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Sagen und Legenden um das Gleitschirm/Drachenfliegen

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    Sagen und Legenden um das Gleitschirm/Drachenfliegen

    Also Aegidia, du hast mich mit deiner Legende von den Göttervögeln aus dem verlinkten Thread Seite 100 zu diesem Thread inspiriert.

    http://www.gleitschirmdrachenforum.d...l-quot-)/page7

    Wer eine Sage oder Legende weis kann sie hier einstellen. Ich finde dieses " Fliegergarn" recht nett. Beim Landebier und so...

    Hier eine Geschichte die ich am Brauneck hörte...

    ------------------------------------------------------------------------------------
    Die Legende vom Meisterbart.


    Seit den Zeiten der ersten Gleitschirmflieger, raunen es alte verdiente Piloten, den Jungen Sturm und Drangvögeln zu.

    Zum Ende des Tages, beim Landebier erzählen sie den noch unbedarften die uralte Geschichte vom „Meisterbart“

    Der eine oder andere hätte ihn schon fast gehabt.

    Am Ende eines so genannten Hammertages, wenn sich der Tag neigt und die Kraft der Sonne nicht mehr stark genug ist um die Wolken zu nähren.

    Wenn die Kumuli langsam in Auflösung begriffen sind. Sich nur noch Abwinde finden, dann beginnt an einer einzigen unbekannten Stelle im Tal ein letzter Bart aufzusteigen.

    Die Steigwerte sind nicht gewaltig aber beständig und gleichmäßig 1-2m/sek. Weit im Durchmesser geht es in ihm hoch hinauf bis zu den allerhöchsten Höhen. Die ältesten Überlieferungen sprechen von 6000m!

    Es ist der eine Bart. Der Bart der Bärte. Der Meisterbart. Wer ihn einmal ausgeflogen hat und bis zu seinem Ende in ihm gekurbelt hat wird ganz oben von Taranis dem Gott des Himmels, der Luft und dem Beschützer aller fliegenden Wesen, im Licht des letzten Sonnenstrahls mit dem Auge der Thermik gesegnet.

    Dieser, so geküsste Pilot wird nimmermehr aus einem Bart fallen und sei er noch so bockig oder eng.

    Gehört von einem alten Gleitschirmflieger beim Landebier und Lagerfeuer im Isartal bei Lenggries im Jahre 2011

    Gruß Johann, der immer noch auf der Suche nach diesem Bart ist.....

    #2
    AW: Sagen und Legenden um das Gleitschirm/Drachenfliegen

    gibt es überhaupt anderes als sagen und legenden in der fliegerei

    weidmannsheil (oder ähnlich........)

    urs

    Kommentar


      #3
      AW: Sagen und Legenden um das Gleitschirm/Drachenfliegen

      Zitat von seidenschwan Beitrag anzeigen
      Also Aegidia, du hast mich mit deiner Legende von den Göttervögeln aus dem verlinkten Thread Seite 100 zu diesem Thread inspiriert.

      http://www.gleitschirmdrachenforum.d...l-quot-)/page7

      Wer eine Sage oder Legende weis kann sie hier einstellen. Ich finde dieses " Fliegergarn" recht nett. Beim Landebier und so...

      Hier eine Geschichte die ich am Brauneck hörte...

      ------------------------------------------------------------------------------------
      Die Legende vom Meisterbart.


      Seit den Zeiten der ersten Gleitschirmflieger, raunen es alte verdiente Piloten, den Jungen Sturm und Drangvögeln zu.

      Zum Ende des Tages, beim Landebier erzählen sie den noch unbedarften die uralte Geschichte vom „Meisterbart“

      Der eine oder andere hätte ihn schon fast gehabt.

      Am Ende eines so genannten Hammertages, wenn sich der Tag neigt und die Kraft der Sonne nicht mehr stark genug ist um die Wolken zu nähren.

      Wenn die Kumuli langsam in Auflösung begriffen sind. Sich nur noch Abwinde finden, dann beginnt an einer einzigen unbekannten Stelle im Tal ein letzter Bart aufzusteigen.

      Die Steigwerte sind nicht gewaltig aber beständig und gleichmäßig 1-2m/sek. Weit im Durchmesser geht es in ihm hoch hinauf bis zu den allerhöchsten Höhen. Die ältesten Überlieferungen sprechen von 6000m!

      Es ist der eine Bart. Der Bart der Bärte. Der Meisterbart. Wer ihn einmal ausgeflogen hat und bis zu seinem Ende in ihm gekurbelt hat wird ganz oben von Taranis dem Gott des Himmels, der Luft und dem Beschützer aller fliegenden Wesen, im Licht des letzten Sonnenstrahls mit dem Auge der Thermik gesegnet.

      Dieser, so geküsste Pilot wird nimmermehr aus einem Bart fallen und sei er noch so bockig oder eng.

      Gehört von einem alten Gleitschirmflieger beim Landebier und Lagerfeuer im Isartal bei Lenggries im Jahre 2011

      Gruß Johann, der immer noch auf der Suche nach diesem Bart ist.....

      Dieses Gefühl kenn ich, das kommt von zu viel Landebier :-))
      Bernd
      Gott erhalt den Gerstensaft
      und meiner Frauens Arbeitskraft

      Kommentar


        #4
        AW: Sagen und Legenden um das Gleitschirm/Drachenfliegen

        ....... Finger weg von den Drogen!

        Kommentar


          #5
          AW: Sagen und Legenden um das Gleitschirm/Drachenfliegen

          Theodor Fontane


          Ikarus

          Immer wieder dieselbe Geschichte:
          Siege, Triumphe, Gottesgerichte.

          Wem jeder Sprung, auch der kühnste, geglückt,
          Der fühlt sich dem Gesetz entrückt,
          Er ist heraus aus dem Alltagstrott,
          Fliegen will er, er ist ein Gott;
          Er fällt dem Sonnengespann in die Zügel, -
          Da schmelzen dem Ikarus die Flügel,
          Er flog zu hoch, er stürzt, er fällt,
          Ein neu Spektakelstück hat die Welt,
          Eben noch zum Himmel getragen ...
          Apollo, zürnend, hat ihn erschlagen.


          Ich habe noch etwas gefunden, von Fontane. Es hört sich recht zeitlos an.

          Liebe Grüße,
          Aegidia

          Kommentar


            #6
            AW: Sagen und Legenden um das Gleitschirm/Drachenfliegen

            http://www.gleitschirmdrachenforum.d...ghlight=ukroll

            Kommentar


              #7
              AW: Sagen und Legenden um das Gleitschirm/Drachenfliegen

              Einfach Perfekt...

              Johann

              Kommentar


                #8
                AW: Sagen und Legenden um das Gleitschirm/Drachenfliegen

                Um den internationalen Wetterterroristen Abu Wash Quichiri ist es in letzter Zeit etwas ruhiger geworden.

                Trotz Vorratsdatenspeicherung, Wetterarchiven und Urheberrechtsstreitigkeiten im Internet treibt sein gefährliches Netzwerk jedoch weiter erfolgreich sein Unwesen, die Blüte westeuropäischer Nationen zu demoralisieren...
                Oder sind das schon seine Nachfolger der nächsten Generation ?
                W.

                P.S.: die anderen Beiträge im oben verlinkten Faden "Fliegergeschichten" sind ebenfalls lesenswert und erheiternd.

                Kommentar


                  #9
                  AW: Sagen und Legenden um das Gleitschirm/Drachenfliegen

                  Es wäre doch zu schade die "Legende vom sicheren Flugsport" hier nicht zu erwähnen

                  Viel Spaß

                  Kommentar


                    #10
                    AW: Sagen und Legenden um das Gleitschirm/Drachenfliegen

                    Hi ,
                    ich kann auch eine (fast) echte eindrucksvolle Tierbegegnung beisteuern . Das Gleitschirmfliegen habe ich oft in der Schweiz in Engelberg ausgeübt . Ein Freund , damals (1998) war er 74 Jahre alt und Zuckerkrank . In Engelberg am Klosterhang muss man oben an der Liftstation ca. ½ Stunde mit dem Schirm am Rücken aufsteigen um an den Startplatz in ca. 2500 m Höhe zu kommen . Mein Fliegerkollege musste immer ½ Tafel Schokolade essen , damit durch den Aufstieg kein Unterzucker im Blut entsteht . Danach musste er eine 1/ Stunde warten , dann war er flugtauglich . Er war ein excellenter Flieger mit langer Flugerfahrung und lernte mir in der Pause allerlei Tricks . So habe ich schnell gelernt von allen (un)möglichen Plätzen sicher zu starten .
                    Ich hatte Urlaub bin wieder mit dem Lift am Klosterhang hochgefahren und danach den Weg aufgestiegen . Am Vortag hatte es geregnet und die Sonne wusste nicht , sollte sie scheinen , oder sollte sie dem Regen den Vortritt lassen . Es war warm und es entstand eine Biese . Die Schweizer nennen so ein schmales Wolkenband , das sich am Berg in einer gewissen Höhe hällt . Sind keine anderen Gleitschirmflieger da , oder nur Bekannte , fliegt man mit dem Kompass am Klosterhang mit Südkurs raus , nach 400 m hat man dann beste Sicht . Ob es erlaubt ist weiß ich nicht , es wird eben so praktiziert . Ich hatte mir eine wunderbare Startwiese ausgesucht , hier grasten ca. 8 Kühe . Schweizer Kühe sind Gleitschirmflieger gewöhnt und kümmern sich gar nicht um solches Ungeziefer , sind höflich und machen beim Landen auch schön Platz . * Im Austrialand habe ich es schon anderes erlebt . Dort muss man dem Rindvieh schon einen gewaltigen Tritt geben um Landeerlaubnis zu erhalten . Bei den 8 Schweizer Kühen war ein kleines Kalb so im Alter vor der Pupertät , ein wenig zierlich , sehr wissensdurstig und wenig hungrig . Dieses Kalb , nennen Wir es Emmilie, hatte schon oft den Gleitern am Klosterhang zugesehen . Ich legte meinen Schirm halbkreisförmig aus und setzte mich auf den Packsack , studierte die Wolken , die Sonne , die Biese und ließ den lieben Gott einen guten Mann sein . Die Natur , der Friede , was konnte es schöneres geben . Ich legte mich auf meinen Packsack und bin dann wohl eingeschlafen .
                    Emmilie sah die Gelegenheit gekommen . Vorsichtig pirschte sie sich an den schönen roten Schirm heran , es war übrigens ein UP Vision , nahm ihn ganz vorsichtig in den Mund und trug ihn weg . Sie achtete darauf schön in einer Senke zu sein , um nicht gesehen zu werden . Zum Fliegen braucht man ein Gurtzeug , das weiss jeder Gleitschirmpilot . Aber Emmilie war ein Kalb und hatte daher 4 Füße . Ein Gurtzeug benötigte sie nicht . Sie hatte genau das Idealgewicht für diesen Schirm : 80 Kg . Wie das Starten geht hatte sie schon oft gesehen . Man legt den Schirm schön halbrund aus und sortiert die Leinen . Dann muß man laufen und schwupp ist man in der Luft . Das Auslegen war kein Problem , man darf dabei nur die Lippen nehmen , nicht die Zähne , sonst reißt man ein Loch in den Schirm . Emmilie war ein Kalb und hatte sehr breite Lippen so war das Auslegen ein großer Spaß . Mit den Leinen war es schon schwieriger . Der Vision hatte dicke Leinen , die verhaken nie , wie bei den neuen Schirmen , mit den dünnen Schnürchen . Was aber war vorne . Die rote , oder die gelbe Leine , das wusste Emmilie nicht . Außerdem war noch eine Leine so oben an den anderen Leinen befestigt mit einem Griff . Keine Ahnung was das sollte . Das ist bestimmt das Telefon . Gleitschirmflieger Quasseln immer so viel , wenn man daran zieht läutet die Glocke , wie bei Tante Emma und der Mamma , den großen Kühen . Für Emmilie war die Glocke noch zu schwer . Also gelb , das Telefon nach vorne , dann ist das Anrufen am Landeplatz nicht so schwierig . Ausprobieren geht nicht , dann wacht der verschlafene Gleitschirmflieger auf . Die Startvorbereitung war einfach . das rechte vordere Huf in den rechten Gurt , das linke vordere Huf in den linken Gurt . Einmal links , rechts geschaut , Start frei . Mit den Hinterhufen zwei Bocksprünge , Emmilie war in der Luft .
                    Die Sonne war inzwischen durchgekommen und blendete mich ein wenig . Höchste Zeit zum Fliegen . Mein Schirm war weg . Niemand zu sehen , ein Dieb unmöglich , nur Kühe . Aber ein Kalb fehlte Emmilie war weg geflogen .

                    P.S. Bis hierher ist die Geschichte wahr . Kalb „ Emmilie„ hatte , ohne daß ich es bemerkt habe , meinen Schirm ca. 300 m weggetragen und in einer Mulde versteckt . Ich musste ein wenig suchen und fand Emmilie ganz verliebt in meinen Schirm , den sie mit dem Maul immer betastete und ab und zu mit der Zunge ableckte . Der Schirm hatte keinen Riss , oder eine sonstige Bestätigung . Ich konnte mich damals nur wundern . Ich bin mit diesem Schirm noch weitere 3 Jahre geflogen . Der Traum vom Fliegen ist nicht nur den Menschen angeboren , sondern auch den Kühen . Oder es war eine verstorbene Gleitschirmfliegerin , die als Kalb in den Schweizer Alpen wieder geboren wurde ?

                    * Auf dem Landeplatz der Flugschule in Austria ließ der schlaue Bauer immer die Kühe grasen , wenn der Flugschulen Besitzer mit der Zahlung im Rückstand war . Daher wurde man als Flugschüler vom Vieh ignoriert und musste den Kühen einen Tritt geben . Als Kind habe ich gelernt auf Kühen zu reiten , was nicht ganz einfach ist .

                    Die Geschichte geht weiter , ich muss sie aber erst noch schreiben . Durch das Forum bin ich auf die Idee gekommen .
                    Beste Grüße Jürgen

                    Kommentar


                      #11
                      AW: Sagen und Legenden um das Gleitschirm/Drachenfliegen

                      Sprach-Probleme :

                      "I am an eagle !" - sprach selbstbewusst ein anglophiler Igel, kletterte so hoch er konnte auf einen Baum, stürzte sich mutig hinab und zerschellte kläglich bei der Landung...

                      Kommentar


                        #12
                        AW: Sagen und Legenden um das Gleitschirm/Drachenfliegen

                        Lieber Jürg: super Geschichte! I love Emmilie! Wo ist das Foto?
                        Helium: Danke, auch sehr süß. Armer Eagle, ich kann ihn verstehen!

                        Kommentar


                          #13
                          AW: Sagen und Legenden um das Gleitschirm/Drachenfliegen

                          Die Geschichte geht weiter , ich muss sie aber erst noch schreiben . Durch das Forum bin ich auf die Idee gekommen .
                          Beste Grüße Jürgen

                          Hey Jurgen, Klasse Geschichte bitte weiterschreiben.
                          Gruss
                          Ibrahim

                          Kommentar


                            #14
                            AW: Sagen und Legenden um das Gleitschirm/Drachenfliegen

                            Nahmd!

                            Die unfliegbaren Tage mehren sich mittlerweile wie die Fliegen bei schwülwarmem Wettter, daraus resultiert Langeweile - und die wiederum wollte vertrieben werden, bevor sie mich ganz und gar paralysiert. Der Text ist ein längerer geworden - ich werde ihn auf drei Postings aufteilen müssen - man möge mir verzeihen. Aber diese wirklich wahre Geschichte verlangte nach Ausführlichkeit.
                            Viel Spaß beim Lesen!
                            Olaf.




                            Sturmweben




                            Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit, obwohl schon einige Jahre seither übers Land geschritten sind, da verlief sich ein junger Kerl auf seinen Reisen an den alleröstlichsten Rand eines wohlbekannten Gebirges in der Mitte unseres Kontinentes. Kein Dorf, kein Haus, nicht einmal eine kleine, verlassene, windschiefe Hütte hatte er an diesem Tag gefunden, auf dass er beschloss, sich mangels Möglichkeiten nun in diesem engen Tal in tiefster Nacht unter den Wipfeln der hohen Bäume zur Ruhe zu betten um hier den Morgen zu erwarten.
                            Väterchen Schlaf war in dieser Nacht aber nicht ganz so schnell, und während unser junger Wanderer also wach lag und die funkelnden Sterne zwischen den Baumkronen betrachtete, erinnerte er sich - wie jeden Tag - an ein Erlebnis, welches ihn zutiefst bewegt hatte und noch immer die Hitze auf seine Wangen trieb, wenn seine Gedanken diesen Moment auch nur streiften:

                            Ein herrlicher Tagesanbruch war‘s, vor einigen Wochen, ein gutes Stück entfernt von diesem engen Tal. Da trat unser junger Freund frohen Mutes auf eine noch taunasse Wiese an der Sonnenseite einer gewaltigen Bergflanke, hoch über der Baumgrenze. Als er dort die schroffen Berge um sich herum und den goldenen Himmel darüber besah, sich von den Strahlen der aufgehenden Sonne wärmen ließ, und dieses befremdlich beruhigende Gefühl völliger Einsamkeit genoss, welches einen überkommt, solange der Nebel noch dick wie ein Meer das Tal füllt, fiel sein Blick auf eine kleine, dreiköpfige Gruppe von Wanderern, die offensichtlich auf dem Weg zu der Wiese waren, auf deren Mitte er stand. Ein wenig näher an ihn herangekommen, bemerkte er, dass sie ungewöhnlich große Rucksäcke auf ihren Rücken trugen, die ebenso bunt wie ihre Kleidung waren. Das machte ihn neugierig. So trat er an den Rand der Wiese, setzte sich auf einen Stein und wartete ab.

                            Als die Drei bald darauf die Wiese erreicht hatten, sahen sie sich um wie unser junger Wanderer zuvor, würdigten ihn aber keines Blickes. Sie lachten, sahen abwechselnd in den Himmel und dann ins Tal hinab, unterhielten sich angeregt und laut und waren mit sich selbst beschäftigt. Gut so, dachte unser Freund, stützte seine Ellenbogen auf die Knie und das Kinn auf die Hände. Er wollte erst dann weitergehen, wenn seine Neugier gestillt war, er wissen würde, was es mit diesen großen, bunten Rucksäcken auf sich hatte und welchen Grund es wohl gab, diese auf einen Berg hinaufzutragen. So verstrich die Zeit, Ruhe kehrte ein, die Sonne stieg höher, trocknete den Tau und die Reste des einst so dicken Talnebels wurden schon in dürren Fetzen die Berghänge hinaufgetrieben, als Bewegung in den Moment kam.
                            Wie auf Kommando erhob sich die Gruppe, man begann damit sich den Rucksäcken zuzuwenden, öffnete klickende Schnallen und schnarrende Reißverschlüsse, barg ein wenig, kaum zu erkennenden Kleinkram und holte schließlich jeweils zwei recht große Pakete daraus hervor. An einem Paket baumelten merkwürdige rote und schwarze Gürtel herab, das andere Paket schien dagegen ein großer, zugeschnürter Beutel zu sein. Unser junger Wanderer kniff seine hellblauen Augen zusammen und beobachtete interessiert dieses plötzlich rege Treiben, denn merkwürdig zielstrebig, an offensichtlich ausgewählten Plätzen, wurden die Gegenstände nun auf der Wiese verteilt. Es wurde hier etwas gerichtet, dort etwas gezurrt, einige Sachen wurden ausgepackt, während man andere Dinge sorgsam verstaute. Dann nahm man sich den großen, zugeschnürten Beuteln an, öffnete sie, hob sie an, drehte sie ein wenig um und ließ daraus ein weiteres, großes, buntes Paket auf die Wiese plumpsen. Diese merkwürdig bunten Pakete wurden schließlich zu riesigen Tüchern ausgebreitet, an welche seltsame Schnüre geknüpft waren. Die Besitzer dieser Tücher begannen sogleich damit, an diesen Schnüren zu zupfen und zu ziehen, man hielt sie andächtig und konzentriert hoch und besah sie sich offensichtlich so genau, als suche man etwas ganz bestimmtes. Doch man fand nichts und legte die Schnüre am Fuße dieser riesenhaften bunten Tücher aus. Da erhob sich unser Freund voll brennender Neugier und trat mutig auf die Gruppe zu, die ihn jedoch weiterhin ignorierte. So sprach er sie an:

                            "Guten Morgen!"
                            "Morgen", erwiderte man ohne aufzusehen.
                            "Darf ich fragen, was ihr hier macht?"
                            "Warum?"
                            "Ich habe so etwas noch nie gesehen!"
                            Da vernahm er ein Kichern, und ein Mann der Gruppe murmelte zu dem an seiner rechten Seite "Und ich dachte, der will uns jetzt fortjagen..."
                            "Nein nein", antwortete unser junger Beobachter, "ich jage euch bestimmt nicht fort! Ich möchte doch nur wissen, was dies hier ist...", während er sich neben eines dieser Tücher hockte und darauf deutete.
                            "Das", sprach der Besitzer dieses Tuches, "sind unsere Flügel!", und die drei Männer brachen in schallendes Gelächter aus.
                            "Flügel? Ihr meint, damit kann man fliegen? Richtig fliegen?", ungläubig besah unser junger Wanderer die drei Männer.
                            "Aber selbstverständlich doch! Fliegen wie ein Vogel können wir mit diesen Dingern" "Ach was", erwiderte der Nächste, "viel besser als ein Vogel fliegen wir damit." "Du wahrscheinlich weniger, aber ich schon!", sagte der Dritte, woraufhin alle drei erneut in lautes Lachen ausbrachen.

                            Fliegen wie ein Vogel, dachte unser neugieriger Freund fasziniert und doch skeptisch, mit diesen komischen Tüchern. Sie scheinen mich sowieso nicht zu mögen und wollen mir nicht verraten, was sie wirklich vorhaben. Er bemerkte, dass die drei Fremden nun bereits Helme und Handschuhe trugen, sich die schwarzen, begürtelten Pakete auf den Rücken geschnallt und eben diese Pakete mit den Schnüren der Tücher verbunden hatten. Aber ich will das Spiel noch ein wenig mitspielen... so fragte er:

                            "Könnte auch ich damit fliegen, wenn ich wollte?"
                            "Ich befürchte, so etwas könntest du dir niemals kaufen. Das ist nämlich sehr teuer.", antwortete der kleinste der drei Männer, "Du siehst nicht gerade danach aus, als wenn du dir das leisten könntest." "Und...", fügte der mit der lautesten Lache hinzu, "... man muss zudem sehr intelligent sein, um dieses Fluggerät überhaupt steuern zu können. Doch sehr helle siehst du mir nicht aus." "Zudem...", schloss der Dritte das Gespräch, "würden wir jetzt gerne starten, doch du stehst uns im Weg."

                            Da ging unser junger Freund zu seinem Stein am Rand der Wiese zurück. Und schon bald, nachdem er sich darauf niedergelassen hatte, ja nur kurz darauf begann er bitterlich zu weinen. Er weinte jedoch nicht, weil die Drei ihn beleidigt hatten - das war er gewohnt. Er weinte auch nicht, weil er kein Geld besaß - das war so, und er trug es mit Gleichmut. Und er weinte schon gar nicht, weil ihn jeder auf dieser Welt für dumm hielt - denn vielleicht hatten sie ja recht...? Oh Nein! Unser junger Wanderer weinte aus einem ganz einfachen Grund: Er sah etwas, wovon er schon so oft geträumt, was er jedoch nie für möglich gehalten hatte. Denn die drei Männer zogen nun nacheinander in rascher Folge an den Schnüren ihrer Tücher, und - während unserem jungen Beobachter der Atem stockte - erhoben sich diese leuchtenden Tücher mit lautem Rascheln, mit einem kraftvollen Schnalzen hoch in die Luft empor, hoch über die Köpfe der Männer, wo sie fest und erhaben in der Luft standen wie riesige, schwebende Segel, wo ihre bunten Farben herrlich in der Sonne strahlten, wo sie sanft im Wind wogten, warteten - und dann ... ja dann stießen sich diese Männer einfach mit ein paar kräftigen Schritten vom Hang ab. Sie flogen. Sie flogen! Erst ein wenig die Bergflanke hinunter, dann kurvten sie nach links, nach rechts und mit einem Mal trug es sie kreisend hinauf. Immer schneller, immer höher, wie Falken ließen sie sich in den blauen Himmel über die Welt hinauf tragen, während ihr lautes Lachen die Luft erfüllte. Kaum noch zu erkennen. Unser junger Wanderer musste seinen Kopf weit in den Nacken legen, schützte seine Augen mit den Händen vor der Sonne. Er war von seinem Stein aufgesprungen, doch da erkannte er schon nichts mehr, denn seine Tränen ließen seinen Blick verschwimmen. Und während die Welt unscharf wurde, loderte ein einziger Gedanke in seinem Kopf:

                            Menschen können fliegen!

                            Da begann er laut und befreit zu schluchzen. Setzte sich auf seinen Stein, vergrub sein Gesicht in seinen Händen und blieb dort noch sehr lange so. Es war doch sein Traum!




                            .
                            Zuletzt geändert von Aeronaut; 29.04.2012, 19:39.

                            Kommentar


                              #15
                              AW: Sagen und Legenden um das Gleitschirm/Drachenfliegen

                              (Posting 2 von 3)


                              Er erwachte, frierend, unsicher, wo er sich befand, sah Bäume über sich, erinnerte das enge Tal, schloss noch einmal die Augen, streckte sich, strich sich das frisch gefallene Laub von seiner Jacke und stand auf. Ich muss eine Bleibe finden, denn es wird kalt werden, dachte er, als er den eisgrauen Himmel an diesem Morgen sah. So wanderte er weiter durch das Tal, kletterte dann die Flanke an seiner Seite hinauf, erreichte zur Mittagszeit den Grat und sah sich um. Blickte in das nächste Tal hinab, welches weiter war als das, aus welchem er kam, suchte die Berghänge ab und entdeckte schließlich hoch an der gegenüberliegenden Bergflanke auf einer kleinen, leuchtenden Wiese eine kleine Hütte, aus deren Schornstein heller Rauch aufstieg. Kurz nach Einbruch der Nacht hatte er die Hütte erreicht, sah sehnsüchtig das wärmende, freundliche Licht aus den Fenstern strömen und klopfte erschöpft an die Tür.

                              "Was gibt es denn?", krächzte eine heisere Stimme von drinnen.
                              "Ich suche einen Platz, an dem ich den Winter verbringen kann."
                              "Was kannst du denn?"
                              "Eigentlich kann ich nichts."
                              "Das trifft sich gut, denn derzeit gibt es nichts zu tun. Komm rein!"

                              Da öffnete unser junger Freund die schwere, knarzende Tür und trat ein. Der Raum war niedrig und maß von Wand zu Wand – egal in welcher Richtung – nicht mehr als vier Meter und war spärlich eingerichtet. Es gab einen kleinen Tisch vor einer Holzbank, einen klapprigen Schrank neben einer kleinen Anrichte, rechter Hand befand sich eine Tür und daneben führte eine schmale, geländerlose Treppe nach oben. Mitten in dem Raum brannten in einer steingefassten Feuerstelle drei armdicke Holzscheite unter einem rußgeschwärzten Abzug. Dicht herangerückt an dieses Feuer, auf einem einfachen Holzstuhl, saß ein zusammengerutschter, zierlicher alter Mann, in dessen unglaublich faltiges Gesicht der Feuerschein bizarre Schatten zauberte, und dessen lebendige, schwarze Augen unter den dichten, grauen Brauen unseren jungen Freund freundlich musterten.
                              „Gesellschaft für den Winter. So viel Glück muss man erst einmal haben.“, sprach er erstaunt mit heiserer Stimme. „Setz dich doch!“, und er deutete mit seiner dürren Hand auf den Boden vor dem Feuer. Unser junger Wanderer tat wie ihm geheißen. Die nun folgenden fünf Minuten der Stille, in der beide nachdenklich auf die brennenden Holzscheite schauten, wurden beendet von einem langen Gespräch, in welchem unser Freund von seinen Jahren der Wanderung berichtete, von seiner Reise quer durch unseren Kontinent. Der alte Mann hörte still und neugierig zu, stellte selten Fragen, legte angelegentlich frische Scheite ins Feuer, nickte hin und wieder zustimmend mit seinem Kopf, während ein Lächeln mit den Falten in seinem Gesicht spielte. Wenn er lachte, hob er seine struppigen Brauen und seine lebendigen, dunklen Augen begannen zu funkeln. Und als die Nacht sich bereits dem Ende entgegen neigte, gelangte unser junger Freund in seiner Erzählung an den Tag, der endete, indem er weinend auf einem Stein am Rande einer Wiese sitzen sollte. Ergriffen von der Tatsache, dass Menschen sich wie Vögel in die Luft erheben konnten. Da wurde der alte Mann still, wendete seinen Blick von dem Feuer zu unserem jungen Wanderer, bemerkte seine geröteten Augen und feuchten Wangen und erstaunt sprach er: „Ja wieso sollten Menschen denn nicht wie Vögel fliegen können?“ Ihre Blicke trafen sich einen kurzen Moment, doch bevor unser junger Freund etwas erwidern konnte, erhob sich der alte Mann erstaunlich flink von seinem Stuhl, streckte sich und murmelte „Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so spät ins Bett gegangen bin. Es ist Zeit.“, und verschwand durch die kleine Tür hinter ihm. Bevor er sie schloss, krächzte er mit einem tiefen Gähnen „Ich glaube, wir schlafen morgen aus.“

                              Als sie erwacht waren, stand die Sonne bereits eine Handbreit hoch über dem gegenüberliegenden Grat und ihre Strahlen glitzerten auf frischgefallenem Schnee. Während die Schneedecke im Laufe der kommenden Wochen und Monate dicker und dicker wurde und alles in diesem Tal zu Eis gefror, war es an den kurzen, kalten Tagen die Aufgabe unseres jungen Freundes, die Hütte ordentlich und sauber zu halten, sich ums Feuer zu kümmern und den Platz um ihre Bleibe vom Schnee frei zu halten, während der alte Mann das Essen bereitete. Die langen, eiskalten Nächte verbrachte man am Feuer, wo unser junger Wanderer immer und immer wieder von seinem Erlebnis auf der Wiese an dieser gewaltigen Bergflanke berichten musste. Der alte Mann rang ihm Beschreibung um Beschreibung ab, war erfreut von der guten Beobachtungsgabe unseres jungen Reisenden, rieb sich nach jedem neuen Detail aufgeregt die Hände, reichte ihm in einer stürmischen, schneereichen Nacht schließlich ein großes Blatt Papier und einen Stift und forderte ihn auf, eine möglichst genaue Zeichnung dieser seltsamen, fliegenden Tücher anzufertigen. Und weil sich das Erlebte so tief ins Gedächtnis unseres Freundes eingebrannt hatte, war diese Zeichnung nach einigen Abenden und noch mehr Verbesserungen so genau, wie sie genau nur sein konnte. Zufrieden darüber griff der alte Mann das Blatt Papier und besah sich lange und schweigend die Zeichnung im Schein des Feuers. Nickte hin und wieder mit seinem Kopf, murmelte „Ja… das erscheint mir logisch.“, oder „… hier könnte man es ein wenig einkürzen…“, und „ das da…“, während sein knochiger Zeigefinger auf das Bild tippte, „… steht sich selbst im Weg. Das muss anders gemacht werden!“ Schließlich: „Vielen Dank junger Mann! Eine hervorragende Zeichnung ist das, doch ich muss jetzt ins Bett. Das Frühjahr naht, meine Kräfte erfordern Schonung, gute Nacht!“, und verschwand in seiner Kammer. Unser junger Freund blieb noch eine ganze Weile nachdenklich und irritiert am heruntergebrannten Feuer sitzen, rollte sich schließlich auf dem Fußboden zusammen und wartete auf den Schlaf. Bis dieser eintraf, flog er noch lange in seinen glühenden Gedanken mit den Vögeln über ein blaues Firmament, unter sich die schroffen Berge.

                              Als die Tage nun spürbar länger wurden, doch der Winter noch nichts von seiner Kraft einbüßte, bemerkte unser junger Freund eine Veränderung im Verhalten des alten Mannes. Während der letzten Monate verbrachte er seine Tage fast durchweg in der kleinen Hütte und nur selten trat er davor. Wenn, dann betrachtete er griesgrämig und mit müdem Blick die verschneite, leblose Landschaft. Doch jetzt, obwohl die Kälte kaum etwas an Milderung erfahren hatte, ertappte unser Wanderer den alten Mann immer öfter dabei, dass er Stunden vor der Tür der Hütte damit zubrachte, den Himmel und die Wolken zu beobachten, während die Müdigkeit Tag für Tag mehr aus seinem Blick schwand. Und an einem Abend kurz darauf, sie hatten gerade ihre Teller leergeputzt, wandte sich der alte Mann an unseren jungen Freund:

                              „Ich werde bald deine Hilfe benötigen.“
                              „Ich werde gerne helfen. Doch wobei?“
                              „Du hast mich nie gefragt, welcher Arbeit ich hier oben nachgehe. Oder denkst du, ich sei zu alt zum Arbeiten?“, und er lächelte verschmitzt, während unser junger Wanderer errötete.
                              „Nun“, fuhr er fort, „ich werde das große Geheimnis lüften und es dir verraten.“
                              Er legte eine kleine Kunstpause ein, räusperte sich ausgiebig und blickte unserem Freund mit seinen freundlichen, lebendigen Augen ins Gesicht.
                              „Ich bin Weber.“
                              Woraufhin ein kurzer Moment der Stille herrschte und sich beide neugierig in die Augen blickten.
                              „Aber braucht man dafür nicht einen Webstuhl?“
                              „Ich habe einen Webstuhl, oben, unter dem Dach.“
                              Unser junger Reisender blickte zur kleinen, schmalen Treppe, die nach oben führte und die er noch nie hinaufgestiegen war.
                              „Und Wolle! Man benötigt doch Wolle um zu weben. Man benötigt Garn! Schafe! Keine dieser Dinge habe ich hier jemals gesehen!“
                              Da erfüllte der alte Mann seine kleine Hütte mit seinem kräftigen Lachen.
                              „Ich brauche kein Garn, keine Wolle und keine Schafe zum Weben. Das habe ich noch nie dazu gebraucht.“
                              „Ja aber womit wollt ihr dann weben?“
                              „Mit Wind.“

                              Nun herrschte erstauntes Schweigen auf der einen und ein Vergnügtes auf der anderen Seite des knisternden Feuers, welches von dem alten Mann beendet wurde, in dem er leise, aber deutlich sprach: „Halte dich bereit, junger Mann. Schone deine Kräfte. Bald wird es soweit sein, und deine Hilfe wird dir viel abverlangen. Gute Nacht!“ Er zwinkerte unserem jungen Freund verschmitzt zu und zog sich in seine Schlafkammer zurück, aus der bald lautes Schnarchen drang. Unser Freund jedoch lag wach bis in den frühen Morgen. Weben mit Wind…




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                              Zuletzt geändert von Aeronaut; 29.04.2012, 19:36.

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