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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Warum nicht mehr Streckung??



klaus_the_flyer
10.04.2003, 06:40
Hi flyers!

Warum ist die Streckung in den letzten Jahren kaum mehr gewachsen während sie von 1985 bis 1993 von 2 auf ca. 5 gewachsen ist. Und seither nicht einmal von 5 auf 6. Was würde es bringen, wenn es den Konstrukteuren gelänge, die Schirme mit viel größerer Streckung stabil zu halten? Was spricht den dagegen?

Klaus

sonnenscheiner
10.04.2003, 11:12
hi,
ich hab evor 1,5 Jahren mit Walter Holzmüller (Nova Testpilot) diese Disskussion gehabt.
Er sagte, dass eine weitere Vergrößerung der Streckung nichts bringt, da das wieder zu einem Leistungsverlust besonders im beschleunigtem flug führen würde. konstruktiv wäre es aber machbar.
Diese Meinung vertreten scheinbar auch die anderen Konstrukteuer, da die Spannweite (als maßgebende Größe in der Streckung) bei Serienhochleistern geringer geworden ist, als sie vor ca. 5 Jahren noch war.

Gruß vom Sonnenscheiner :cool:
www.thermikwetter.COM

Bernd
10.04.2003, 12:14
Eine größere Streckung dürfte auch sicherheitstechnisch problematisch werden. Nicht umsonst haben Anfängerschirme eine gedrungenere Kappe als Hochleister.

Bernd

wingman
10.04.2003, 12:25
Vereinfacht gesagt würde es Geschwindigkeit auf kosten der Sicherheit und der leistung bringen.

Robert Benedek
10.04.2003, 18:28
hi,

bei den flexis und den starren ist es auch so !
zum teil geht die streckung bei neu entwickelten geräten sogar zurück

um es kurz und plakativ zu halten: die nachteile im schnellflug (höherer formwiderstand)
gleichen die vorteile im langsamflug (weniger induzierter widerstand) nicht mehr aus

wettkampfpiloten wollen eben schnell von bart zu bart :-)

gruß
rb

Batman
10.04.2003, 19:37
Original geschrieben von klaus_the_flyer
Hi flyers!

Warum ist die Streckung in den letzten Jahren kaum mehr gewachsen während sie von 1985 bis 1993 von 2 auf ca. 5 gewachsen ist. Und seither nicht einmal von 5 auf 6.

Klaus

Ich find schon, dass sich da was getan hat..

http://www.dhv.de/deutsch/news/videos/diedams03/Interviews3/Nesler.wmv
Michael N. sagt, dass es vor einigen Jahren kaum Möglich war mit Streckung 7 zu fliegen und jetzt mit 7.5 sogar problemlos...
schau Dir doch nur mal die neuen Schirme an:
DHV 2 mit Streckung 6 (Akron Indp.)
vor einigen Jahren war da nicht dran zu denken.

Flo

klaus_the_flyer
10.04.2003, 21:04
Hi Flyer Robert!

Wieso steigt mit der Streckung der Formwiderstand? Nur wegen der Leinen oder gibt's da noch was?


Und danke an alle

Klaus

hangglider
11.04.2003, 02:51
Durch die größere Spannweite ist mehr Widerstandsfläche im Luftstrom.

Nimmt man gleiche Profile, dann hat man
z . B.

bei 10 m Spannweite und 0.1 m Profilhöhe 1 qm projezierte Fläche im Wind.

bei 15 m Spannweite sind dann 1,5 qm Fläche im Wind.

Da der Formwiderstand von der projezierten Fläche bestimmt(erzeugt) wird, ist er mit höherer Spannweite bei gleichem Profil höher.

klaus_the_flyer
11.04.2003, 07:37
Hi!

Aber noch eine Frage. Bei gleichem Profil mit größerer Streckung sinkt zwangsläufig die Profiltiefe. Wenn wirklich ein gleiches Profil verwendet wird, nimmt damit doch auch die Profildicke ab. Damit müßte auch die projizierte Fläche abnehmen, oder überseh ich das was?

Klaus

hangglider
11.04.2003, 16:50
Um das Ganze genau zu bestimmen muß natürlich mit den tatsächlichen Maßen gerechnet werden.

Ich wollte mit meinem Beispiel vereinfacht die Tendenz aufzeigen.

z.B.: Bei den Starren, gegenüber den Flexis würde ich rein vom Augenschein her sagen, dass die projezierte Frontfläche des Flügles beim Starren größer ist (Größere Profilhöhe im Aussenbereich des Flügels) als beim Flexi.

Helium
11.04.2003, 21:19
>Da der Formwiderstand von der projezierten Fläche bestimmt(erzeugt) wird,...<

- nee, glaub´ich eher nicht : die projezierte Fläche ist wohl für den Auftrieb zuständig, mit dem Formwiderstand hat sie eher nix zu tun - denn, wenn das so wäre, dann hätte ein Blechflieger im Messerflug (fast) keinen Formwiderstand mehr...*g*

Easy
12.04.2003, 19:32
Hallo,

um den Einfluss der Streckung zu verstehen, kann man sich mal die Entwicklung bei den Segelfliegern ansehen.

Dort ist die Leistungssteigerung nicht einfach durch mehr Streckung erreicht worden, sondern Hand in Hand damit ging eine Erhöhung der Flächenbelastung und die Einführung des Laminarprofils. Denn die Streckung hat auch Nachteile, die kompensiert werden müssen.

Fast ein Monopol auf gute Flügelberechnung haben dabei R. Eppler und F.X. Wortmann mit ihrem Profilkatalog, den diese im Laminarwindkanal in Stuttgart erarbeitet und vermessen haben.
Da bei HG`s und GS`s wegen der Rauigkeit der Oberflächen Laminarprofile nicht so einfach zu verwirklichen sind, zum anderen aber diese Profile auch ziemlich riskant sind, was die Eigenschaften angeht, und zwar ist die Strömung nach einem Abriss schwerer wieder zum Anliegen zu bringen, sind diese Profile letztlich bei uns nicht brauchbar.

Zur Steuerung wird beim GS die Hinterkante nach unten gezogen, beim Segelflugzeug geht sie mit dem Querruder nach oben. Dies zeigt allen schon, dass die Strömung zumindest am Außenflügel bei GS nicht mit einem Flugzeug vergleichbar ist. Würde man die Steckung vergrößern, müsste man zu einer querruderähnlichen Steuerung übergehen, wenn sich das ganze lohnen soll.

Wie das zu machen ist, weiß wohl bis jetzt niemand.

Gruß Easy

paraopa
12.04.2003, 20:04
Hi
also hier geht ja wieder einiges durcheinander:
Der "Formwiderstand" einer Tragfläche errechnet sich aus:
W = cw x Ro/2 x V^2 x A
darin ist A die Fläche (Proj.) des Flügels, also nix Profildicke mal Flügellänge.
Die Leistungssteigerung der Segelflugzeuge ging und geht sehr wohl über die Streckung. Gleichzeitig waren hierfür aber neue Werkstoffe bzw. Bauweisen nötig. Die Profilentwicklung tendiert zu dünneren Profilen.
Wie weit das Ganze für Gleitschirme übertragbar ist, da halte ich mich mal raus. Da spielen ganz andere Faktoren rein, die bei den Segelflugzeuge keine Rolle spielen.
Am witzigsten finde ich die Leistungssteigerung bei den starren Drachen: Mit einem Riesenaufwand werden dort gerade mal die Leistungen von Übungsgleitern (Sperrholzkisten) aus den 30iger Jahren erreicht. Wo ist da eigentlich der Fortschritt?
CU
Ernie

ferlacher
12.04.2003, 20:16
Original geschrieben von Easy
Dort ist die Leistungssteigerung nicht einfach durch mehr Streckung erreicht worden, sondern Hand in Hand damit ging eine Erhöhung der Flächenbelastung und die Einführung des Laminarprofils.Ich sag's ja, ich sag's ja - wir kaufen uns einfach alle Psychos (die Dinger von Michael Nesler mit Streckung 7.5) mit 20m² ausgelegt :D
Und plötzlich werden nicht nur Akropilloten kleine Schirme fliegen, sondern auch Streckenflieger ;) Scherz...

Bernd

Steffen
13.04.2003, 16:59
Original geschrieben von paraopa

...........darin ist A die Fläche (Proj.) des Flügels, also nix Profildicke mal Flügellänge.


Vielleicht solte man noch dazusagen, daß bei gleichem Flächeninhalt zweier Tragflächen die in Flugrichtung projezierte Fläche von der Streckung unabhängig ist - nämlich gleich! (bei gleichem Anstellwinkel natürlich, davon ist sie nämlich abhängig)

Viele Grüße
Steffen

P.S. Wir können ja auch mal wieder eine Diskussion bezüglich "Auftriebserzeugung" vom Zaun brechen :-))

paraopa
13.04.2003, 23:18
Original geschrieben von Steffen


P.S. Wir können ja auch mal wieder eine Diskussion bezüglich "Auftriebserzeugung" vom Zaun brechen :-))

joo, oder die Sache mit dem Rückenwind*doppelgrins*

Ernie

hangglider
14.04.2003, 09:35
Tja, die Bezugsgröße machts !

Der cw-Wert eines Profiles ist üblicherweise wie der ca-Wert auf die Flügelfläche bezogen. (im Profilkatalog auf einen Flügel mit unendlicher Streckung)
Nur so kann eine ausagekraftige Polare für ein Profil erstellt werden.
Diese Polare ist eine der Berechnungsgrundlagen für die Auslegung eines Fluggerätes.

Bei real ausgeführten Fluggeräten muß die Polare eigens bestimmt werden.
Die Widerstands- und Auftriebsbeiwerte eines ganzen Fluggerätes haben nicht mehr viel mit denen des verwendeten Profils gemeinsam.
Um einen Vergleich zu ermöglichen sind diese Beiwerte wieder auf die Flügelfläche bezogen.

Der Widerstandsbeiwert eines realen Fluggerätes beinhaltet schon den individuellen Formwiderstand, also den Einfluß von Streckung, Schränkung und Restwiderstand.

Die Widerstandskraft eines Körpers im Luftstrom wird immer durch die projezierte Fläche rechtwinklig zum Luftstrom erzeugt.

Nehmen wir ein Brett im Wind, hier zählt nur die angeströmte Fläche. Oder will mir jemand sagen, das es keine Rolle spielt ob man ein 1m langes oder ein 2 m langes Brett in den Wind hält ?