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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Absturz am Sulzberg !



i.mlichtinger
19.02.2003, 08:22
Hallo,
ich muß jetzt mal loswerden, was sich gestern zugetragen hat, beziehungsweise möchte ich wissen, wie ihr reagiert hättet!
Da ich mich desöfteren am Fuß des Sulzberges aufhalte (beliebter Frühahrsostwindsoaringberg am Eingang des Inntales, vollbewaldet, mit sehr kleiner Startlichtung am Gipfel, was die Starts selbst im Sommer bei idealen Bedingungen heikel macht, Breite ca. 1 1/2 Schirmbreiten,Gefälle an die 45°!, nur zu Fuß in ca. 1Std erreichbar! ).
Als Flieger schaut man natürlich desöfteren nach oben, als dann tatsächlich gegen 17 Uhr!!( im Februar bei ca. -10° im Tal!) ein Schirm startet.
Wenn alles gutgeht, ein schöner Abendflug, möchte man meinen, und tatsächlich gelingt der Start, trotz Tiefschnee einwandfrei, jedoch ca. 2-3 Sekunden später fängt er an zu rotieren(2-3mal), und fällt in die erste Baumreihe unterhalb des Startplatzes! Ich weiß übrigends schon, wie ein Fehlstart dort aussieht; das war jedenfalls keiner! So...was nun? Ich hole mein Fernglas aus dem Auto und beobachte den sichtbaren Schirm 15 Minuten lang.
Nachdem sich immer noch nichts gerührt hat (Pilot hätte sich zumindest bemerkbar machen können, indem er ein paar Meter aufwärts in die Schneefläche geht, dann hätte man ihn gesehen!), rief ich die Notrufnummer, da die Dunkelheit in ca. 30 Minuten eintreten, und eine Rettung immer schwerer werden würde!
Die Polizei ließ nicht lange auf sich warten, welche sogleich die Bergwacht, sowie Rettungshelis anforderte, jede Minute zählt jetzt!
Bis zum Eintreffen der Helis( es war bereits dunkel!), einer zum Ausleuchten, sowie ein SAR, verging einige Zeit, da im Flachland schlechte Sicht herrschte.
Die Bergwacht schickte schon mal einige Leute zu Fuß los. Mit den Helis wurden dann weitere Retter hinaufgeflogen, die den Flieger, sich bereits den steilen Startplatz bis an die Hüften im Schnee hinaufkämpfend, vorfanden.
Dieser, anscheinend gar nicht begeistert von der Rettungsaktion, wurde ins Tal befördert, aber leider habe ich ihn nicht zu Gesicht bekommen!
So, nun würde mich interessieren, was ich für Alternativen gehabt hätte! Er hätte verletzt sein können und /oder ( sehr sicher) erfrieren können! Hätte ich einfach wegschauen sollen? Sicher nicht!
Desweitern war auch die Bergwacht der Meinung, daß er selbst im Falle der Unversehrtheit so abgekämpft sein würde, daß er in der Dunkelheit den, nicht sehr einfachen Weg, ohne Taschenlampe nicht schaffen würde!
Außerdem blieb durch die, meiner Meinung nach, sehr unvernünftige, späte Startzeit (bei diesen Temperaturen, schätzungsweise -15° am Startplatz) nicht viel Zeit zu verlieren!
Und hätte er nicht durch einen Anruf bei der Notrufstelle seine Unversehrtheit bekanntgeben können / sollen?
Nein, er zupfte lieber zuerst seinen Schirm von den Bäumen, was man durch die Dunkelheit ja nicht mehr sehen konnte!
Ich hoffe trotzdem er sieht seine Unvernunft ein, und ist seinen Rettern trotzdem dankbar, denn was wäre gewesen wenn...? Hat mich denn niemand gesehen, muß ich jetzt erfrieren? Vielleicht nimmt er selbst dazu Stellung, vielleicht war er ja im Endeffekt doch froh, abgeholt worden zu sein!?
Ich jedenfalls würde in diesem Falle wieder so handeln, und falls mir sowas passiert, es besser machen, indem ich mich irgendwie bemerkbar mache, denn man muß einfach damit rechnen, beobachtet zu werden, vor allem bei einem so gut einsehbaren Startplatz!
So... nun eure Meinung bitte...und viele Grüße!

Ländlemadl
19.02.2003, 08:54
Also ich finde du hast ganz richtig gehandelt! Ich glaube, nach deiner Schilderung wäre es schlimmer ausgegangen, wenn die Bergrettung nicht gekommen wäre. Der Flieger hat wahrscheinlich im ersten Moment verärgert reagiert, weil er sich über sich selber aufgeregt hat (hat seine Dummheit nicht einsehen wollen) und ein anderer Sündenbock kam da gerade richtig! Ich glaube im nachhinein ist er sicherlich froh gewesen!
Also, ich hätte wahrscheinlich genau so reagiert! Hut ab, gut gemacht!

Angenehmere Flüge!
see u in the sky
moni

Xandl
19.02.2003, 10:37
hi flieger

sicher hast du absolut richtig gehandelt. mach dir ja keine vorwürfe !!
besser einmal zuviel die rettung gerufen, als einmal zu wenig.

Peter Felk
19.02.2003, 11:12
Hallo
Passt schon!
Mach Dir keine Vorwürfe.

Hier wird auch das Thema Signalrakete wieder interessant.
Grün hätte bedeutet = Alles o.k. Ich brauche keine Hilfe

mfg von Peter

Airwolf
19.02.2003, 11:32
Hi I.mlichtinger,

wenn es mich mal bei so einem Fehler erwischt, hoffe ich, daß dann jemand wie Du in der Nähe ist.
Gruß Wolfgang

Oliver
19.02.2003, 13:10
Hallo,

da sieht man mal, wie wichtig es ist, auch wenn nichts passiert ist, eben dieses kundzutun. Das kann man nämlich in der Aufregung leicht vergessen.

Grüße von Oliver

Abgesehen davon frage ich mich, wie man bei überregional SO-Wind vom Sulzberg startet.

Roland Wagner
19.02.2003, 14:02
Sorry,
aber ich versteh das nicht ganz. Natürlich hast du richtig gehandelt, i.mlichtinger. Hat sich "der-in-einem-Baum-landet" denn beschwert?

fragt

Roland

charlie bravo
19.02.2003, 16:29
Hallo!

Mir ist ähnliches in grauer Vorzeit beim Bergsteigen passiert: Biwak in der Wand, mit Blick auf die Berghütte, in der wir für eine Woche einquartiert waren, Handy gab es noch keines, als plötzlich spät am Abend eine ganze Reihe von Autos zur Hütte raufkommt. Wir (zu zweit) wundern uns, ob da irgendeine Veranstaltung oder so stattfindet, aber als dann der erste Suchscheinwerfer eingeschaltet wurde, dämmerte uns, für wen "die Fete" bestimmt war. Wir haben dann Lichtzeichen gegeben und uns dann aus unserem eigentlich recht gemütlichen Biwak "retten" lassen.
Die Rettungsaktion war auch nicht nötig, aber ich werde lieber zehnmal umsonst gerettet, als einmal zu wenig.
Selbst wenn so eine Rettung nicht billig ist (vor allem, wenn man nicht versichert ist), ist es toll, dass sich Leute Gedanken um andere machen und sie vom Baum, Berg oder sonstwo holen.

Ich finde es ziemlich dumm, sich über eine "unnötige Rettungsaktion" (aus der Sicht des Betroffenen) aufzuregen,
meint

Roland

MH
19.02.2003, 19:02
http://www.asamnet.de/~hoffmani/dra-faq/notrufaq.htm !!!
Mal wieder auffrischen.

Ich hab´ ja immer einen Satz grüne Leuchtkugeln dabei, bin mir aber überhaupt nicht sicher ob ich diese im Ernstfall (keine Hilfe nach eigenem Absturz nötig) auch abfeuern würde ... 70% der Beobachter würden´s wohl genau andersrum, nämlich als Hilferuf interpretieren. Lediglich die Helis könnte man so frühzeitiger informieren. Abba gibb ja auch noch Handy ...
Sonst führt´s halt zwangsläufig auf solcherlei Aktionen, jeder verantwortungsbewußte mensch holt da Hilfe.

Markus
Born to glide (http://www.borntoglide.de)

El Zorro
19.02.2003, 20:31
Ich denk auch dass Du richtig gehandelt hast. v.a. bei den Temperaturen !
Was hier auch wieder beiläufig klar wird, ist, dass eine, wenn auch kleine Taschenlampe ins oder ans Gurtzeug gehört. Denn allein schon auf einem unbeleuchteten Weg im Wald oder gar in Felsgerümpel ins Tal zu stolpern, kann mal ordentlich in die Hose gehn. Solang kein Vollmond ist. Und nebenbei kann man sich damit auch noch für evtl. Retter ortbar machen. Das mit dem Rufen und Pfeifen ist z.B. bei stärkerem Wind nämlich für die Katz.

Thomas Gietl
19.02.2003, 20:48
tststs

wos ia so ois im Guatzeig hobts! da defts eich aba ned wundan, wenns absaufsts :D

a guade Landung

wünscht da

Thomas

i.mlichtinger
20.02.2003, 08:38
Hallo,
ich muß nochmal was richtigstellen!
Der Betroffene hat sich, zumindest bei mir, nicht beschwert, lediglich die Reaktion desjenigen gegenüber der Rettung ist mir bekannt: "Er sei nicht begeistert gewesen", hieß es!
Vielmehr würde mich interessieren, wie es zu dem Ereignis gekommen ist, was für Probleme es gegeben hat, ob er nicht daran dachte, sich irgendwie bemerkbar zu machen, da wiegesagt es nicht wie ein Fehlstart aussah, sondern er nach ca. 2-3 Sekunden Flug zu Drehen begann, genauso wie Mike Küng es bei seinen Vorführungen macht ( Helikopter).
Es kann natürlich sein, daß er durch evtl. starken Wind nicht so schnell vom Berg wegkam, und an den seitlichen Bäumen hängenblieb!? Denn genau die Einleitung der "Figur" habe ich nicht gesehen, da ich anderen den startenden Schirm zeigen wollte, und schaute ca.1 Sekunde weg, da er ja gut weggekommen ist!
Also wäre für alle dort fliegenden Pilots interessant, was da loswar; sag es uns bitte, keiner wird dich fressen( glaub`ich :-) )!
Und...der Hauptgrund für diesen tag war, daß ich im Falle einer "Beschwerde" ruhigen Gewissens sagen kann, viele ( wenn nicht sogar alle) hätten genauso reagiert ( Vielen Dank für die Antworten an dieser Stelle!)!
Ganz nebenbei: das Ganze war auch für Nichtbeteiligte kein Spaß:
im naheliegenden Reitstall brachen die Pferde aus den Koppeln aus, und drehten total durch, als der Rettungsheli auf dem direkt anschließenden Sportplatz( wegen Flutlicht) in Großholzhausen landete( war eine neue Erfahrung für die!), und eine Menge Radau machte; durch tapfere, schnell herbeieilende Pferdebesitzerinnen, die die riesigen, wilden Viecher bändigten, konnte die Situation jedoch wieder in Griff gebracht werden!
Vielleicht wäre eine nette Geste diesen gegenüber angebracht, damit wir "irren Flieger" nicht ganz dumm dastehen!?
Ich werde jedenfalls dort auch um Verständnis bitten!
also in diesem Sinne ,
see u in sky again, spring is comming soon! :-))

Ingo

Xandl
20.02.2003, 09:09
Original geschrieben von i.mlichtinger
, da wiegesagt es nicht wie ein Fehlstart aussah, sondern er nach ca. 2-3 Sekunden Flug zu Drehen begann, genauso wie Mike Küng es bei seinen Vorführungen macht ( Helikopter).
Ingo

...naja- vielleicht war es ja mike, und er hat einen neue figur trainiert.....
der "Baumheli" oder so....(bitte nur als scherz zu verstehen)

liebe grüße
Xandl

rene
20.02.2003, 22:08
... stellt ein Problem dar, für welches es m.E. noch keine befriedigende Lösung gibt. Teilweise sind die Farben international unterschiedlich belegt:
grün = yes = benötige Hilfe
rot = no = benötige keine Hilfe
oder
rot = HELP
grün = alles ok...

:-(

Bei dieser Situation werden wohl 98 % aller Beteiligten, auch Bergwachtler, Hilfe rufen, egal welche Farbe am Himmel rumschwirrt, und das zurecht.
Ohne handy/Funkkontakt zum Baumlandenden hätte es wohl keine andere Lösung für das genannte Problem gegeben. Entscheidung m.E. richtig.

Viele Grüße, René

Ma Schmi
21.02.2003, 10:31
Mal von der anderen Seite aus gesehen (fiktiv):

Nehmen wir an ich lande gewollt in eine Lichtung hoch am Hang weil mir der Talwind unten zu stark ist.

Ein unkundiger Beobachter im Tal ruft die Rettung, weil er mich hinter dem Wald verschwinden sieht und kurz darauf werde ich vom Hubschrauber überrascht wie ich mich gerade an den elend langen Abstieg machen will.

Fall 1: Ich grüße die Kameraden von der Bergwacht freundlich, bedanke mich und laufe runter.

Fall 2: Ich stelle die Lage klar, aber weil die Jungs schon mal hier sind fliege ich mit runter.

Fall 3: Ich habe mir den Knöchel etwas verstaucht, könnte runterlaufen nehme aber das Angebot zum Fliegen gerne an. Schon alleine weil ich immer schon mal Hubi fliegen wollte.

Wer übernimmt in diesen Fällen die Kosten? Wenn ich im DHV bin, oder wenn ich nicht bin? Ist evtl. der dran der die Bergwacht alarmiert hat?

Beste Grüße
Markus Schmidt

Herwig
21.02.2003, 10:54
Empfehlenswert ist das allgemeine alpine Notsignal: 6 x pro Minute akustisches oder optisches Signal. Das wird von jedem Retter und auch den meisten Berggehern sofort verstanden. Eine Trillerpfeife im Gurtzeug und/oder eine kleine Lampe sind viel hilfreicher als Leuchtraketen (zisch und weg).

Ganz wichtig ist auch die Methode, mit der Armhaltung ein Y (für Yes) oder ein N (für No) signalisieren zu können. Siehe:

http://www.bergnews.com/service/notsignal.htm

Gerade wenn viel los ist auf dem Berg, kann ein anfliegender Heli-Pilot oft nicht gleich auf den ersten Blick erkennen, wer Hilfe braucht und wer nicht. Er wird sich dann auch vielleicht dem außengelandeten Piloten nähern oder der Skitourengruppe, die gerade VS-Suche übt. Das sofort signalisierte N lässt den Piloten sofort abdrehen und spart Zeit für das Unfallopfer, das wirklich Hilfe braucht.


Herwig

i.mlichtinger
22.02.2003, 18:57
Hi, betrifft Frage von markus,
1. Man ist als Meldender gar nicht haftbar, außer bei grobem Unfug! Habe die Polizei gefragt, welche auch Vorort das weitere Vorgehen entschieden hat! óton: Lieber einmal zu oft, als zu wenig!
Außerdem kann man die Beobachtung von einem "Insider" nicht mit der eines Fußgängers vergleichen, die immer mit Vorsicht zu geniessen ist!
2. wenn du im DHV bist, zahlt dieser im Notfall, was in diesem Fall ja eindeutig der Fall war, auch wenn es derjenige gerne anders sehen würde. Und zwar bis zu 2500€ ! Wenn nicht, mußt du die Kröten selbst berappen!
3. In diesem Fall war es, wie gesagt, eindeutig ein Unfall; daß dieser glimpflich ausging, konnte niemand wissen und es kann auch keiner was dafür (er sollte lieber froh sein!)
4. Wenn es nicht schon dunkel geworden wäre, und außerdem nicht so kalt, hätte man auch anders entscheiden können!
5. Der Verunglückte hat die Hilfe der Hubschrauber abgelehnt(wegen Kosten!), und ist zu Fuß mit der Bergwacht hinunter; so steht es in der Zeitung!
Ich finde, er sollte seinen Fehler eingestehen, froh sein, daß in jemand gesehen und sich um ihn gekümmert hat; wobei wir wieder bei dem "was wäre gewesen wenn?" wären!
Ihm scheint es "Sch*egal" zu sein, wenn man weggeschaut hätte, bzw. wenn es keiner gesehen hätte.
Reine Dummheit kann ich nur sagen! Naja, gibt solche und solche!
Aber im Fall der Fälle würde ich mich freuen, wenn ihr mir helfen würdet!
In diesem Sinne, :-)
cu in sky,
Ingo