisch und würde im Umkehrschluss bedeuten, dass die heutigen Schirme mit Stäbchen gealtert deutlich stabiler und sicherer bleiben?, da man die kaum verknicken kann.
T

Schirmschoner
30.05.2011, 14:19
Servus,
ich denke es kommt auf den Mylar an. Das leichte Material bei z.B Gradient ist nicht so Empfindlich wie z.B das meines alten Omega5. Da waren fast schon Bretter verbaut.
Habe den schirm normal gepakt und nach drei Jahren lag die Eintrittskannte wie ein Pfannkuchen da. Resultat waren immer schlechtere Starteigenschaften. Habe den Nachfolger immer Zelle auf Zelle gepackt und siehe da,
das Teil startet wie eh und je. Der größte Leistungsverlust bei Schirmen kommt vor allem von der Vertrimmung.
Leistungstechnisch wird sich kein großer Unterschied ergeben, Startechnisch jedoch schon.
Ich bin für Zelle auf Zelle, mit dem Richtigen Innenpacksack gehts auf jeden fall genauso schnell wie "normal".

MFG Rob

seidenschwan
30.05.2011, 16:06
Ah ja, dies war auch mal meine Frage. Damals, als es noch keine Stäbchen gab, in der Ausbildung an meinen Fluglehrer gerichtet:cool:
Seine Antwort war etwas Unorthodox: " Wenn das was ausmacht.-Dann hätt`es keiner werden dürfen":D:D

Seidenschwan

Nic
30.05.2011, 19:28
Hallo Seidenschwan,
die Antwort kapier ich so nicht. Dann hätt es keiner werden dürfen??
Nicolas

Blue"s"ky
30.05.2011, 21:23
...am meisten Leistung kostet vermutlich ein schlechter geknickter Pilot ??? ;)

Ivko
30.05.2011, 22:56
Hallo,

im neuen Thermik (http://www.thermik.at/) (06.2011) auf Seite 40 ist einen Antwort von Michael Nesler (Icaro) und Hannes Papesh (Nova) genau auf die Frage - Wie wichtig sind Stäbchen für die Leistung. :cool:

Insgesamt ist der ganze Artikel sehr interessant (ab Seite 38).

Schöne Flug-Träume,
Ivaylo

Schirmschoner
31.05.2011, 16:48
@Sepp,
der war echt gut:D
MFG Rob

Dirty-13
31.05.2011, 23:34
Ich nutze oft die Madsen Packtechnik (http://www.youtube.com/watch?v=4WtaO3Je-mQ). Eintrittskante liegt Zelle auf Zelle und es geht recht schnell, wenn man sich an den Bewegungsablauf gewöhnt hat ;)

Wie geil ist das denn??? Das geht ja noch schneller als bei mir :-)))