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Chäserrugg - Alpines Pumpen, Gefahrenstelle beim Streckenfliegen?

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    Chäserrugg - Alpines Pumpen, Gefahrenstelle beim Streckenfliegen?

    Hallo zusammen,

    ich beschäftige mich gerade mit dem Thema "Alpines Pumpen" am Chäserrugg (CH), da es letztes Jahr im Frühling, Sa 24.4.2021 ca. um 18.00 Uhr dort (am Tristencholben) einen glimpflich ausgegangener Retterabgang und leider einen tödlicher Absturz (am Tieregg) gab. Örtliche Bedingungen waren Westwind 20 km/h Böen 40 km/h - gemessen um 18.00 Uhr am Säntis. Der Chäserrugg wird sehr, sehr häufig auf langen Streckenflügen aus dem Prätigau sehr spät, südlich angeflogen und nochmal aufgedreht, um wieder zurück nach Pany, Fanas,.... zu kommen.

    Der Pilot der am Tristencholben mit dem Retter runter ging hat berichtet, dass die Turbulenzen erst ca. 200m über dem Gelände (ca. 2500m) angefangen haben. Das deutet für mich auf Alpines Pumpen hin, denn Leeturbulenz müsste unterhalb der Geländekante schon deutlich spürbar gewesen sein. Das Alpine Pumpen ist dort auch so auf der Karte von so fly-in.ch eingezeichnet.

    Link: https://fly-in.ch/index.php/know-how...alpines-pumpen

    Das Alpine Pumpen wird vom DWD gut erklärt: https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_d.../2020/4/5.html

    Jetzt aber die Frage, ob sich hier jemand besser auskennt, wann es dort so wild hergeht, welche Komponenten müssen alles mitspielen? Denn an diesem Tag sind einige Piloten dort vorbei geflogen kurz davor und auch danach, was die Sache etwas schwieriger macht zu verstehen.

    Link Flug bis zum Retterabgang: https://www.xcontest.org/2021/world/...4.4.2021/09:08
    (Vielen Dank an den Piloten, dass er seine Erfahrung mit anderen geteilt hat!)

    #2
    Ich kann Dir bei Deiner Frage leider nicht weiterhlfen, jedoch verstehe ich etwas nicht:
    Zitat von James Beitrag anzeigen
    Der Pilot der am Tristencholben mit dem Retter runter ging hat berichtet, dass die Turbulenzen erst ca. 200m über dem Gelände (ca. 2500m) angefangen haben. Das deutet für mich auf Alpines Pumpen hin, denn Leeturbulenz müsste unterhalb der Geländekante schon deutlich spürbar gewesen sein.
    Wieso einen Unterschied zwischen Alpinem Pumpen und Leeturbulenz machen? Alpines Pumpen ist m.E. eine Art um Leeturbulenzen zu erzeugen (eine andere wäre der überregionale Wind). Wind prallt im Luv auf einen Berg und steigt hoch. Dann kommt die Kante und im Lee gibt es Turbulenzen. Turbulenzen sind halt schwer exakt zu prognostizieren, mal stärker mal schwächer, mal gar nicht, mal früher mal später, mal höher mal tiefer und wenn dann noch Leethermiken mitmischen wird es noch verzwickter.

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      #3
      Die Turbulenzen sind gleich, unabhängig ob durch alpines Pumpen oder überregionalen Wind.
      Aber das alpine Pumpen ist ein regelmäßiger Effekt, der sich im Tagesgang ändert. Sie können überregionalen Wind verstärken oder mindern. Darum geht es wohl bei James, um darüber Erfahrungen zu sammeln - wann und wo steigern sich die Leeeffekte durch das alpine Pumpen.

      Kommentar


        #4
        Zitat von martin2005 Beitrag anzeigen
        Wieso einen Unterschied zwischen Alpinem Pumpen und Leeturbulenz machen?
        Ich verstehe es so, dass nicht jede Turbulenz in der Luft als Leeturbulenz bezeichnet wird z.B. die Turbulenzen durch eine Windscheerung ist, meines Wissens nach, keine Leeturbulenz. Und beim Alpinen Pumpen zieht der Talwind teils auch Luftmasse von höheren Schicht nach unten.

        Auszug aus dem DWD Artikel: ”Die Kompensationsströmung erfolgt mit geringer Geschwindigkeit oberhalb der Gipfel. Vor allem im Mündungsgebiet der großen Bergtäler saugt der Talwind umliegende Luft an; nicht nur seitlich, sondern auch von oben herab. Dort entsteht ein großflächiger Abwind, der recht kräftig werden und stellenweise 1 m/s bis sogar 3 m/s erreichen kann. Die Abwindzone verläuft parallel dem Gebirgsrand entlang, ist 10 km bis 30 km breit und im Bereich von Talmündungen ausgeprägter.”

        Soweit ich den Wetterbericht sehe, haben wir kommenden Montag 28. März z.B. ähnliche Bedingungen wie vor einem Jahr am Chäserrugg, stärkerer Westwind und gute Thermik von unten heraus über den ganzen Tag. Da stellst sich mir die Frage ob dort eben wieder die gleichen Gefahren (stellen) auftauchen oder noch andere Komponente fehlen.

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          #5
          Alpines Pumpen steht erst mal als Begriff stellvertretend für Talkwindentwicklung. An thermisch kräftigen Tagen kann der Talkwind besonders hoch reichen und dann auch manche Berge überströmen, offenbar auch den Chässerug in manchen Bereichen. Da gibt es dann ein neues Lee.
          allerdings lese ich hier auch etwas von starkem Westwind. Bei der Ausrichtung des Chässerug rumpelt der Westwind halt parallel am Gelände entlang, was auch schöne Turbulenzen erzeugen kann. Wenn dann an bestimmten Stellen auch noch West auf überspülten Nord trifft, gibt es halt Waschmaschine.
          Herausgeber von Lu-Glidz, dem Gleitschirm-Magazin in Blogform:
          [url]https://lu-glidz.blogspot.com[/url]

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            #6
            Naja, ich habe den Eindruck dass manche Stellen in den Alpen einfach anfälliger für Turbulenzen sind und man diese nicht immer zu 100% erklären kann. Kann sein, dass vielleicht auch die Geländeform (Flach nach Norden, dann Steilwand nach Süden) das begünstigt.
            Mein Tipp:
            Kontaktiere das Personal der Flugschule Robair am Walensee. Ich glaube, von denen bekommst Du die beste Information über das Mikroklima am Chäserugg, wann und wie zu fliegen etc.

            Gruß Guido

            Und Feedback bitte hier posten .

            Kommentar


              #7
              Zitat von James Beitrag anzeigen
              Und beim Alpinen Pumpen zieht der Talwind teils auch Luftmasse von höheren Schicht nach unten.
              ah ich glaub ich verstehe deine Annahme jetzt. Vergiss diese Ausgleichströmung, wenn ich den DWD Artikel richtig verstehe. Diese "überregionale" Ausgleichsströmung ist schwach (DWD) und meines Erachtens oberhalb des Thermik- und Talwindgeschehens, darunter ist sind die Komponenten der Waschmaschine relevant, siehe luaas der es gut beschreibt (Talwind, überregionaler Wind, Thermik, Geländeformen mit Luv/Lee ...).

              Kommentar


                #8
                Zitat von martin2005 Beitrag anzeigen
                Diese "überregionale" Ausgleichsströmung ist schwach (DWD) und meines Erachtens oberhalb des Thermik- und Talwindgeschehens, darunter ist sind die Komponenten der Waschmaschine relevant, siehe luaas der es gut beschreibt (Talwind, überregionaler Wind, Thermik, Geländeformen mit Luv/Lee ...).
                Ich glaube du verstehst mich falsch, es liegt gewiss nicht an einer einzigen Ursache, sondern es ist die Summe von mehreren Umständen die am Chäserugg vereinzelt zu derart heftigen Turbulenzen führen. Daher lässt sich das nicht ausschließlich mit dem Saugen aus höheren Schichten erklären, was ich auch nicht tue. Wie Lucian schon geschrieben hat ist das Alpine Pumpen ein anderer Begriff das erweiterten Verständnis von Talwind, aber Talwind fließt nicht nur eben von A nach B, sondern teils eben auch 3-Dimensional.

                Es ist aber immer noch die Frage, welche Umstände dort derart heftige Turbulenzen fördern. Heute z.B. sind dort wieder etwa 10 Piloten unter Grat vorbei geflogen und haben aufgedreht.

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                  #9
                  Zitat von gio_i Beitrag anzeigen
                  Naja, ich habe den Eindruck dass manche Stellen in den Alpen einfach anfälliger für Turbulenzen sind und man diese nicht immer zu 100% erklären kann. Kann sein, dass vielleicht auch die Geländeform (Flach nach Norden, dann Steilwand nach Süden) das begünstigt. Mein Tipp: Kontaktiere das Personal der Flugschule Robair am Walensee. Ich glaube, von denen bekommst Du die beste Information über das Mikroklima am Chäserugg, wann und wie zu fliegen etc. Gruß Guido
                  Und Feedback bitte hier posten .
                  Vielen Dank für den Tipp - ich habe mit einem örtlichen Piloten/Fluglehrer gesprochen. Für jeden den es interessiert was dort genau Turbulenzen auslöst und was sie verstärkt bzw. mindert, gibt es einen sehr guten Artikel dazu. Link: https://fly-in.ch/images/01_FlyIn/Do...1_sg_meteo.pdf


                  Anbei der Ausszug, sollte das PDF mal nicht mehr erreichbar sein bleibt es hier erhalten:

                  "Die Churfirsten Die Situation bei den Churfirsten ist ausgesprochen komplex. Aus grosser Höhe betrachtet erkennen wir ein «H», wobei der linke Strich den Zulieferer «Zürichsee – Glarnerland», der rechte Strich den Zulieferer «Rheintal» darstellt. In beiden Tälern fliessen grosse Mengen des Ausgleichswindes gegen die Alpen, allerdings kann das Rheintal wesentlich mehr Luft abführen als das Glarnerland, wodurch der «Talwind» am Walensee von West nach Ost gesogen wird (umgekehrt kommt der Föhn am Walensee von Osten). Die Churfirsten liegen (wie auch der Walensee) genau quer zwischen drin, und mit einer Höhe von 1900 – 2300 m müssen wir sie in die problematische Kategorie «mittelhoch» einteilen. Nördlich der Churfirsten fliessen von Wattwil – Nesslau aus NW und von Gams – Wildhaus Talwinde hinzu. Ein Teil dieses Windes fliesst gegen das Alpstein-Massiv, ein anderer Teil muss aber über die Churfirsten gegen Süden abfliessen. Die Menge dieser Winde wird von den Meteorologen aber als eher klein eingeschätzt, sodass sie nur kleinräumig zusätzliche Luft liefern. In Abb. 5 sind diese Winde schematisch für einen sonst schwachwindigen, aber labilen Tag eingezeichnet. Die Kette Mattstock-Leistchamm-Churfirsten-Fulfirst bildet also eine beinahe geschlossene West-Ost-Barrikade gegen den Druckausgleichswind, der von Norden gegen die Alpen geführt wird. Schon bei schwachwindigen Tagen ist es klar, dass in den Nachmittagsstunden die tieferen Übergänge (bei Amden und die Nideri ob Walenstadt) von Norden überströmt werden. Gibt die Wetterlage einen leichten Nord-Überdruck vor, steigt das Niveau des Überfliessens an und erreicht die tiefen Punkte in den markanten Zacken der Churfirsten: Der Wind pfeift regelrecht und fast horizontal zwischen den Zacken durch, auch wenn auf den Gipfeln noch wenig Wind gemessen wird. An labilen Tagen gibt es dann das typische Churfirsten-Phänomen: Man kurbelt im Lee vor den Südwänden hoch und überhöht die Zacken noch (thermisch plus Massenträgheit der Luft) und überfliegt die Spülgänge elegant. (Aber Achtung: Leethermik! Zudem sind die Nordflanken flach, was bei einer Überströmung auch bei labilen Verhältnissen zu unangenehmen Spüleffekten und Turbulenzen führt.) Haben wir aber schlechtere Flugbedingungen (Subsidenz, Absinkinversion, relativ stabil zwischen 1900 und 2500m), sind die Absinkvorgänge und Turbulenzen derart stark, dass das Fliegen keine Freude mehr bereitet, ja, sogar für routinierte Piloten gefährlich wird.

                  Flacher Bergrücken: Wird laminar überströmt. Nordseite flach, südseitig steil: Der Wind schiesst «flach» (beinahe horizontal) Richtung Süd. Turbulenzen sind sehr wahrscheinlich (Churfirsten)."

                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: sg_meteo.png Ansichten: 0 Größe: 505,6 KB ID: 915672


                  Hoffe es hilft dem ein oder anderen diesen, sehr speziellen, Berg etwas besser zu verstehen.
                  Zuletzt geändert von James; 25.03.2022, 17:49.

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                    #10
                    Ich kenne die Churfirsten ganz gut von Streckenflügen als auch von den Startbedingungen am Hinterrugg. An guten thermischen Tagen um den frühen Mittag herrscht meist idealer Startwind an der Westflanke des Hinterrugg. Der Wind kommt überregional als Talwind aus WNW das Toggenburg rauf. Auf der anderen Seite gibt es das alpine Pumpen aus NNO. Die Konvergenzgrenze dieser beiden Windrichtungen verschiebt sich typischerweise mit dem Sonnenstand Richtung Westen. Es ist bei Toggenburger Gleitschirmpiloten bekannt, dass alleine diese Konvergenzzone ziemlich ruppig sein kann. Kommt noch eine dritte Komponente dazu, kann es naturgemäss ungemütlich werden. Dazu zählt ein ausgeprägter überregionaler Wind oder eine starke Thermik oder Leefalle.

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