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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rettungswurf Im Freien Fall



andreas
09.02.2004, 19:28
Hy liebe Forumsgemeine...ist es mit den Rettungsfallschirmen möglich diese im "Freien Fall" zuwerfen?....z.B. wenn man in die Kappe fällt ( fast freier Fall)
Weil in einer Diskussion
hörte ich die Meinung das es der Menschliche Körper nicht aushält (Genickbruch),
und zum anderen es auch Materialtechnisch zum Schmelzen der Leinen (bei der Schlaufe im Gurtzeug=Befestigung) beim Ruckartigen Öffnen kommen kann!

würd gern eure Meinung dazu hören

gruss
andi

dzupp
09.02.2004, 20:18
@andreas,

Die Öffnung sollte kein Problem sein, zwar sind die GS Reseveschirme nicht für den freien Fall gepackt, aber Du wirst kaum mal Freifall Geschwindigkeit erreichen. Dazu müsstest Du etwa 12 Sekunden fallen und bräuchtest dazu etwa 300 Meter.

Aber selbst dann, die Öffnung würdest Du sicher überleben, der Schirm sollte ebenfalls dafür ausgelegt sein. Das Gurtzeug ist nicht so ideal... und DU hättest gute Chancen Dir was einzuklemmen ;-)

@Abwindzentrier

In die Kappe fallen ist sicherlich kein Spass (habe das vor etwa 25 Jahren mal erlebt). Trotzdem hast Du eine gute Chance wenn Du den Notschirm auch wirklich ziehst (und genügen Höhe hast). Bei vielen der Unfälle die ich miterlebt habe, liegt aber da das Problem :-(

Gruss Daniel

FLYING-MAXI-STEAK
09.02.2004, 20:45
(habe das vor etwa 25 Jahren mal erlebt).
> wie lange gibt es den schon gleitschirme???

Kwaxie
09.02.2004, 22:24
Bin mir nicht sicher, dass der Schirm bzw die Gurtzeug - Retteraufhängung das aushält. Im Gegenteil - ich denke dass entweder der Retter zerreisst, oder die Retteraufhängung am Gurtzeug abreisst. Wiegesagt, Vermutungen. In den Bau- bzw Testvorschriften ist jedenfalls von Freifall - Belastung keine Rede.
die tatsächlich mögliche Belastung würd mich aber sehr interessieren!

Gruss aus Neuseeland, Hagen

edrp
09.02.2004, 22:54
Naja wie oben schon erwähnt kann es ja kaum vorkommen in den freien Fall zu kommen!
Allerdings denk ich, dass die Hersteller den Bereich der Belastung bis dahin ausreichend gestaltet haben sodass auch dieser Fall abgesichert sein dürfte!
Was den Genickbruch angeht....dürfte doch eigentlich nicht oder?? Dann müsste doch ein Fallschirmspringer auch mit Verletzunegn rechnen wenn er den Fallschirm zieht, d.h. nicht gerade Genickbruch aber z.B. verletzungen der Wirbelsäule oder ähnliches?!

Rainer
09.02.2004, 23:07
Hallo EDRP,
die Fallschirmspringer haben ja den "Slider", das ist ein Öffnungsstoß-Verzögerer.
Damit geht der Fallschirm relativ langsam und eben verzögert auf.
Rainer

Weißwange
10.02.2004, 12:29
Hallo,

gibt ja unterschiedliche Fallschirme. Die der (Sport-)Fschspr haben, wie schon erwähnt, den Slider als gewollte Öffnungssverzögerung. Ansonsten ist über's System und das Packen zu beeinflussen.

Bei reinen Rettungsschirmen sind die Prioritäten durchaus anders gesetzt. Der der BW-Absetzer zum Beispiel sollte eben auch dann noch rechtzeitig aufgehen, wenn der Absetzer aus Versehen aus 300 m aus der offenen Transall-Tür fällt. Die Absetzgeschwindigkeit von 240 Std/km unterstützt das schnelle Aufgehen zwar :), aber eben das wird dann ggf. schon stark "wirbelsäulenbeanspruchend". Kannte mal einen, der wollte sich als Absetzer 'nen zusätzlichen Sprung gönnen. Der hat's danach nie mehr gemacht und lange über Kreuzschmerzen geklagt. Auch Genickbruch ist grundsätzl. natürlich nicht auszuschließen und würde unter PP fallen. Hängt hauptsächlich an der Position und dem Leinenverlauf beim "Öffnungsstoß". Grundsätzlich läßt bei richtiger Position die Trägheit den Kopf ja nur auf die Brust fallen, das ist praktischerweise die "freundliche" Richtung.

Bezügl. der GS-Retterstabilität gibt's schon ein paar Threads, die ich Dir aus Datenschutzgründen aber nicht nenne :). Ein voller Freifall ist aber jedenfalls nicht vorgesehen und auch bei nem "halben", obwohl der Schirm das herstellerseitig abkönnen sollte, hätt ich dennoch eine gesunde grundsätzl. Skepsis. Und wenn der Schirm hält, vielleicht sogar 3 x, was nützt's wenn Dir stattdessen die Verbindungsleine oder andere wesentliche Teile um die Ohren fliegen und Du die letzten Meter dann doch "alleine" zurücklegst? Auch da hat's doch grad nen Thread, der in die Richtung geht?

Ohne zusätzl. Absicherung würd ich's freiwillig jedenfalls nicht rausfordern.

Glück Ab
Harald

edrp
10.02.2004, 14:48
naja herausfordern sowieso nicht! ;)

Aber,dass das wirklich zu solchen Verletzungen führen kann wusste ich nicht!
Wie sieht das bei den Rettungsschirmen für Segelflieger aus??
Bin zwar Segelflieger aber uns wird immer nur gesagt wie er zu öffnen ist und wie man sich ab der Öffnung verhält!

PeWe
10.02.2004, 20:22
Hallo zusammen,

den Gedanken an eine Retteröffnung im freien Fall finde ich unter bestimmten (extremen) Bedingungen gar nicht so abwegig. Ich habe mir eben mal den englischen Bericht durchgelesen, wo der Pilot in eine Cb gezogen worden ist ( http://www.poweredparaglidingontario.com/weather/sucked_in.htm ).

Da kam mir der Gedanke, ob es in solch einer Situation, wo es einen nur noch nach oben reißt oder saugt, vielleicht möglich ist, den GS zu kappen oder die vermutlich (zumindest kurzzeitig) entlasteten Gurte auszuhängen und sich dann im freien Fall aus der Wolke heraus fallen zu lassen, um dann, wenn der Abstand zur Wolke groß genug geworden ist, die Rettung zu werfen.... Das wäre dann ein Öffnungsstoß aus "richtigem" Freifall. Ob sowas das Gurtzeug und die Rettung aushält?

Bisher war ich immer der Meinung, dass eine gütegesiegelte Ausrüstung so eine Belastung aushalten müsste, aber was man in letzter Zeit so alles liest, da kommen mir langsam Zweifel. Oder wie seht Ihr das?

Gruß Peter

theosch
10.02.2004, 22:24
Auch der freie Fall muß geübt sein. Das sieht nur so einfach aus! Wer die Haltung nicht geübt hat wir herunterpurzeln, vor allem unter dem Stress und aus einer Wolke, wo jede Orientierung verloren geht. Vielleicht machst du erst mal eine ganz normale Sprungausbildung.

Viel Spass dabei,

Theo

Richy Roth
11.02.2004, 08:04
Wer mal an der Kochertalbrücke war und bei den DHV Tests zusehen konnte, der weiß, daß die Rettungen die bei den harten Tests bestanden haben auch bei Öffnungen im freien Fall nicht zerstört werden (zumindest nicht beim ersten mal) .

Wenn 120 Kg Gewicht bei 150 Km/h an einer Rettung schlagartig öffnen dann knallt das wie ein Pistolenschuß.
Ich habe live schon einige Rettungsöffnungen gesehen (Wer hat noch Erfahrung damit) und auch selber in meiner Zeit bei Charly Produkte Rettungen getestet.
So extrem wie beim Test an der Brücke muß, (Gott sei Dank), eine Rettung in der Praxis fast nie öffnen. Wenn doch, dann sind unsere DHV-Musterzugelassenen Geräte allemal so sicher, daß sie nicht aufplatzen. ( Es sei denn die Rettung liegt z.B. seit
3 Jahren im Kartoffelkeller und modert vor sich hin:-)).
Übrigens ist natürlich auch der Zustand des Gurtzeugs , der richtige, kompatible Einbau der Rettung ins Gurtzeug enorm wichtig für diese Sicherheit .
Ich erstelle derzeit eine kleine Fibel über die häufigsten Fehler beim Fallschirmpacken und beim Einbau ins Gurtzeug.
Ich fordere jeden auf, der schon einmal mit solchen Fehlern zu tun hatte mir ein E-mail zu senden, damit wir diese Dinge aufarbeiten und veröffentlichen können.


Viele Grüße Richy Roth

Tobias S.
11.02.2004, 10:27
Original geschrieben von PeWe
Bisher war ich immer der Meinung, dass eine gütegesiegelte Ausrüstung so eine Belastung aushalten müsste, aber was man in letzter Zeit so alles liest, da kommen mir langsam Zweifel. Oder wie seht Ihr das?

Selbst wenn die Ausrüstung das aushalten würde, habe ich große Zweifel, mensch das aushält...

Meinungen?

Tobi

rene
11.02.2004, 12:36
Thematisch Verwandtes wird hier:
http://www.dhv.de/vbulletin2/showthread.php?threadid=7291
diskutiert. Allerdings scheint die Forumgemeinde nicht richtig interessiert an der Sache :-(

Rene

andreas
14.02.2004, 21:49
..bin mir fast sicher das es hier auch praktische Erfahrungen zu diesem Thema gibt.......bitte meldet euch...

Dankeschön

Voggi
15.02.2004, 10:36
He Leute eure Probleme möchte ich haben!!
Im unserem Zeitalter von High-Tech wundere ich mich über diese Diskussion über die Belastbarkeit unseres Materials. Was glaubt ihr, verkaufen uns die Notschirmhersteller? Diese haben doch überhaupt kein Interesse an Negativwerbung, dass ihre Notschirme unzuverlässig wären.

Die ersten Fallschirmpioniere zb. Fausto Veranzio, Achtung das war im Jahre 1617 sprang mit seiner Konstruktionen, welche aus Weidenruten uns einer Art Segeltuch gebaut war, und nicht den Bruchteil der Belastungen der heutigen Geräte aushielten von Türmen und das nicht nur einmal.

Auch der Part mit dem Genickbruch ist schon Millionen Mal wiederlegt worden.

Der erste Freie Fall machte am 28. April 1919 Leslie Irvin in St.Louis/USA. Damals glaubte man noch, dass man im Freien Fall ohmächtig würde. Auch damals war die Technik auf dem heutigen Stand. Vor allem fehlte das Grundlagenwissen. Auch er kam ohne Genickbruch wieder auf den Boden.

1989 beobachtete ich wie ein Fliegerkollege mit seinem Gleitschirm einen Full-Stall machte. Beim Ausleiten fiel er dann in das Tuch. Irgendwie, fand er ein Loch und er konnte seinen Notschirm dort hinauswerfen. Er erklärte mir später bei einem Bier, dass er dieses nur machen konnte, da er den Griff des Notschirmes auf Brusthöhe hatte und ihn nicht lange suchen musste. Leider sind viele Gurtzeuge so konstruiert, dass der Griff irgendwo auf der Seite angebracht ist. Wenn man nicht bei jedem Flug einmal diesen greift (ist halt wie im Militär der Drill. Erst nach ca. 300maligem Üben. kann man es blind und sicher) findet man ihn im Notfall nicht oder wenn es schon zu spät ist. Ich habe mir aus diesem Grund ein Frontcontainer zugelegt. Da sehe ich den Notschirm und den Auslösergriff und muss nicht danach auf der Seite suchen.

Ich wünsche euch allen guten Flug und dass ihr nie den Notschirm benützen müsst.

Voggi