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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frischer A-Lizenz Drachenpilot hat ein Paar Fragen



_hoersturz_
27.09.2011, 22:48
Hallo miteinander,

da ich jetzt erfolgreich meine Drachenausbildung bis zum A-Schein erledigt habe, will ich schonmal erste Blicke in die Zukunft werfen. Dabei stellen sich mir ein Paar Fragen, die ihr hoffenltich beantworten könnt. :D

Berechtigt ein B-Schein auch zum Start auf einem normalen Gelände ( kein spezieller Flugplatz bzw. irgendeine Wiese)? Die Frage stellt sich mir, weil man ja eventuell mit einem E-Lift quasi überall starten könnte.

Ich komme aus der Uckermark und würde hier gerne auch Fliegen: Würdet ihr mir zur Einweisung in den Windenschlepp oder UL-Schlepp raten? (Wie gefährlich ist diese Startart?)

Grüße

Erik

Bernd Makowski
28.09.2011, 07:59
Hallo,

starten darfst du nur auf zugelassenen Geländen, ob A oder B-Schein ist da egal. Für E-Start muss das Gelände nochmal extra zugelassen sein. Mit dem B-Schein darfst du Streckenflüge machen und dann auf (fast) jeder Wiese landen, aber nicht starten. (gilt für Deutschland, in manchen anderen Ländern gibt es weniger Einschränkungen)
Der Windenstart mit dem Drachen ist in letzter Zeit auf Grund einiger Unfälle etwas ins Gerede gekommen. Trotzdem denke ich, das es eine sichere Startart ist. Bei meinen bisher etwa 160 Windenstarts bin ich noch nie in eine wirklich kritische Situation gekommen. Während meiner Ausbildung hatte ich mal einen Lockout, zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht mal, das es so was gibt und was das ist. Der Drachen ist halt zur Seite weggedreht, und irgendwann habe ich gemerkt, das sich das nicht mehr korrigieren lässt. Da habe ich geklinkt und bin gelandet. Das alles gilt jetzt für gutmütige Einfachsegler, was anderes bin ich noch nicht geflogen. Ob man mit anderen Geräten an der Winde schneller in kritische Situationen kommt, kann ich mangels Erfahrung nicht sagen. UL-Start habe ich noch nicht gemacht, da sind Einfachsegler mangels Geschwindigkeit auch nicht so geeignet.
Die Einweisung in den Windenstart ist, wenn man im Flachland wohnt, auf jeden Fall empfehlenswert.

Bernd

winDfried
28.09.2011, 10:17
Würdet ihr mir zur Einweisung in den Windenschlepp oder UL-Schlepp raten? (Wie gefährlich ist diese Startart?)
Hi Erik,
Das ist keine Frage des entweder - oder !
Du brauchst beide Startarten.

Der Windenschlepp ist zwar die gefährlichste Startart mit dem Drachen.
Aber Du kannst es sicher betreiben
(keine Seitenwindstarts, ruhige Startvorbereitung, Pausen zwischen den Starts, nicht mehr als 5 Starts an einem Tag.)
Ich habe auch etwas über 100 Windenstarts, und ich war schon in vielen gefährlichen Situationen
(Winde fällt nach dem Abheben aus, Durchgesackt, Aufgeschlagen - auf Lufträder.
Seil mit Klinkhebel verheddert, kann nicht mehr klinken, Windenfahrer kappt.
Oberseil und Unterseil mittels Metallring verhängt, schlingen sich um Steuerbügel und reißen den nach vorne, Sollbruchstelle bricht rechtzeitig).
Zum Glück habe ich alles unverletzt überlebt.
Thermikeinstieg gelingt mir aus den vergleichsweise geringen Klinkhöhen, die in unserer Gegend (kurze Schleppstrecken) erreicht werden, nur selten.

Der Wert des Windenschlepp liegt darin, dass Du schnell hintereinander Landungen trainieren kannst,
ohne jedesmal den Drachen ab- und wieder aufzubauen.
Ein paar Sessions an trüben November- oder Februartagen, und Du kannst angstfrei stehend landen,
wenn es im Mai in die alpine Frühjahrsthermik geht. Ein echtes Sicherheitsplus.

UL-Schlepp ist ein ganz neues Fluggefühl.
Die Zugkräfte sind geringer, als beim Windenschlepp. Der Zugwinkel erfolgt viel gesünder in Flugrichtung, ganz anders als beim Windenschlepp.
Wenn etwas schief geht (Sollbruchstellen-Riß) hast Du auch kurz nach dem Abheben schon reichlich Überfahrt,
mit der Du eine sichere Landung noch hinkriegst (evtl. auf Rädern).
Ich würde sagen, die Gefahrenmomente sind andere, aber vom Risiko ist es vergleichbar mit einem gekonnten Hangstart von einem sicheren Startplatz (Rampe).
Du musst Deinen Drachen im Schnellflug kontrolliert geradeaus fliegen können.
Um es zu lernen, geht das technisch auch mit einem Einfachsegler, mit einer V-Schlepphilfe.
Das zusätzliche Gerödel verdirbt aber ein bisschen den Spaß am anschließenden Fliegen. Besser mit einem Doppelsegel-Intermediate zur UL-Schlepp-Schulung gehen.

Die Stärke des UL-Schlepp ist, dass ein guter UL-Pilot Dir die "Thermik auf dem Silbertablett servieren" kann.
Du zeigst auf eine vielversprechende Wolke, wirst da ran geschleppt und bleibst oben. Genial.
Problematisch ist eher die Verfügbarkeit von schleppwilligen UL-Piloten.
Es gibt zahlreiche UL-Plätze, aber nur auf wenigen kommt sicherer Drachenschlepp zustande.
Da musst Du in Deiner Gegend mal pfadfindern.

Für die Ausbildungen sollte es im Großraum Berlin oder Hamburg für Dich gleich mehrere Möglichkeiten geben,
die nicht allzuweit zu fahren sind.
Viel Spaß, W.

P.S.: Wenn Du motorisiert fliegen willst, dann mach besser gleich eine UL-Lizenz.
Damit hast Du keine Legalitäts-Probleme, egal ob elektro, moskito, minimum oder Trike.
Und vielleicht wird ja ein schleppwilliger UL-Pilot aus Dir ;)

Konrad Lüders
28.09.2011, 12:13
Hallo Erik,
so gefährlich, wie es nach winDfrieds Schilderungen zu sein scheint, ist der Windenschlepp nun auch wieder nicht. Der Nutzen betreffs Landetraining scheint mir auch sehr auf winDfrieds Kurzschleppstrecke reduziert. Ich habe etwa 700 Schlepps unbeschadet überstanden. Dabei mußte ich 2mal vorzeitig klinken, weil der Drache nicht auf Richtung zu halten war (drohender Lockout), ein paarmal (<10) riss das Seil oder kam die Sollbruchstelle. Einmal versuchte ich es bei zu starkem Seitenwind, der Drache drehte noch in Bodennähe weg und schlug unsanft auf. Kostete einen Steuerbügel und einen blauen Fleck.
Wenn der Tag thermisch ergiebig ist, brauche ich selten mehr als 2 Starts, um Anschluß zu haben. Bei uns in Crawinkel ist die Ausklinkhöhe über 300m, der Platz liegt thermisch günstig. Wichtig für sichere Windenstarts ist eine gewissenhafte Vorbereitung, zuverlässige Technik und ein erfahrener Windenfahrer. Windenschlepp ist eine sehr dynamische Startart und macht mir deshalb schon Spass, ist eben auch eine sportliche Herausforderung.
UL-Schlepp hat die genannten Vorteile und ist sicher die erste Wahl - wenn man UL + Pilot dazu hat.
Beste Grüße
Konrad

hangglider
28.09.2011, 14:06
@Konrad
Dem schliesse Ich mich voll und ganz an.

@winDfried
So ein Chaos haben wir an unserer Winde nicht ! Da ist wohl eine Überprüfiung/Austausch des Materials fällig !


Ich persönlich halte den Windenschlepp für die am wenigsten gefährliche Startart, auch wenn es durch die, allesamt durch eklatante Pilotenfehler entstandenen schweren Unfälle nicht den Anschein hat.
Die Startparameter sind viel eindeutiger als bei jedem Hangstart. Durch die vielen möglichen Starts bekommt man schnell Routine und kann sicher starten. ein guter(konzentrierter) Windenfahrer tut sein übriges dazu. Eine Winde mit Dyneema Seilen ist dann noch das Sahnehäubchen.

Im Flachland ist die Windenstartberechtigung m. A. nach zwingend, wie soll man sonst mit vertretbarem Aufwand (oft) in die Luft kommen ?

@_hoersturz_
Suche dir einen Windenverein in deiner Nähe der gut organisiert ist.

HG

winDfried
28.09.2011, 16:29
Danke Konrad, für Deinen ergänzenden Beitrag.
Der Neupilot kann sich so sein eigenes Bild machen.
Vielleicht sollten wir ihm noch sagen, dass ein UL-Schleppstart zehnmal so viel kostet, wie ein Windenschleppstart ?

Auch das würde ich sofort unterschreiben:


@_hoersturz_
Suche dir einen Windenverein in deiner Nähe der gut organisiert ist.


Das hier allerdings trifft nicht so ganz:

@winDfried
So ein Chaos haben wir an unserer Winde nicht ! Da ist wohl eine Überprüfiung/Austausch des Materials fällig !

Es sind meine gesammelten Erlebnisse auf fünf verschiedenen Schleppgeländen mit verschiedenen Mannschaften und Gerät in fünf Jahren gelegentlichem Windenfliegen.
Harmlose Zwischenfälle, wie Sollbruchstellenrisse oder seitliches Wegdrehen und Klinken kurz vor dem Lockout habe ich nicht aufgelistet,
weil das Alltag ist (Seitenwind in der Höhe)...
Es hat also sicher nichts mit einem bestimmten Gerät oder Gelände zu tun...

Ich sage doch: Er soll ja Windenfliegen, aber vorsichtig!
Nix für ungut, W.