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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Technik: Einseitiges Ohrenanlegen beim Toplanding?



Im Lee is schee!
20.10.2015, 16:51
Ich hab diesen Absatz in einem BGD Base Tests von luaas gelesen und muss zugeben, ich hab von dieser Technik noch nie was gehört und auch nie gesehen, das das jemand anwendet.
Wann wendet man die an und was für Vorteile kann es bringen?


Interessant ist das Verhalten des Base beim einseitigen Ohrenanlegen: Hier dreht der Schirm nicht, wie man erwarten würde, zur Seite des gezogenen Ohres, sondern langsam zur offenen Seite hin. Wer z.B. beim Toplanden mit nur einem (hangseitigen) Ohr anfliegen will, muss das einkalkulieren und mit Gewichtsverlagerung gegenhalten.

luaas
20.10.2015, 17:07
Das einseitige Anlegen der Ohren ist eine Möglichkeit, die Sinkrate des Schirmes etwas zu erhöhen, ohne gleich zu viel der Manövrierfähigkeit abzugeben.

Beim seitlichen Anfliegen des Toplandeplatzes einfach das hangseitige Ohr ziehen. Sollte man wegen plötzlichen starken Sinkens schnell vom Hang wegsteuern wollen bzw. müssen (z.B. um nicht im Baum zu landen), kann man das mit der Bremse auf der offenen Seite jederzeit bewerkstelligen. Das gibt zusätzliche Sicherheit.

Einfach mal ausprobieren.

Stabilo
20.10.2015, 20:14
Hmm, so ganz erschließt sich mir der Sinn des einseitigen, sprich hangseitigen Ohreneinklappens aber noch nicht. Ich baue öfters mit BEIDEN angelegten Ohren schon mal Höhe ab, wenn ich lang hoch reinkomme. Doch in der letzten Phase wird gesteuert = gebremst und dann ploppen die Ohren wieder raus.

Das ist doch beim einseitigen Ohrenanlegen genau so: Sobald ich bremse, ist das Ohr raus. Nun soll man das verhindern durch Gewichtsverlagerungs-Steuern. Aha. Bringt m.e. zu viel Unruhe in das Ganze. Nun gut, es muss ja jede Saison was Neues erfunden werden...

Aber okay, ich werde Lucians Rat folgen und es einfach mal ausprobieren. Bin am WE in Meduno :)

Der_Erhard
20.10.2015, 22:04
Ich habe die Toplandung mit einem angelegtem Ohr das erste mal vor fünf Jahren in Marokko bei einem Local gesehen und dachte instinktiv, was ist denn das für ein Schwachsinn.....
Weil er das aber sehr oft machte, fragte ich Ihn, was er damit bezwecke. Antwort: gutes Sinken und trotzdem steuerbar - gibt er die Bremse frei, geht der Schirm automatisch vom Hang weg.

Ich hab's daraufhin probiert - kann man durchaus machen - trotzdem nicht mein Flugfavorit....:confused:....

Gruß
Erhard

luaas
20.10.2015, 23:25
Ich habe die Toplandung mit einem angelegtem Ohr das erste mal vor fünf Jahren in Marokko bei einem Local gesehen und dachte instinktiv, was ist denn das für ein Schwachsinn.....
Weil er das aber sehr oft machte, fragte ich Ihn, was er damit bezwecke. Antwort: gutes Sinken und trotzdem steuerbar - gibt er die Bremse frei, geht der Schirm automatisch vom Hang weg.

Ich hab's daraufhin probiert - kann man durchaus machen - trotzdem nicht mein Flugfavorit....:confused:....

Gruß
Erhard

Bremse freigeben? Wenn ich bei meiner Technik weg vom Hang will, dann ziehe ich die Bremse auf der hangabgewandten Seite, wenn dabei das hangseitige Ohr auspoppt, ist das auch ok, denn dann habe ich den Endanflug schon aufgegeben.

Das einseitige Ohr ist keine Technik, die man ständig nutzen muss. Es ist halt eine weitere Variante zur Feinsteuerung des Toplandeprozesses. Das Gute daran ist, dass man die Steuermöglichkeit, sprich schnelle Fluchtmöglichkeit weg vom Hang behält.

Wenn bei einem Hang beim Toplanden ein völlig hindernisfreier, geradliniger Endanflug möglich ist, dann kann man auch besser mit normalen Ohren anfliegen. Ich kenne aber Hänge, bei denen man am Toplandespot mit wechselnden (dynamisch-thermischen) Aufwindverhältnissen rechnen muss und relativ knapp über Bäume anfliegt. Die Ein-Ohr-Technik trägt da zur Sicherheit bei. Sacke ich dort über den Bäumen unerwartet durch, kann ich mit schnellem Bremszug auf der offenen Seite schnell raussteuern.

Ein weiterer Fall ist an Hängen, bei denen man im Hangaufwind ohne Ohren schon wegsteigt, mit Ohren aber vielleicht schon zu stark sinkt, um den Spot sauber anzufliegen. Mit nur einem Ohr sinkt der Schirm weniger stark und ich kann problemlos einlanden.

Muss man halt situativ entscheiden, welche Technik gerade am besten zu welchen Windverhältnissen und Anflugpfaden passt.

seidenschwan
21.10.2015, 08:16
Ich weis nicht recht, das ganze scheint mir doch recht zusammengebastelt zu sein...:confused::confused:

Aber wenn ihr das sagt, werde ich das wohl auch mal testen müssen.

Johann

JHG
21.10.2015, 09:26
Es gab dazu vor ein paar Jahren ein Video von Murray Hay. Er hat aber gleich die ganze Seite geklappt und ist so gelandet. Hat insgesamt sehr kontrolliert ausgeschaut war aber auch laminar.

Konnte es auf die Schnelle nicht finden sber falls wem fad ist...

luaas
21.10.2015, 10:56
Ich weis nicht recht, das ganze scheint mir doch recht zusammengebastelt zu sein...:confused::confused:

Aber wenn ihr das sagt, werde ich das wohl auch mal testen müssen.

Johann

Testen MÜSSEN muss gar nicht sein. Es ist halt eine weitere Flugtechnik, die man im Repertoire haben kann, nicht muss. In manchen Situationen ist sie hilfreich, in anderen nicht.
Das ist wie mit dem Cobra-Start. Muss man nicht können, weil man ihn meistens nicht braucht. Manchmal ist es aber ganz praktisch.

Im Test des Base hatte ich das Ein-Ohr-Manöver nur erwähnt, weil mir bei diesem Schirm halt aufgefallen war, dass er mit nur einem Ohr leicht zur offenen Seite hin abdreht. Diese Eigenschaft kannte ich bisher eher von höher gestreckten Schirmen, im üblichen Rund der B-Schirme mir das bisher nicht untergekommen.

luaas
21.10.2015, 11:11
Das Video von Murray ist übrigens das hier:


https://youtu.be/pVgwbXRD-nM?t=1m9s

Der 50% gezogene Klapper ist aber etwas anderes, als das einseitige Ohr. Im Video geht es um einen kontrollierten, verstärkten Sinkflug auf gerader Endanflugbahn.

Beim einseitigen Ohr geht es hauptsächlich darum, das Eigensinken des Flügels leicht zu erhöhen und dennoch so gut wie möglich manövrierfähig zu bleiben, um z.B. bei leichtem Hangaufwind einen Landeplatz sauber anfliegen zu können, ohne sich runterpumpen zu müssen.

TomK
21.10.2015, 12:43
[...] Beim einseitigen Ohr geht es hauptsächlich darum, das Eigensinken des Flügels leicht zu erhöhen und dennoch so gut wie möglich manövrierfähig zu bleiben, um z.B. bei leichtem Hangaufwind einen Landeplatz sauber anfliegen zu können, ohne sich runterpumpen zu müssen.

Richtig. Aus meinen Beobachtungen wurde diese Landevariante vor allem früher mit wesentlich pitch-unstabieleren Schirmen praktiziert. Vorallem mit heissen Kisten, welche aber dann normalerweise mit angelegtem Ohr wenigstens zuverlässig gegen den Hang zogen.

Heute ist dies nicht mehr nötig, da selbst Hochleister ein viel besseres Pichverhalten haben und im Langsamflug überschaubar gut gesteuert und "Runtergesackt-lassen" werden können. Je nach Schirm- und Piloten-Level geht dies gut bis ca. 2.5m/s Sinken.

Problematisch an der ganzen Toplanderei sind doch nicht die angewandten Techniken, sondern das richtige Einschätzen der gesamten Situation (Geländeform - Hindernisse - Pilotenaufkommen - vermutete Verwirbelungen - unterschiedliche Steilheit der Landefläche - Anflug von oben/unten/horizontal - Landeplatzgrösse - Blondinen als Fachpublikum und Big Balls-Bewerterinnen - Kameras sind am Startplatz einsatzbereit aufgestellt (gell Mayer!) - Zeitdruck - Auto-vom-Berg-runterholen-Druck etc.)

Daraus empfehle ich, lasst es sein! Außer man will spielerisch seine bereits vorhandenen überdurchschnittlichen Fähigkeiten um ein "nice to have" Puzzlestück erweitern.

Grüessli, Thomas