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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mythos Hochleister...?



airoBig
15.04.2003, 12:46
Hallo liebe Fliegerkollegen,

ich wollte euch mal nach euren Erfahrungen mit Hochleistern befragen.

Nach eigener Erfahrung hat man ja anfänglich ziemlich viel Respekt vor höher klassifizierten Geräten - als 2-3er bzw. 3er - dieses Gefühl basiert jedoch meist nur auf Horrorerzählungen anderer Piloten, die zudem noch nichteinmal ein solches Gerät geflogen haben.

Ich will das Thema definitiv nicht verharmlosen - es ist, so denke ich, absolut klar, dass man schon einige Erfahrung gesammelt haben sollte, bevor man sich an ein solches Gerät heranwagt.

Meine bisherigen Erfahrungen mit Hochleistern ist, dass sie sich bei weitem angenehmer fliegen lassen als niederklassifiziertere Flügel: sie sind schneller, stabiler in Turbulenten Bedingungen und lassen sich sehr präzise steuern.

Mich würde interessieren, welche Erfahrungen ihr mit Hochleistern gemacht habt (sowohl schlechte als auch gute) und ab wann ihr jemanden empfehlen würdet einen Hochleister zu fliegen - was sollte man drauf haben?


Ich bin gespannt auf eure Postings!

Viele Fliegergrüsse,

AiroBig

wingman
15.04.2003, 13:06
Nun es kommt etwas darauf an was du vor hast , wenn du nur am Hang thermik fliegen willst, bist du mit einem " nichthochleister " genausogut bedient.
Was sollte man drauf haben ? Jedenfalls sehr gutes gefühl zum schirm , eine gewisse routine und mann sollte ja kein gelegenheitspilot sein.
Ich finde auch das sich ein hochleister in jeder hinsicht feinfüliger
fliegen läßt (gerade deshalb sollte dann der pilot kein grobmotoriker sein), aber auf jedenfall eine wesentlich dynamischere reaktion im fall des falles zeigt , was SPÄTESTENS dann unbedingt aktives fliegen erfordert .

Aber am ende must du es allein wissen ob du auch das Quentchen an mehr-leistung mit deinem können herausholen kannst und ob du so einen flügel mächtig bist ,oder ständig überfordert
wingman.

Brunsli
15.04.2003, 14:59
ein hochleister ist bei extremflugsituationen einfach nicht mehr so gutmütig, wie zb. ein 1-2er.

airoBig
15.04.2003, 15:53
@Maxl: sehr schönes Posting - ich bin genau Deiner Meinung!!!


...ich habe das Gefühl, dass einem ein HL viel früher sagt, was eigentlich los ist bzw., dass da gleich was passieren könnte - die Situationen, dass da etwas aus "dem Nichts" kam hatte ich bei 1-2ern (subjektiv) häufiger als bei meinem HL.

Grüßli,

AiroBig

Chrissy
15.04.2003, 16:53
Good Bye DHV Forum

http://forum.schlechtfliegermag.com

Brunsli
16.04.2003, 07:42
[QUOTE]Original geschrieben von MAXL
[B]

Und ich will jetzt nicht unterstellen, daß Du zu den "Arme hoch"-Pilotinnen gehörst.


Ahoi Maxl

Also gut, ich bin jetzt nicht eingeschnappt...

Aber eigentlich ist's gar nicht lieb von Dir, so auf mir rumzuhacken ;). (Das Statement hat Xandl auf meinem eingeloggten Compi verfasst, nämlich... und ja, ich werds ihm heimzahlen...)

Naja, wenn ich schon dabei bin was zu schreiben, kann ich mich ja gleich noch zum Thema äussern, gell... es ist doch so simpel, dass jeder Pilot so reif für einen HL ist wie er sich wohl darunter fühlt. Es gibt doch keinen Massstab wer wann, nach dem wievielten Flug reif für einen HL ist. Nur wenn ich reif dafür bin fühl ich mich doch auch wohl darunter und wenn ich mich halt wohl darunter fühle bin ich dem Flügel glaube ich 'gewachsen' weil ich ihn aktiv fliegen kann und so... (öööh hab ich mich jetzt wiederholt?)... Ein Grobmotoriker käme doch gar nicht auf die Idee einen HL zu kaufen weil er sich doch unmöglich unter einem solchen Flüger wohl fühlen kann...

Naja, ich weiss halt noch, was das nur schon für ein Theater war wo ich von einem 1-2er auf einen 2er gewechselt hab und mich alle ungläubig angeschaut haben und nach der Anzahl Flüge gefragt haben. Ich habe dann auch versucht in verschiedenen Diskussionen rauszufinden ob ich parat bin für einen 2er (na gut ist jetzt keinen Vergleich zu einem HL aber ich meine der Prozess ist ja der gleiche..) und versuchte Antworten zu kriegen, um meinen Neukauf zu rechtfertigen oder mein Gewissen zu beruhigen. Das ist alles Quatsch, viel Geschwätz was nicht wirklich was bringt, niemand kann mich einschätzen und mein Gefühl am Schirm, mein Empfinden unterm Schirm nachvollziehen...

Hihihi, jetzt hab ich aber viel geschrieben...

Cheers und Gruzzzzzz, Judith

gleitschirmroli
16.04.2003, 09:59
Nach zwölf Jahren Hochleister bin ich letztes Jahr auf einen 1-2er „ab“-gestiegen. Vom ersten Flug an hatte ich aber ein gutes Gefühl mit dem Schirm. Ich konnte all die Statements nicht nachvollziehen von wegen träge und nicht gegenwindtauglich, usw. Ich habe wirklich das Gefühl, dass ich mit dem Mistral2 besser fliege, mehr Leistung und mehr Flugkomfort habe, als mit dem Nova Vertex, den ich vier Jahre flog. Den Flugkomfort kann ich wie bei einem Auto umschreiben. Der Mistral2 ist die gut motorisierte Limousine, der Vertex war das Sportcoupé mit einer für meinen Geschmack zu harten Federung.

Die Entscheidung für welchen Gerätekategorie ich mich entscheide oder raten würde, hängt sehr von diesem Gefühl im Bauch ab. Wenn du es erträgst, dass dir der Hochleister jede kleinste Blase und/oder Turbulenz mit einem spürbaren Heber/Sinker mitteilt, dann los...

Andererseits hängt eine Entscheidung für oder gegen Hochleister meiner Ansicht nach stark von der Motivation für den Gleitschirmsport ab. Wenn du wirklich nichts anderes im Kopf hast als Gleitschirmfliegen, jede freie Minute mit Training (Groundhandling), Flugvorbereitungen (Streckenplanung, Meteorologie, Aerodynamik) und auch persönlichem Fitnesstraining ausfüllst, dann bist du vermutlich bereit für einen Hochleister. Doch du musst auch fliegen, viel fliegen. Jörg Dickemann, ehemaliger langjähriger Testpilot für die Zeitschrift Gleitschirm schrieb mal beim Test vom Omega4, dass ein Pilot 100 Stunden pro Jahr fliegen sollte, um ein Gerät dieser Kategorie fliegen zu können. Rechne die 100 Stunden mal um ... das heisst wirklich jeden fliegbaren Tag in der Luft sein.

Ich schaff das mit all meinen Hobbies bei weitem nicht. Ich komm, vielleicht auf 30 bis 50 Stunden und da reicht ein 1-2er längstens.

gleitschirmroli
16.04.2003, 11:15
Original geschrieben von MAXL
... bezog sich auf den Omega 3 l

.... da kann man sich irren. Aber war schon verwegen gleich auf dem 3er in Hochleistergeschäft einzusteigen?!
Obschon ich den 3er für den unproblematischsten Omega halte - den 5er bin ich zwar nie geflogen.
Kaum hatte ich mein Brevet in der Tasche legte ich mir 1989 einen FunAir Chiron zu. Das war damals DIE heisse Kiste, obschon sich im nachhinein heraustellte, dass der mit nur einem B bei Acpul fast als Schulschirm durchging (der 29er hatte alles A und löste damals in Franreich eine rege Diskussion über ihr Gütesiegel aus).

Es gibt einige heisse Kiste aus der damaligen Zeit, die würde ich für kein Geld der Welt nochmals fliegen. So der US Voiles Atlantis oder noch früher den ITV Saphir Must und einige andere...

... wieso sitzt du überhaupt hinter der Kiste, es ist doch Flugwetter???

Grüeassli aus der Schweiz


gleitschirmroli

airoBig
17.04.2003, 09:22
Hallo Chrissy,

ich habe schon einige Male erlebt, dass in relativ starkwindigen und zum Teil turbulenten Verhältnissen einige Fliegerkollegen, die mit einem 2er oder zum Teil auch 1-2er Gerät unterwegs waren mehr Probleme hatten (z.B. mit Klappern) als ich unter meinem HL. Ich hatte das Gefühl, als würden meiner Kiste die Turbulenzen einfach weniger ausmachen - er ging da durch wie durch Butter (im Übertragenen Sinne) - und dabei würde ich nicht sagen, dass ich einen aktiveren Flugstil an den Tag legen würde als meine Kollegen.

Viele Fliegergrüße und frohe Ostern,

airoBig

Eps 4
17.04.2003, 10:19
hallo zusammen

kann es sein das ein 1-2er oder ein 2er mehr klapper produziert
weil die pilot zuwenig aktiv fliegen? so nach dem motto, der GS wirds schon richten. ich bin 10 jahre ein 2er geflogen und fliege jetzt einen1-2er und kann bis jetzt 2 heftige klapper verzeichnen.

grüsse aus den Alpen

beat


www.paraglidingzone.ch.vu

Airwolf
17.04.2003, 11:53
Hi,
das Klappverhalten, kann man nicht einfach an der Gütesiegelzahl festmachen. Mein letzter Schirm, ein Sigma 4 hatte eine recht heftige Klappreaktion, obwohl unbeschleunigt ein 2er.
Mein jetziger Schirm ist ein Cirrus 2. Wenn der klappt geht das wesentlich weniger heftig ab, dafür muß ich sensibler gegensteuern und ohne Pumpen geht der auch nicht selber auf.
Davor bin ich einen V-max von Perche geflogen. Wenn man mal vom saumiserablen Startverhalten dieses 2-3ers absieht hatte auch dieser Schirm keine ausgeprägten gemeinen Klappreaktionen. Bei allen genannten Schirmen habe ich mich aber nur sicher gefühlt, wenn ich auf die Schirmsignale reagiert habe. Wenn ich jetzt mal eine zeitlang nicht fliege benötige ich
immer erst einige Flugstunden um meinen Schirm wieder richtig zu verstehen. 2-3er fliege ich deshalb, weil die in der Leistung, spez. bei Gegenwind eben doch die besseren Schirme sind. Und das bedeutet für mich auch Sicherheit.

Gruß Wolfgang

gleitschirmroli
17.04.2003, 12:06
Original geschrieben von airoBig
Hallo Chrissy,

ich habe schon einige Male erlebt, dass in relativ starkwindigen und zum Teil turbulenten Verhältnissen einige Fliegerkollegen, die mit einem 2er oder zum Teil auch 1-2er Gerät unterwegs waren mehr Probleme hatten (z.B. mit Klappern) als ich unter meinem HL.
airoBig

... Entschuldigung, aber das hat überhaupt nichts mit dem Gerät zu tun, oder fast nichts. Irgend ein Aerodynamik-Professor wird mir jetzt vermutlich weismachen wollen, dass sich ein 1-2er bei Gegenwind-(Turbulenzen) mehr aufstellt oder so ähnlich.

Mit meinem 1-2er habe ich weniger und vor allem einiges harmlosere Klapper als mit einem Hochleister. Mein ehemaliger Nova Vertex (2-3er) lag wie ein Brett in der Luft, kleinere Einklapper gabs selten. Die paar grösseren Klapper verlangten mir dann aber schon einiges ab. Der Swing Nimbus Proto zuvor - mit Streckung 6.4 - arbeitete einiges mehr in der Luft und steckte auch einiges weg, aber den einen Frontklapper mit Halbgas werde ich so schnell nicht vergessen.

Bei meinem letzten Flug im Jura bei mässiger Bise konnte ich bei Gegenwind mühelos auf mehr als Halbgas beschleunigen und kam sehr gut gegen den Wind voran. Einem Bibeta2 mit deutlich höherer Flächenbelastung konnte ich folgen.

Da sind wir vermutlich auch bei des Pudels Kern – Flächenbelastung. Meine drei letzten Schirme bin ich im oberen Drittel, wenn nicht am Limit der Gewichtszulassung geflogen. Die wenigen Vorteile, die mir ein grosser Fetzen bietet, sind es mir nicht wert auf das bessere Flugverhalten zu verzichten.

So, und nun raus aus dem Büro, vielleicht reichts noch zu einem Flug


Grüeassli



Gleitschirmroli