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flieger2000
03.08.2011, 20:50
Liebe Flieger!


Habe seit einiger Zeit eine gewisse Thermikscheue entwickelt und die macht mir doch ein wenig Sorgen bzw. der Flugspaß nimmt dadurch ab und das ist sehr sehr schade...

Eben habe ich noch Thermikscheu gegoogelt und fast keine Einträge gefunden und von daher dachte ich mir stellste mal hier deine Situation vor und fragste mal wem es evtl. ähnlich geht...

Also: Der große Thermikflieger war ich noch nie, fliege zwar seit 6 Jahren Gleitschirm, aber fühle mich immer noch als Anfänger, da ich auch ziemlich wenig fliege.

In den ersten 2 bis 3 Jahren bin ich schon ein paar Mal Thermik geflogen und mit 3,4,5 Meter Bärten auch ganz gut klargekommen. Bin auch insgesamt ziemlich unbedarft an das Fliegen rangegangen und es war immer super!

Doch neuerdings überkommt mich immer mehr eine gewisse Thermikscheue, schon bei einem Steigen von über 3m/s denke ich: Bloß weg hier, ist mir zu heftig, fühle mich unsicher, der Flugspaß leidet enorm, bemerke seltsame Gedanken, denke an: was ist wenn dieses oder jenes passiert, ist mir auch zu stressig usw... Kurzum: Ich peile die Landung an oder versuche sanftere Thermik zu finden was meinstens mißglückt.

Die ganze Sache ist eine rein mentale Geschichte.
Die Flugbedingungen in denen ich flieg sind absolut okay, meistens fast anfängertauglich oder zumindest immer händelbar, es ist auch noch nie etwas schlimmes in der Thermik passiert, abgesehen von Entlastern oder kleine Klapper, außerdem fliege ich einen Einser-Schirm; und wenn ich lande gehe, fliegen fast alle anderen noch munter weiter und eigentlich war alles okay.

Gepaart ist die ganze Sache mit einer gewissen Höhenangst, ein Gefühl des evtl. Ausgeliefertsein, nicht mehr Herr der Dinge zu sein usw...

Beim Soaren ist alles okay, wenn die Steigwerte moderat sind, ich bin auch der klassische Soaring-Typ.

Aber das es gar keine Thermikflüge mehr sein sollen, damit möchte ich mich nicht abfinden!

Wem geht es ähnlich???
Und was hast Du dann gemacht???

Viele werden mir jetzt sicherlich ein Sicherheitstraining raten, allerdings weiß ich nicht ob das mir hilft???

Es ist ja eine reine Kopfsache, habe auch schon mal an ein Mental-Training gedacht, hat einer davon schon mal was gehört???


Ich freue mich über jede Anwort!

Ansonsten allen Gute Flüge ohne Thermikscheue!


Gruß aus Bielefeld

on air
03.08.2011, 21:40
hallo!

das wort "thermikscheue" hab ich heut zum 1. mal gelesen. es ist wohl nicht sehr gebräuchlich, vielleicht hast du deswegen kaum etwas gefunden.
ich glaube, unter "flugangst" findest du mehr treffer, auch hier im forum.

ich denk, deine art von unwohlsein in der thermik haben alle ab einer gewissen "bockigkeit", wobei es da individuelle unterschiede gibt. wenns dem einen zu bockig ist, fliegt der andere noch vergnügt weiter.

jedenfalls hat dein unwohlsein irgend einen grund, es ist sicher ein mentales problem, wie du selbst schon geschrieben hast.

es macht kaum sinn, weiterzufliegen, wenn einem unwohl ist in der thermik. ich empfehle dir, zu thermikschwachen zeiten zu fliegen und ganz langsam steigern.

lg
on air

Micha0365
03.08.2011, 21:48
Da fallen mir spontan 3 Dinge ein:

1) Wenn Du gutes Steigen hast, kreise einfach steiler. Dann hat die Kappe mehr Druck, wird sehr stabil und Du steigst langsamer.
2) Ein Bekannter war nach einer schlechten Flugerfahrung bei Eki Maute am Achensee und der hat ihm wohl praktisch und psychisch sehr geholfen.
3) Andi Breuer in Bassano kann Dir sicher auch helfen, mehr Vertauen zu Dir selbst und Deinem Schirm zu bekommen.

Ich würde einfach mal die beiden anrufen, das Problem schildern und sehen, was sie Dir anbieten können.


...Good Luck...

SATurn
03.08.2011, 22:01
Hallo Josef,

nach meinen ersten negativen Erlebnissen in starker Thermik konnte ich in Folge auch ein gewisses "Aufwind-Flucht-Verhalten" bei mir feststellen. Ich hab damals mit einem guten Streckenpiloten darüber gesprochen. Seine Antwort hat mir geholfen zu verstehen, daß die Angst vor einer unsichtbaren Kraft etwas völlig normales und Menschliches ist. Und auch, daß man damit umgehen lernen kann.

Er sagte: "Dort wo ich mich am meisten fürchte, gehts am Besten rauf." Aus heutiger Sicht kann ich nur sagen: Er hatte recht. ;)

setup
04.08.2011, 07:08
Hi Josef,

mein persönliches Rezept gegen die Unsicherheit (wäre es Angst würdest Du vermutlich nicht fliegen) ist "Fliegen".
Wenn ich längere Zeit nicht geflogen bin sind die ersten Flüge immer mit einem unangenehmen Gefühl verbunden. Nach mehreren Flügen kommt die Sicherheit zurück und was anfangs Unbehagen verursachte macht dann wieder Spass.

Das Gefühl jetzt nicht starten zu wollen oder frühzeitig landen zu gehen kenne ich ebenfalls, ich empfinde das auch nicht als schlimm. Viele Piloten in meinem Umfeld (auch die mit langjähriger Erfahrung) hatten ihre Krisen. Wichtig ist dranbleiben und in kleinen Schritten den wirklichen Spaß zurück gewinnen.

Bleib dran.

Michael

soundglider
04.08.2011, 08:12
Ein anderer Ansatz, falls noch nicht geschehen:

Versuch dich mit dem Thema Thermik theoretisch auseinanderzusetzen, lerne woher diese Luftströmungen genau kommen, wie sie sich verhalten, warum es zu "Turbulenz" kommt. Dann versuche detailliert zu verstehen wie und warum sich dein Schirm verhält, wenn er "rumbockt". Wenn du dir die Thermik als Modell im Kopf visualisieren kannst und nicht als "unsichtbaren Feind", sondern als kontrolliert genutzte Aufsteigsmöglichkeit siehst, klappt es bestimmt besser!
Geh mit ein wenig Kampfgeist ran, schnapp dir die perfekte Welle und geh es etwas sportlicher an.

Das schaffst du!

Vibe
04.08.2011, 08:20
Ich finde den Tipp mit dem "enger Kreisen" den besten. Ich mache das genauso. Wenn ich in eine Thermik komme und es ruppelt ordentlich, dann fliege ich einfach enger Kreise. Dann gehts zwar nicht mehr so hoch rauf, aber dafür fühlt es sich viel besser an. Das ist im Endeffekt sogar viel angenehmer als aus der Thermik wieder zu flüchten, denn da rumpelt es dann gleich nochmal ordentlich.

Gruß

Claus

winDfried
04.08.2011, 08:34
Ich freue mich über jede Anwort!
Gruß aus Bielefeld
Na, dann hast Du hier eine, die ein paar andere hier nicht freuen wird ;) :
Sattele um auf Drachen.
Damit brauchst Du auch in starker Thermik keine Angst zu haben.

Die Umschulung ist einfach, schnell und kostengünstig.
Für´s erste könnte ein Besuch am Landeplatz in Porta Westfalica helfen, das ist von Dir aus ja nur um die Ecke.


Und was hast Du dann gemacht???
Ich fliege mit dem Gleitschirm keine Thermik (mehr).
Der ist dafür sowieso nicht erfunden worden. W.

pipo
04.08.2011, 08:39
Hi,

Sattele um auf Drachen.
[...]
Ich fliege mit dem Gleitschirm keine Thermik (mehr).
Der ist dafür sowieso nicht erfunden worden. W.
Der Drachen bekanntlich eben so wenig.
Und der Computer wurde nicht erfunden, um in Foren zu posten. :)

P.

Cowboy
04.08.2011, 09:05
Liebe Flieger!



Es ist ja eine reine Kopfsache, habe auch schon mal an ein Mental-Training gedacht, hat einer davon schon mal was gehört???




Gruß aus Bielefeld

Kann dich verstehen. Und...Mentaltraining?
Nun, vielleicht hilft dir dies, wenn du es liest und in Gedanken durchspielst. Auch sowas wie Mentaltr.

http://tinyurl.com/3ktaqm8

Dann kannst du in etwa nachvollziehen was passiert und wie du die Kontrolle behältst.

herrgottnochmal
04.08.2011, 09:12
Also wenn ich mal wieder ohne irgendwelche Ziele nur so in der Luft rumdümpele, kommt es schon vor, dass mich zuviel Geschüttel beim Thermikfliegen nervt und ich mich für eine frühzeitige Landung entscheide. Ganz anders sieht es aus, wenn ich mir eine Aufgabe gesetzt habe. Das kann eine Strecke sein oder alternativ die Vorgabe, mindestens eine Stunde in der Luft zu bleiben. Mit so einem Ziel vor Augen wird jeder Meter Höhengewinn dankbar angeommen. Das bißchen Gerappel ist dann plötzlich im positiven Sinne wichtig und gut.
Soviel zum Thema der mentalen Verarbeitung von ungewohnten äußeren Einflüssen. Stefan

Cacao
04.08.2011, 09:13
Thermikscheu ist ein Zuspitzung auf eine bestimmte Flugsituation, aber da Du auch andere Zusammenhänge andeutest, würde ich das als allgemeine Flugangst deuten.
Ganz sicher gibt es die Möglichkeit, sich einer Psychotherapie zu unterziehen.
Ich habe bei meiner beruflichen Tätigkeit zwar selten aber doch einige Fälle erlebt. Die damit befassten Psychologen haben nach kurzer Behandlung, ob das nicht nur ein vorübergehen „Einbildung“ ist, zum Berufswechsel geraten.
Zwar könnte man das auch mit Medikamenten „behandeln“, aber dazu raten kann man wohl nicht.
Es gibt eben Leute, die von klein auf z.B. durch überängstliche Mütter, die bei jeder Aktivität ihres Sprösslings bereits ein Unglück kommen sehen, zur Ängstlichkeit gedrängt werden. Und so wird es ja auch von „wohlmeinenden“ Journalisten z.B. im Fernsehen von jeder möglichen „Gefahr“ beim Spielen der Kinder dargestellt.
Man könnte auch sagen, dass man eine Tätigkeit, die man „im Grunde seines Herzens“ nicht will auch nicht ausüben sollte.

seidenschwan
04.08.2011, 09:27
Hallo flieger 2000


erst einmal finde ich es große Klasse daß du das so freizügig zugibst.
Denn oft ist das ein tabuthema wie ich finde .

Aber du siehst, du bist nicht alleine mit deiner Thermikflucht. Mir ging es ganz am Anfang so. Als A Schein Neuling bin ich immer zwischen den Thermiken durchgeflogen und hab Quasi "Verkehrtrum eingedreht" Das hat sich geändert als ich anfing die thermik als " Freund" und nicht als Feind zu betrachten. Natürlich auch mit mehr fliegen....


Gruß Johann

HumanFly
04.08.2011, 10:27
Hi Flieger2000,

zunächst möchte ich richtigstellen, dass Psychologen deine Flugangst mit Medikamenten behandeln würden. Das wäre der Ansatz von Psychiatern, Psychologen dürfen dir gar keine Medikamente verschreiben.

Die von dir beschriebene Flugscheue würde vermutlich als Angst verstanden werden. Ob es sich dabei um eine psychische Störung handelt, oder um eine funktionale Reaktion deines Körpers ist Ansichtssache. Je nachdem wie groß dein Leidensdruck und deine Einschränkung ist, dürfte ein Psychotherapeut dich gar nicht behandeln, weil es sich eben nicht wirklich um eine therapierelevante Störung handelt.

Eine Therapie bei Angst basiert in der Regel zunächst auf einer kognitiven Komponenten, die wie bereits vorgeschlagen auf der Ebene des Verstands ansetzten würde und dir klar macht, dass deine Angst vor starker Thermik irrational ist. Das alleine ist vermutlich nur wenig hilfereich, weil dir vermutlich schon klar ist, dass starke Thermik keine tatsächliche Bedrohung ist.

Neben der mentalen Ebene würde ein Verhaltenstherapeut es mit einer Expositionsbehandlung versuchen. Da es am Beispiel heftige Thermikfliegen nicht so einfach sein wird mit dir gemeinsam "in die Situation zu gehen" würde es sich zunächst anbieten die kritische Situation in der Vorstellung durchzuspielen.
Im Grunde geht es darum, dass du dir die Angstauslösende Situation vorstellst, dann Angst bekommst, dich weiterhin der Situation aussetzt und beobachtest wie die Angst irgendwann wieder nachlässt. So merkst du, dass die Angst auch wieder abklingt und du die Situation meistern kannst. Wichtig ist hierbei der angstauslösenden Situation nicht zu entfliehen, denn dieses Vermeidungsverhalten führt dazu, dass die Angst stärker wird und dass du über kurz oder lang immer mehr ähnliche Situationen meidest und in deinem Verhaltensspielraum immer weiter eingeschränkt wirst.

In der Regel hat Angst auch etwas damit zutun, dass du dich ausgeliefert fühlst, als hätte man dich in die Ecke eines Raumes gedrängt und du siehst keine Handlungsalternativen mehr. Dann bleibt nur noch Flucht oder die Angst wird so groß, dass sie dich völlig lähmt. Hiergegen hilft es alternative Handlungsstrategien zu erarbeiten. Du könntest z.B. wie schon erwähnt versuchen enger zu kreisen.

Ich bin zuversichtlich, dass du die Sache in den Griff bekommst. Deine Strategie "Freunde" um Rat zu fragen ist richtig. Vielleicht versuchst du mit guten Freuden gemeinsam Thermikfliegen gehen?

Gruß,
Andi

Vibe
04.08.2011, 10:33
Hi Flieger2000,

Eine Therapie bei Angst basiert in der Regel zunächst auf einer kognitiven Komponenten, die wie bereits vorgeschlagen auf der Ebene des Verstands ansetzten würde und dir klar macht, dass deine Angst vor starker Thermik irrational ist. Das alleine ist vermutlich nur wenig hilfereich, weil dir vermutlich schon klar ist, dass starke Thermik keine tatsächliche Bedrohung ist.

Gruß,
Andi

Ich finde schon das starke Thermik eine starke Bedrohung sein kann, wenn das fliegerische Können nicht dazu passt. In sofern ist diese Aussage wohl eher mit Vorsicht zu geniessen.

Und ich denke genau darum dreht sich auch das Problem von Josef. Es ist schwierig herauszufinden was für einen selber noch Ok ist, wenn man sich nicht traut über die Grenze zu gehen.
Gerade wenn man wenig fliegt ist es fast unmöglich sich an seine Grenze heranzutasten, denn wenn man mal 1 Woche Flugurlaub macht und dabei 5-6 Flüge hinbekommt, dann hat man gerade beim 6ten Flug sich so langsam wieder herangetastet und muss auch schon wieder nach Hause.
Ich merke das immer sehr stark in der 1 Woche Castelluccio die ich jedes Jahr mache. Da geht es mir auch so.
Wo hingegen, nach den 3 Wochen Chile, wo es eben jeden Tag thermisch zu fliegen geht, ich mich dann pudelwohl fühle, weil ich mich eben langasm jeden Tag etwas mehr auch an die schwereren Bedingungen herantasten konnte.

Gruß

Claus

WillyCH
04.08.2011, 11:47
Hi Flieger 2000
Auch von mir erstmals Gratulation zur Offenheit. Viele Piloten verstecken ihre Aengste und Befürchtungen und tun sich damit nichts Gutes.
Ich habe an anderer Stelle schon von meiner "Startangst" berichtet, die ich mir mit einem Ueberschlag am Uebungshang "eingefangen" habe.

Ich habe meine Blockade in drei Schritten gelöst:
1. vertiefte Ursachenanalyse in mehreren Gesprächen mit dem Fluglehrer, ich musste zuerst erkennen vor WAS ich genau Angst habe
2. Bekämpfung der Angstsymptome mittels "EFT", Emotional Freedom Technique. Ich habe das auch für Scharlatanerie gehalten, aber nachdem mir mein Zahnarzt in einer einzigen Sitzung meine Zahnarztangst nehmen konnte wurde ich eines besseren belehrt. Hierzu hilft Google.
3. Um Rückfälle zu verhindern habe ich während gut 4 Monaten täglich 30-45min Mentaltraining absolviert, bei dem ich nur den Dreiphasenstart immer wieder visualisiert und durchlebt habe.

Seither fliege und starte ich wieder angstfrei und aus einem ehemaligen "Problemstarter" wurde ein regelrechter "Musterschüler":)

Alles Gute, mehr zu EFT gerne per PM
e Gruess
Ueli

Oberlender
04.08.2011, 13:45
Er sagte: "Dort wo ich mich am meisten fürchte, gehts am Besten rauf." Aus heutiger Sicht kann ich nur sagen: Er hatte recht. ;)

Wirklich ein kluger Mann.... Also such dir den grössten Leepfupf, wenn möglich noch mit Starkstromleitungen geschmückt und fürchte dich, denn es muss raufgehen... :eek:

Wenn sich einer nach 6 Jahren immer noch als Anfänger sieht, kommt das nicht von ungefähr. Du kommst einfach zu wenig zum Fliegen und nichts anderes.... vermutlich bis hast du auch vor jedem Start noch Bammel, weil es jedes mal eine Lotterie ist, ob das Ding wirklich fliegt... Aber da man in einigen Gebieten viele Katastrophenstarts sieht, blendet man dies gerne aus und denk sich, dass muss so sein.

Geh fliegen...

DonQuijote
04.08.2011, 14:58
Wenn es mir so geht, dass mir die Thermik zu brutal erscheint und ich ein ungutes Gefühl bekomme*, dann versuche ich folgende Entscheidung bewusst zu fällen: ENTWEDER ich nehme diesen Ritt jetzt an, fühle mich stark und überlegen und tanze den Tanz mit der Thermik zu Ende. ODER ich fliege weg, gehe auf der Stelle landen und leg mich in die Sonne. Wenn Du das ein paar mal so gemacht hast, weißt Du dass Du es immer in der Hand hast, ob Du heute kämpfen oder landen willst. Damit wird der "Kampf" oder "Tanz" zur freiwilligen Aktion und beginnt Spaß zu machen. Immer öfter entscheidest Du Dich dann freiwillig dazu, es mit der Thermik aufzunehmen. An (mental) schlechten Tagen oder wenn ich das Gefühl habe gerade am falschen Ort zu sein, gehe ich aber nach wie vor bedingungslos landen. Ich MUSS NICHT fliegen.

Vermutlich ist es auch der Grund, warum man wie Stefan geschrieben hat beim ziellosen Herumdümpeln eher anfällig ist - man hat einfach keine konkrete Entsscheidung gefällt ob man jetzt weiterfliegen und die Thermik annehmen oder aufgeben und landen will. Beide Entscheidungsalternativen sind immer in Ordnung - nur ohne Entscheidung "weiterzudümpeln" und sich rumwerfen zu lassen führt zu noch mehr Unbehagen und Frustration.

*Ich versuche mir auch immer Modelle zu bauen, warum es gerade wie abgeht, so wie klanggleiter geschrieben hat. Meistens kommt das ungute Gefühl dann auf, wenn es mir über einen größeren Zeitraum überhaupt nicht gelingt zu verstehen, warum es wo hackt und ich permanent von unerwarteten "Granaten" erwischt werden. Wenn ich nicht mehr begreife, was vor sich geht, geh ich meistens landen.

Um das so praktizieren zu können, fehlt Dir aber definitiv noch einiges an Wissen, Erfahrung und Instinkt bei deinem geringen Flugaufkommen. So weißt Du natürlich nicht, wo es jeweils ruhigere Zonen haben wird, in die Du flüchten kannst, oder kannst im Bart schlecht einschätzen, ob es nach 30 Sekunden wohl schwächer oder noch viel stärker werden wird, ob Du das Zentrum richtig gefunden hast, ob Du nur einfach ein bisschen weiter Richtung Luv des Barts kurbeln musst und dann Ruhe hast usw. Da hat der Oberlender wiederum recht. Du hast also gar kein individuelles Problem, das ein Psychologe behandeln muss, Du musst nur mehr fliegen und Dir die Skills erwerben mit der Thermik umzugehen.

Da hilft nicht mal ein Drachen, gell WinDfried ;-)

SATurn
04.08.2011, 15:03
Wirklich ein kluger Mann.... Also such dir den grössten Leepfupf, wenn möglich noch mit Starkstromleitungen geschmückt und fürchte dich, denn es muss raufgehen... :eek:

Hast Du nicht verstanden was ich sagen wollte oder willst Du es nicht? Ich sagte doch ganz klar:


Seine Antwort hat mir geholfen zu verstehen, daß die Angst vor einer unsichtbaren Kraft etwas völlig normales und Menschliches ist.

Ein Lee kann ich erkennen, eine Stromleitung auch. Also, was soll der Blödsinn?

Im übrigen gehts über Starkstromleitungen meistens wirklich rauf.... ;)

DonQuijote
04.08.2011, 15:11
Im übrigen gehts über Starkstromleitungen meistens wirklich rauf.... ;)
Stimmt definitiv. Eins der letzten ungeklärten Rätsel der Menschheit.

Bauchstarter
04.08.2011, 15:46
Stimmt definitiv. Eins der letzten ungeklärten Rätsel der Menschheit.

vielleicht so ähnlich wie ein induktionskochherd? :rolleyes:

Rainer
04.08.2011, 16:00
...jetzt mal ganz im Ernst:

Es könnte sein, dass deine Gurtzeug-Schirm-Kombination einfach zu kippelig ist.
Es gibt Schirme und erst recht Gurtzeuge, unter denen sich einige (ich auch) nicht sehr wohlfühlen, weil sie hebeln oder sonst wie zuu genau anzeigen, wo der Bart ist.
Ruhig und schön gedämpft sind m.E. alle Schirme von Advance, wesentlich agiler zB. die von Gradient. Bei den Gurtzeugen wirkt eine hohe Aufhängung oder ein ziemlich enger Brustgurt wahre Wunder. Denn nicht alle Flieger sind Fans von agilem Equipment.
Probier´s mal einfach aus.

PS: Das mit den Stromleitungen stimmt tatsächlich !

LG, Rainer

El Zorro
04.08.2011, 16:04
Stimmt definitiv. Eins der letzten ungeklärten Rätsel der Menschheit.

Elektrothermik - ist doch klar. ;)
Hab ich auch schon öfter drin gekurbelt. Immer mit einem etwas seltsamen Gefühl - ich weiss auch nicht warum :rolleyes:

Vielleicht wird ja die Luft zwischen den Leitungen irgendwie verändert ?

Michael Bauer
04.08.2011, 16:06
Hallo!

Vieles, von dem was Du schreibst, kenne ich sehr gut:

Ich fasse mal zusammen:

Du spürst ein gewisses Unbehagen, das bei Dir durch starke Thermik ausgelöst wird.
Es hat mit einer gewissen Höhenangst zu tun und mit dem Gefühl, des Ausgeliefertseins.
Dieses Unbehagen hat sich bei Dir erst mit der Zeit entwickelt.
Es mindert Deinen Flugspaß, was Dich ziemlich ärgert.

Bei mir ist es nicht ganz identisch, aber durchaus damit verwandt: Höhe macht mir gar nichts aus, im Gegenteil: Ich fühle mich eher in Bodennähe unwohl. Es ist auch nicht die Thermik direkt, die mir Angst einjagt und selten die Stärke der Thermik. Was mich beim Fliegen jedoch kolossal stresst, ist Verkehr. Ich habe ganz ordentliche Angst vor Kollisionen und mein Wohlfühlabstand zu anderen Schirmen ist erheblich größer als bei anderen Piloten, weshalb ich oft einen weiten Bogen um bereits besetzte Bärte mache. Hinzu kommt eine höchst irrationale Angst vor Wolken. Wenn der Himmel blau ist, finde ich Thermik cool, wenn eine Wolke drüber steht (was ja häufiger der Fall ist), fühle ich mich unwohl.

Auch bei mir ist dieses Unbehagen nicht von Anfang an da gewesen, sondern hat sich erst mit der Zeit entwickelt. Ich wurde noch nie von einer Wolke eingesogen und ich habe noch nie eine Kollision erlebt. Von daher weiß ich nicht, woher dieses Unbehagen konkret kommt. Und es geht mir wie Dir: Ich weiß, dass diese Angst mehr oder weniger unbegründet ist.

Ich glaube auch, dass diese Sache mental bedingt ist, und dass sie rein gar nichts mit dem fliegerischen Könnensstand zu tun hat. Auch der Vorschlag, auf Drachen umzusteigen, löst das Problem nicht.

Versuchen wir es doch mal als Hobbypsychologe: Ängste sind bedingte Reflexe. Sie werden erlernt durch Konditionierung. Wahrscheinlich haben wir irgendwelche Situationen erlebt, die wir mit einer "Bestrafung" verknüpft haben (Bestrafung im Sinne von Pawlow). Vielleicht hast Du einmal in einer starken Thermik ein Ereignis erlebt (vielleicht ein heftiger Klapper), der Panik ausgelöst hat. Nun rufen ähnliche Situationen negative Gefühle hervor, weil sich Dein Unterbewusstsein an dieses Ereignis erinnert. Bei Dir ist es die starke Thermik, bei mir der enge Verkehr. Diese Konditionierung löscht man am wenigsten dadurch, dass man die Situation an sich vermeidet, denn man soll ja lernen, dass der Reiz (starkes Steigen) an und für sich ein neutraler Reiz ist. Vielleicht wäre daher der richtige Rat an Dich: Wenn Du im Bart bist und Dich unwohl fühlst, dann kurble Ihn trotzdem aus und genieße den Triumph, über allen anderen zu schweben! Wahrscheinlich ist es einfach zu lange her, als Du das letzte Mal gefühlt hast, wie toll es ist, zur Basis empor zu klettern. (Das machst Du natürlich nur dann, wenn Dir Deine Vernunft sagt, dass die Thermik prinzipiell ok ist. Ich will damit nicht gesagt haben, dass Du in die nächst beste Cb fliegen solltest!)

Für mich heißt das wohl: Mal wieder am Wochendende nach Kössen oder so zu fahren, im Hausbart zu kurbeln und jedem Mitflieger in der Luft die Hand zu schütteln ... ;-)

Jemand anderes hat vorgeschlagen, sich Ziele zu setzen. Das ist im Prinzip derselbe Ansatz, denn das Erreichen des Ziels ist - wieder im Pawlowschen Sinne - eine Belohnung, die vielleicht irgendwann Deine Thermikscheu in eine Thermikaffinität umkehren kann.

Und wann gehen wir wieder fliegen?

Michael

Águila Austriaca
04.08.2011, 17:45
[QUOTE=flieger2000;320565]
Doch neuerdings überkommt mich immer mehr eine gewisse Thermikscheue, schon bei einem Steigen von über 3m/s denke ich: Bloß weg hier, ist mir zu heftig, fühle mich unsicher, der Flugspaß leidet enorm, bemerke seltsame Gedanken, denke an: was ist wenn dieses oder jenes passiert, ist mir auch zu stressig usw... Kurzum: Ich peile die Landung an oder versuche sanftere Thermik zu finden was meinstens mißglückt.

Hallo Josef.
Du betreibst ja das Fliegen als Freizeitsport und solltest deinen Spass daran haben. Laß doch mal die Thermik, Thermik sein und mache das, waß dir Spass macht. Ein kleine Abgleiter zu ruhiger Stund, kann auch schön sein. Setz dich nicht unter Druck (ich glaub, hier ist eins deiner Probleme), egal wie hoch die anderen sind und wie lang sie auch in der Luft bleiben. Je öfter du fliegst (hier ist noch eins deiner Probleme, fliegst zuwenig) und je mehr spass du dabei hast, umso schneller wirsd dich auch in Thermiken wagen ohne dabei Stress zu haben und wenn nicht, waß solls, ruhige kurze Flüge können auch schön sein, wichtig ist du hast Spass daran. Freizeitsport, Freizeitvergnügen:D



Die ganze Sache ist eine rein mentale Geschichte.
Die Flugbedingungen in denen ich flieg sind absolut okay, meistens fast anfängertauglich oder zumindest immer händelbar, es ist auch noch nie etwas schlimmes in der Thermik passiert, abgesehen von Entlastern oder kleine Klapper, außerdem fliege ich einen Einser-Schirm; und wenn ich lande gehe, fliegen fast alle anderen noch munter weiter und eigentlich war alles okay.
Lass die anderen, andere sein, kein Druck sondern Spass;).



Beim Soaren ist alles okay, wenn die Steigwerte moderat sind, ich bin auch der klassische Soaring-Typ.
Na also und was ist verkehrt daran:confused:. Die nächste Zeit nur Soaren, wichtig ist Spass hab´n:D.

Also, Druck weg, die anderen gib´s net, wenn`s auch noch so hoch oben sind:cool:. Viel Spass beim Soaren:D

Águila Austriaca
04.08.2011, 17:49
vielleicht so ähnlich wie ein induktionskochherd? :rolleyes:

Vielleicht schiebt auch nur einfach die Angst vor einem Stromschlag nach oben:eek:;). Oder hat´s auch was mit dem Thermikabriss zu tun??

einrad
04.08.2011, 17:59
Stimmt definitiv. Eins der letzten ungeklärten Rätsel der Menschheit.

Und der Heckrotor des Hubschraubers dient zur Kühlung...

... weil wenn der ausfällt, schwitzt der Pilot.

;)

Ivko
04.08.2011, 18:04
Strommasten sind ja aus Stahl, also Sonne + Metall -> wird sehr schnell heiß. :confused:
Wie Tauchsieder für Luft.

lg,
Ivaylo.

seidenschwan
04.08.2011, 18:15
[QUOTE]

...Setz dich nicht unter Druck (ich glaub, hier ist eins deiner Probleme), egal wie hoch die anderen sind und wie lang sie auch in der Luft bleiben. ....waß solls, ruhige kurze Flüge können auch schön sein, wichtig ist du hast Spass daran. Freizeitsport, Freizeitvergnügen:D


Lass die anderen, andere sein, kein Druck sondern Spass;).



Also, Druck weg, die anderen gib´s net, wenn`s auch noch so hoch oben sind:cool:. Viel Spass beim Soaren:D


Yes, Volle Zustimmung,

Ausserdem wie sieht es denn bei dir mit Abstiegshilfen aus? Ich kann mir vorstellen wenn du im vollen Bewustsein jederzeit so schnell wie möglich auf den Boden kommen zu können fliegst. Wäre die Angst vor Thermik die dich nach oben zieht wesentlich geringer.

Ich bin zum Beispiel ein Gewitterschisser... Wenn irgendwie auch nur Ansatzweise eine CBS im Anzug ist gehe ich grounden. Und jetzt mach ich extra ein Siku um die schon erreichten Abstiegsgeschwindigkeiten zu Professionalisieren...

Und ja kein Stress aufkommen lassen. Du fliegst nicht für andere sondern nur für dich!

Gruß Johann

flieger2000
04.08.2011, 22:03
Liebe Flieger;

Erstmal Vielen Dank für die vielen Antworten, Ratschläge und Tipps!

Die ganze Sache mit meiner Thermikscheu hat natürlich mehrere Ursachen und Gründe.
Einiges von den Beiträgen war mir schon bekannt, andere Dinge sind neu und interessant.

Das wichtigste ist: Mehr zu fliegen! Nur die Zeit fehlt, da ich noch viele andere Hobbys habe
und ich oftmals bei gutem Wetter 3 oder mehr Dinge gleichzeitig machen kann, möchte
und will...

Gut finde ich den einfachen Tipp enger zu kreisen, werde ich beim nächsten Mal sofort antesten...

Auch die theoretische Auseinandersetzung mit Thermik fehlt bei mir ein wenig.

Darüber hinaus muss ich noch erwähnen, dass ich vom Motorfliegen "verwöhnt" bin, denn
da hast du fast nicht den geringsten Hüpfer.

Und ich bin doch mehr der Soaring-Flieger, da kann ich total entspannen und zu 100 % genießen...

Doch oftmal ist es eben nicht so ruhig in der Luft, und hier im nicht alpinen Raum geht es schon oftmals
nicht, dann sind wir losgefahren und der Wind ist doch ein wenig zu schwach oder zu stark, oder manchmal
reichen schon 20 Grad seitlicher Wind und es geht schon wieder nicht und dann war mal wieder der ganze
Nachmittag für die Katz...
Und von daher muss ich wieder ins Thermik fliegen kommen, damit die Flugtage auch etwas mehr werden.
Die eine oder andere Flugschule werde ich auch mal bei Gelegenheit kontaktieren.

Bis dahin allen schöne thermikreiche Flüge!
Gruß aus Bielefeld

Matthias Meisinger
04.08.2011, 22:49
Hallo Flieger 2000,

Du schreibst, dass Du Dich bislang noch nicht so richtig theoretisch mit Thermik auseinandergesetzt hast. Da hätte ich zwei Tipps für Dich: erstens gute Literatur wie z.B. das Thermikbuch von Burkhard Martens (www.thermikwolke.de) oder auch "Understanding the Sky" von Dennis Pagen (Englisch). Und zweitens natürlich: sich nicht nur auf die Thermik an sich beschränken sondern generell so viel wie möglich mit dem Wetter auseinandersetzten. Denn oft ist es ja die Wetterlage, die einem Sorgen macht.

Ich konnte nicht richtig herauslesen, ob Du als Bielefelder auch im Flachland fliegst.
Falls nicht: mach den Windenschein und schau, dass Du so viel wie möglich in die Luft kommst. Es gibt in Deiner Nähe Schleppgebiete (=>http://www.dhv.de/typo/Gel_ndedatenbank.4615.0.html). Über die Qualität kann ich leider nichts sagen.
Falls Du Flachlandflieger bist: Das Gefühl des Ausgeliefertseins könnte auch damit zusammenhängen, dass Du im Flachland naturgemäß immer deutlich höher bist als die höchsten Geländepunkte in Deiner Nähe. Ich kenne sehr gute Flieger, die z.B. in den Bergen ein Unwohlsein empfinden, wenn sie deutlich höher als die umliegenden Gipfel sind. Da fehlt dem Auge dann die Referenz. Und das Auge liefert ja auch seinen Beitrag zum Gleichgewichtsempfinden. In dem Fall reicht oft schon ein zweiter Flieger in der Nähe als optische Referenz.

Wenn es mehr die Schirmbewegungen bzw. die damit verbundenen Beschleunigungen Deines Körpers sind, dann such Dir am Besten einen kleinen Buckel in Deiner Nähe. Bodenhandling und ein bischen Rumturnen in Bodennähe gibt Dir im Vergleich zum Zeitaufwand einen viel größeren Trainings- und damit Gewöhnungseffekt.

Betreutes Fliegen halte ich auch für keine schlechte Idee. Vermutlich bist Du gerade in einer Phase, wo es schon reicht, wenn jemand zu Dir sagt, ob es im Moment OK ist oder nicht.

Schöne Grüße, Matze

Águila Austriaca
05.08.2011, 03:32
[QUOTE=Matthias Meisinger;320686]Wenn es mehr die Schirmbewegungen bzw. die damit verbundenen Beschleunigungen Deines Körpers sind, dann such Dir am Besten einen kleinen Buckel in Deiner Nähe. Bodenhandling und ein bischen Rumturnen in Bodennähe gibt Dir im Vergleich zum Zeitaufwand einen viel größeren Trainings- und damit Gewöhnungseffekt.


Da muß ich dir recht geben, Bondennähe vermittelt bei vielen ein Sicherheitsgefühl, leider nur das falsche. Beim Paragleiten gibt es nichts sichereres (das Sicherste ist natürlich gar nicht fliegen;)) als die Höhe.

Malamute
05.08.2011, 06:35
Hallo Flieger 2000,

ich denke ein betreutes Fliegen bzw. ein Performance Training bei einer sehr guten FS kann hier sehr hilfreich sein. Eine Woche Urlaub in den Alpen mit Funkunterstützung
kann Dir eventuell weiterhelfen.

Es ist schon ein Unterschied, ob Du mehr oder weniger alleine mit deiner Angst in der Thermik fliegst, oder ob Du dabei mit Funkunterstützung von einem Fluglehrer
angewiesen wirst.

Ich hatte das bei meinem A-Schein erlebt.

Die Höhenschulung wurde immer mit Funk durchgeführt. Der Prüfungsflug war dann ohne Funkgerät. An diesem Tag ging es zum zum ersten mal mit 5-6 m/s nach oben.
Da ging es den meisten Flugschülern wie Dir. Plötzlich war eine gewisse "Angst" bei den Flugschülern vorhanden.

Es wurde hier aber auch in einigen Beiträgen geschrieben, dass Du mehr Fliegen mußt, das sehe ich genau so. Wenn Du die Angst überwinden möchtest, bringen Dich
viele Flüge schneller ans Ziel.

Grüssle Harry

zenzi
05.08.2011, 07:07
mal ein anderer Tipp
bei mir wars ähnlich, starke Thermik hat in mir ein grosses Unwohlsein verursacht. Eines Tages habe ich bemerkt, dass der Alarm den meine Einparkhilfen vom Auto bei dichter Annäherung ans Hindernis verursachen, einen ähnlichen Ton haben wie der Steigalarm bei meinem Vario. Deshalb bin ich hergegangen und habe zunächst den Alarm beim Vario leiser gemacht und schließlich ganz ausgeschalten und---------alles iO !
Mein Unterbewußtsein hat also den bei stärkerer Thermik höheren Ton des Varios als Alarmzeichen aufgefasst.
Versuchs mal
Bernd

seidenschwan
05.08.2011, 07:28
Also, eines ist für mich aber auch ganz klar. DU schreibst hier:



Nur die Zeit fehlt, da ich noch viele andere Hobbys habe
und ich oftmals bei gutem Wetter 3 oder mehr Dinge gleichzeitig machen kann, möchte
und will...



Wer das Gleitschirm- oder auch Drachen- fliegen nur als Hobby begreift, wird nie ein echt guter Flieger werden... denn als Hobby so nebenher geht das nicht wirklich. Das Fliegen ist eben viel mehr;)

Gruß Johann

setup
05.08.2011, 12:41
Wer das Gleitschirm- oder auch Drachen- fliegen nur als Hobby begreift, wird nie ein echt guter Flieger werden... denn als Hobby so nebenher geht das nicht wirklich. Das Fliegen ist eben viel mehr;)

Gruß Johann

Nämlich? :confused:
Im Umkehrschluss würde das bedeuten, dass alle Hobbypiloten schlechte Flieger sind?!

Gruß,
Michael

MuhTiger
05.08.2011, 13:18
Ich verstehe Johann eher so, daß das Fliegen ein Hobby ist, das keine anderen Hobbys neben sich erlaubt. Die Aussage könnte ich so unterschreiben.

Gelten Beziehungen in dem Sinn als Hobby? :D

Man kann Fliegen sehr wohl und sicher mit wenigen Abgleitern pro Jahr betreiben, nur sollte man dann berechtigterweise Thermik scheuen und wer will das schon? :D:D

seidenschwan
05.08.2011, 13:30
Nämlich? :confused:
Im Umkehrschluss würde das bedeuten, dass alle Hobbypiloten schlechte Flieger sind?!

Gruß,
Michael

Na ja wenn man auch viele andere Hobbys nebenher hat kommen wohl auch alle ein bischen zu kurz und dann geht keines richtig....

Ausserdem, man muss ja kein schlechter Pilot sein nur weil man kein echt guter Pilot ist.

Aber die echt guten Piloten die ich kenne betreiben alle das fliegen aus einer Art inneren Erfüllung heraus. Sie stehen bei jedem fliegbaren Wetter am Startplatz und machen sich wenn es nur irgendwie geht von anderen Widrigkeiten des Lebens frei.:eek: Einige arbeiten nur noch dafür daß sie sich das fliegen leisten können...:eek::eek:

Sogar ich muss zugeben, daß ich meine Selbständigkeit auch deshalb so zu schätzen weis weil ich dadurch in meiner fliegerischen Freiheit flexibler bin.
In jedem Falle wollte ich keinesfalls flieger2000 damit zu nahe treten. ganz im Gegenteil. Er spricht mutig etwas an das fast alle kennen über das aber selten offen gesprochen wird...

Johann

JoBo
05.08.2011, 13:58
Hallo Flieger 2000,


ich, Drachenflieger, klassischer Wenigflieger, kann mich in die von Dir aufgezeichnete Problematik sehr gut reindenken.

Auch bei mir erzeugt starkes, thermisches Aufsteigen (bei gleichzeitigem Gewinn an großer Höhe) nach kurzer Zeit ein gewisses Unwohlsein.
Ein Gefühl des "ausgeliefert sein" macht sich breit und............der momentane Spaß am Fliegen schwindet; dies umso mehr, wenn man Höhe vernichten möchte, aber.........es geht nur hoch.
Hier habe ich mir oft gewünscht, mein Drachen möge ähnlich einem Segelflugzeug über eine Vorrichtung (Klappen) verfügen, die bei Betätigung selbst in stärkster Thermik ein weiteres Aufsteigen verhindert und ich damit jeder Zeit Herr des Geschehens wäre.
Ich bin mir sicher, mein "Unwohlsein" wäre damit um ein Vielfaches kleiner...................die Freude und das Sicherheitsgefühl größer.

Weshalb es den namhaften "Drachentüftler" bisher nicht gelungen ist, eine solche Vorrichtung zu entwickeln, entzieht sich meiner Kenntnis.
Ich bin mir jedoch sicher, nicht nur mir würde man damit einen großen Gefallen tun.

Nun ja: was nicht ist, kann ja noch werden!


In diesem Sinne
Immer 'ne gute Landung

Águila Austriaca
05.08.2011, 15:26
[QUOTE=flieger2000;320683]Das wichtigste ist: Mehr zu fliegen! Nur die Zeit fehlt, da ich noch viele andere Hobbys habe und ich oftmals bei gutem Wetter 3 oder mehr Dinge gleichzeitig machen kann, möchte und will...

Ich glaub du bist hier in einer Zwickmühle:(. Vielleicht hast du weniger Zeit weil du Unbewußt die anderen Hobbys gerade an guten Flugtagen ausübst, da du dich beim Fliegen doch nicht so richtig wohl fühlst. Aber je weniger du fliegst umso unwohler wirst du dich fühlen. Meiner Meinung nach erhöhst du das Unfallrisiko, wenn du als wenig Flieger, noch dazu mit einem Angstgefühl, in stärkeren Thermiken rumkurbelst. Ich wiederhole meinen Rat, mache Abgleiter, geniese das Soaren. Solltest du dann wirklich großen Spaß am Fliegen finden, wirst du die anderen Hobbys automatisch mehr vernachlässigen und wenn nicht, wirst den Schirm, über kurz oder lang so an den Nagel hängen. Finde es Unsinn, sich mit Gewalt in Thermiken zu zwingen um sich dann durch wenig Erfahrung und Angst in unnötige Unfallgefahr zu bringen.


[QUOTE=Malamute;320694]Es ist schon ein Unterschied, ob Du mehr oder weniger alleine mit deiner Angst in der Thermik fliegst, oder ob Du dabei mit Funkunterstützung von einem Fluglehrer angewiesen wirst.

Hier muß ich sagen jedem das seine. Ich absolvierte einen Thermikkurs und hab mich dabei richtig unwohl gefühlt. Die dauernden Anweisungen des Fluglehrer haben mich gestreßt und das ging so weit, das ich am letzten Tag nach 10min mein Funbkgerät ausgeschalten habe und siehe da, ich konnte den Flug geniesen und kam genauso hoch wie die anderen Kursteilnehmer. Als ich nach dem landen vom Fluglehrer darauf angesprochen wurde, war einfach die Battrie des Funkgerätes leer:o;).
Aber wie gesagt, jedem das seine:rolleyes:.

seidenschwan
05.08.2011, 16:34
Die dauernden Anweisungen des Fluglehrer haben mich gestreßt und das ging so weit, das ich am letzten Tag nach 10min mein Funbkgerät ausgeschalten habe und siehe da, ich konnte den Flug geniesen und kam genauso hoch wie die anderen Kursteilnehmer. Als ich nach dem landen vom Fluglehrer darauf angesprochen wurde, war einfach die Battrie des Funkgerätes leer:o;).
Aber wie gesagt, jedem das seine:rolleyes:.


Ha,ha,ha,ha...

Ja, sehr gut..:D:D:D Kann ich mir gut vorstellen. Wie soll der da unten wissen was du da oben am Hintern spürst....

Johann

Cacao
05.08.2011, 16:42
Über viele Ratschläge kann man sich nur wundern.
Zunächst geht es darum, zu erkennen, was „flieger 2000“ für ein Problem hat und nicht darum, was andere Leute im Forum für Probleme hatten und wie sie damit fertiggeworden sind.
Am Anfang müsste eine Diagnose stehen, und da kann man nicht irgendeinen anderen Flieger und seine Schwierigkeiten nehmen.
Wenn schon jemand eine Beitrag (in diesem Fall meinen) nicht genau liest, aber sofort Dinge bestreitet, die gar nicht drin stehen (Medikamentengebrauch empfehle ich NICHT), dann würde ich den Ratschlägen mit Misstrauen begegnen.

Jedenfalls ist Fliegen unter anderem deshalb eine Randsportart, weil Fiegen eine psychische „Kondition“ erfordert, die eben nicht jeder hat.
Jeder weiß selbst, wie viele Flugschüler relativ schnell wieder aufhören.
Da mag es unterschiedliche Gründe geben, aber Flugangst oder Thermikangst gehören bestimmt dazu.

Was sich zur Not auch jeder selber denken kann, wenn man sich eingehender mit dem Problem beschäftigt, ist fogendes:
Wenn ein Therapeut Flugangst feststellt, würde dieser kaum so vorgehen, wie es z.B. Reiter mit Pferden machen, wenn diese einen Hindernissprung verweigern, dann das Pferd noch wenigstens einmal über ein Hindernis springen zu lassen.

Wenn eine solche Flugangst da ist, dass kann aber nur an der betreffenden Person selbst festgestellt weden, jedoch nicht an andere Personen, bei denen das Problem möglicherweise ganz anders lag, dann sollte man auch eher dazu raten, diesen Sport nicht mehr auszuüben.
Denn, wie auch jeder wissen müsste, wenn der Betreffende wegen seiner Angst den Sport nicht umfassend erlernen kann, und Thermik gehört immer dazu, dann tut man dieser Person keinen Gefallen, ihr zu irgendwelchen Verfahren zu raten, die in diesem Fall meist doch nicht wirken, sondern den Mann nur in solche Gefahr bringen, die er wegen seiner Angst nicht bewältigen kann.
Wie gesagt, erst die Diagnose (bei dem Betreffenden), dann eventuell die Therapie.
Das wäre auch mein (ehrlicher) Rat an „flieger 2000“ :) .

Ich kenne aus meiner fliegerischen Beobachtung einige Fälle, wo nach „wohlmeinendem“ Zurednen „lieber" Fliegerkollegen die zweifelnden GS und HG Piloten doch geflogen und schwer verunglückt sind. Sowas ist die Sache nicht wert.

seidenschwan
05.08.2011, 16:50
Bevor ich dieses schrieb, habe ich einen befreundeten Psychotherapeuten (und Arzt) angerufen und gefragt.

Wow! Das Thema scheint dermaßen unter die Haut zu gehen,,,, Daß sogar einige Forumsteilnehmer ihren Psychologen anrufen:confused::confused:;):D:D

Johann

Waidlerin
05.08.2011, 16:53
Bevor ich dieses schrieb, habe ich einen befreundeten Psychotherapeuten (und Arzt) angerufen und gefragt.


Schokotrunk, kann es sein, dass du zur Übertreibung neigst?

Cacao
05.08.2011, 17:30
Also Seidenschwan, Du bringst da schon wieder einen „Zungenschlag“ in meinen „Schrieb“ rein, der zeigt, wie ernsthaft Deine Beiträge zu werten sind….
Und Waidlerin, es soll auch Ärzte geben, die sogar mit Nichtärzten befreundet sind… (und sogar auf Augenhöhe, das scheint doch Dein Problem zu sein, liebe Anne….aber Änderung in Arbeit)

WillyCH
05.08.2011, 17:53
@Cacao: danke für die klaren Worte. Es hat mich echt verwundert, dass mein Posting, welches als erste Massnahme Ursachenforschung vorgeschlagen hat plus/minus "untergegangen" ist. Ich würde mir niemals anmassen psychotherapeutische Tipps zu geben, das wäre angesichts meiner eher bescheidenen Qualifikation als Banker und Jurist auch vermessen. Ich habe aber genug Laienwissen angehäuft um zu wissen, dass "konfrontative" Therapien (wie eigentlich jede "echte" Therapie) in die Hände eines Fachmanns -oder Fachfrau- gehören.

In diesem Sinn wünsche ich Flieger 2000 alles Gute und hoffe, dass niemand auf die Idee kommt, mit ihm irgendwelche Experimente zu starten...
Happy landings
Ueli

Stefan_Schumacher
05.08.2011, 18:06
Schokotrunk, kann es sein, dass du zur Übertreibung neigst?

Ich glaube eher zur Ernsthaftigkeit, daherschreiben kann doch jeder.

Stefan

PS. Die einzige Kritik an Cacaos Ansatz ist die Schriftart, die er wählt, da wird zitieren zur Qual. ;-)

Stefan_Schumacher
05.08.2011, 18:27
Servus!

Persönlich finde ich konfrontative Therapien sehr sinnvoll, wenn man sich selbst gut einschätzen kann und man sie aus eigenem Trieb selbst ausführt. Nicht von einem Forum getrieben natürlich.

Das hab ich mit ca. fünf oder sechs Jahren einmal gemacht, als ich eines abends im Wald Angst bekommen hatte. Den nächsten Tag bin ich abends raus und bin da rein und hab mir gesagt, hier ist nichts, wovor Du Angst haben musst. Hat geklappt, ganz ohne Psychologen und Psychatern.

Wenn Josef weiß, dass seine Angst unbegründet ist, weil er vorher schon in gleicher Thermik geflogen ist, dann finde ich diese Konfrontation gut, weil viel Fliegen wirklich helfen kann.

Das kann aber jeder nur für sich entscheiden, Meinungen aus dem Forum dürfen sicher mit verwertet werden, aber die letzte Entscheidung muss aus dem tiefsten Inneren kommen.

Übrigens hatte ich als ehemaliger Flächenflieger auch zuerst Angst vor diesem wabbeligen Gerät und denke heute noch, dass Flächenflieger für mich persönlich viel sicherer sind. Trotzdem sind die Fetzen in den gesteckten Grenzen sicher genug. ;-)

So long
Stefan

seidenschwan
06.08.2011, 21:17
Also Seidenschwan, Du bringst da schon wieder einen „Zungenschlag“ in meinen „Schrieb“ rein, ....
Und Waidlerin, es soll auch Ärzte geben, die sogar mit Nichtärzten befreundet sind… (und sogar auf Augenhöhe, das scheint doch Dein Problem zu sein, liebe Anne….aber Änderung in Arbeit)



HhHH ?? Wieso schon wieder???? Tschuldige,- Hab nur zitiert..:D:D:D

Und was solls mit der Augenhöhe??? Da iss nix besonderes, das wissen wir. Ich kenn nen Zahnarzt mit dem trink ich öfter einen und nen praktischen Doc mit dem philosophiere ich öfter.... und einer der fliegt auch...
ich finde einfach, alles in allem sollten Therapien doch für Leute gedacht sein die " echte " Probleme haben.... So glaub ich war das mit dem übertreiben gemeint ähhh?

Johann

Cacao
06.08.2011, 22:14
Wir Alle reden über dieses und jenes, z.B. ob China zu viele Milliarden Dollar hat, oder Obama recht hatte mit der Krankenkasse für ...zig Millionen Amis, und …dürfen wir das? Ich denke ja…. und wie man einem Fliegerkollegen wirklich hilft….