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Ergebnis 16 bis 26 von 26

Thema: kurzes Steigen in Abständen beim Soaring

  1. #16
    DHV-Mitglied Avatar von bigben
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    AW: kurzes Steigen in Abständen beim Soaring

    Hallo Flatlander,
    schöne Videos, aber wenn man sich die Videos anschaut stellt man fest, dass sie die primäre Höhe an der Küste / Kante gemacht haben und sind dann ins Land geflogenen haben dort den Einstieg in die Thermik gesucht und gefunden. Schau Dir mal das folgende Video an: https://vimeo.com/103071155#t=3m33s - ist das Gleiche in grün Von dort hätten wir auch ins Hinterland in die Thermik fliegen können. Warum es an manchen und sehr wenigen Tagen so hoch geht, konnte uns aber bis dato niemand beantworten. Das Steigen bis ca. 200m war rein laminar und absolut ruhig, es ging vor der ganzen Kante einfach nur gleichmäßig rauf, bei einem etwa 25er Wind.

    LG Ivo
    „Kann ich mein Leben mal kurz speichern und was ausprobieren?“

    NOVA Team Pilot

  2. #17
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    AW: kurzes Steigen in Abständen beim Soaring

    "Paragliding sea thermal tutorial": http://www.borkhairylegs.com/sea-thermals/

    üben.. üben... üben

    schade, dass wir in D nicht solche Möglichkeiten haben wie in Cornwall

    vgl.: (xc Player anwählen zum nachfliegen)
    http://xcleague.com/xc/flights/2017194.html?vx=01200224
    http://xcleague.com/xc/flights/2017687.html?vx=01200410 (Coast to Coast !!)
    ...
    ...

  3. #18
    DHV-Mitglied Avatar von luaas
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    AW: kurzes Steigen in Abständen beim Soaring

    Leute,

    meteorologisch gibt es viele Faktoren, die wir als Flieger kaum verstehen, die aber ihre Auswirkungen haben, gerade auch bei der Küstenfliegerei.

    a) Natürlich gibt es Thermiken über dem Meer. Wenn die Luft kälter ist als das Wasser wirkt die Wasseroberfläche ebenso als Heizung. Bei passenden Gradienten wird die Luft dann aufsteigen. Über dem (homogenen) Meer bilden sich dann typische offene oder geschlossene hexagonale Konvektionszellen.

    Wie sich solche meergezeugte Thermiken dann an der Grenze zum Land verhalten hängt von vielen weiteren Faktoren ab. Ein wichtiger Einflussfaktor ist die Feuchtigkeit in der Luft (die über dem Meer erhöht ist). Feuchtere Luft ist leichter als gleich temperierte trockenere Luft (geringere Dichte). Wenn solche feuchte Meeresluft an die Düne geschoben wird, wird sie zwangsgehoben, kommt dann in noch trockenere Luftmassen (die größe Feuchtigkeit ist in Bodennähe), und so kann sie erst Recht die Tendenz haben, weiter zu steigen. Das kann auch weit vor einer Düne, noch über dem Wasser, passieren. Die Zwangshebung durch die Düne lenkte die gesamten Luftmassen etwas nach oben ab. Bei passendem Feuchtegradient (unterstützt durch instabile Luft) kann es dann auch recht konstant in einem Band noch oben gehen.

    b) Ein zweiter Punkt, der kaum beachtet und verstanden wird, sind Windscherungen, die durch Coriolis-Effekte entstehen. Wenn der "schnelle" Meereswind auf die Küste trifft, wird er mit einem Mal deutlich abgebremst. Dieses Abbremsen bewirkt auch eine Drehung des bodennahen Windes während er in der Höhe seinen Schwung und seine Richtung beibehält. Zwischen Boden- und Höhenwind (wobei hier der "Höhenwind" schon in vielleicht 20 Meter MSL anfängt) bildet sich dann eine Scherzone aus. Es kommt zu Welleneffekten, wenn der eine Wind gewissermaßen über den anderen drüberrubbelt. Je nach Ausrichtung und Position dieser "Luft-Wellen" zur Küste werden sie selbst an einer vollkommen einheitlichen Düne für eine Kompression und Dekompression der bodennahen Luftschichten führen. Das kann zu unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten an der Düne, also auch unterschiedlich starken dynamischen Aufwindbereichen führen. Zugleich können Kompression und Dekompression auch die Ablöse möglicher See- oder Küstenthermiken mal unterdrücken (Kompression) oder fördern (Dekompression).
    Die Welleneffekte durch Windscherungen können von Tag zu Tag ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. Da spielen nicht nur Windgeschwindigkeit und Winkel, sondern auch Temperatur, Luftdichte, Feuchtigkeit, die jeweiligen Gradienten etc. einen Einfluss. Das vorherzusehen ist mit unserem geringen Wissen und Sensorium kaum möglich.

    So darf man sich beim Küstensoaren halt immer wieder überraschen lassen, wenn es an manchen Tagen super laminar trägt, während es am nächsten Tag extrem ruppig zugeht. Warum es gerade mal so, mal so ist, werden wir kaum bis ins Detail durchdringen können. Wohl dem, der mit gesundem Bauchgefühl die Chance für außergewöhnliche Küstenflüge nutzt, wenn sie sich ihm bietet.

    Lucian
    Der Gleitschirm-Blog:
    www.lu-glidz.blogspot.de

  4. #19
    Registrierter Benutzer Avatar von zucki
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    AW: kurzes Steigen in Abständen beim Soaring

    Hey-Super Beitrag. Danke Lucian!!

    Gruss Z

  5. #20
    DHV-Mitglied Avatar von bigben
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    AW: kurzes Steigen in Abständen beim Soaring

    Dem schließe ich mich nahtlos an
    „Kann ich mein Leben mal kurz speichern und was ausprobieren?“

    NOVA Team Pilot


  6. #21
    DHV-Mitglied Avatar von luaas
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    AW: kurzes Steigen in Abständen beim Soaring

    Lieber Tom,

    anzweifeln ist gut, genauer lesen wäre besser.

    Ich habe nicht geschrieben, dass die Luft an Land trockener ist als über dem Meer. Die Luft in Bodennähe bzw. Wassernähe ist aber feuchter als die Luft in etwas höheren Schichten. Wenn also der Meereswind an der Küste durch ein Hindernis gehoben wird, kommt er in ein Umfeld mit trockeneren "Randbedingungen". Hier kann sich die Feuchtigkeit dann durchaus als aufstiegstreibend erweisen.

    Nun kannst Du natürlich anmerken, dass doch die ganze Luftmasse gehoben wird und deshalb auch wieder keine Feuchtegradienten in gleicher Höhe herrschen dürften. Nur: So einheitlich geht es nirgendwo in der Natur zu. Küsten sind ungleichmäßig geformt, der Wind strömt aus unterschiedlichen Richtungen, brechende Wellen mit ihren aufgewirbelten Aerosolen können lokal für erhöhte Feuchtegehalte sorgen etc.

    Was den Coriolis-Effekt betrifft: Der Meereswind wird nicht durch die eine kleine Düne abgebremst, sondern durch die allgemein deutlich rauere Landmasse, über die er dann streift. Das führt zur genannten Ablenkung, und zwar nicht nur auf den ersten 20 Metern der Küste. Hier läuft der Meereswind also auf eine großräumige Querströmung auf. Der Bremseffekt durch den rauen Untergrund kann übrigens an manchen Tagen schon deutlich vor der Küste einsetzen, je nach Wellengang.

    Du kannst das gerne als Unsinn betrachten. Ich habe extra geschrieben: "meteorologisch gibt es viele Faktoren, die wir als Flieger kaum verstehen, die aber ihre Auswirkungen haben, gerade auch bei der Küstenfliegerei."

    Die von mir beschriebenen Effekte sind nicht "die eine" Erklärung, sondern gehören zum großen Rund der Einflussfaktoren. Wer will, kann sie als Anregung nutzen und sie mit seinem eigenen Erleben abgleichen. Vielleicht hilft es dem ein oder anderem, seine Meteo-Vorstellungen etwas zu erweitern.

    Man kann sich freilich auch keinen Kopp drum machen und einfach fliegen gehen.

    Übrigens: Ich lerne gerne dazu. Wenn Du auch eine gute oder bessere, gerne auch konträre Theorie zur Erklärung mancher Effekte bei der Küstenfliegerei hast, dann her damit. Das fände ich allgemein vorteilhafter für die Diskussionskultur als nur einfach Anti zu sein.


    Der Gleitschirm-Blog:
    www.lu-glidz.blogspot.de


  7. #22
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    AW: kurzes Steigen in Abständen beim Soaring

    aber wieso sollte feuchte Luft "aufstiegstreibend" sein?
    Antwort: feuchtere Luft hat eine geringere Dichte.
    vgl. http://www.hygrothermik.de/rechner/feuchterechner8d.php (netter online-Rechner um "Luftmassen" zu vergleichen)

  8. #23
    DHV-Mitglied Avatar von luaas
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    AW: kurzes Steigen in Abständen beim Soaring

    Zitat Zitat von fuschertom Beitrag anzeigen
    Hi Lucian,



    Danke für die Erklärung... aber wieso sollte feuchte Luft "aufstiegstreibend" sein? Feuchte Luft benötigt mehr Energie um anschließend wieder erwärmt zu werden und aufgestiegen zu werden.
    Luft, die Feuchtigkeit in Form von Wassergas (nicht kondensiertes Wasser) enthält, ist leichter bzw. hat eine geringere Dichte als trockene Luft gleicher Temperatur. Deshalb wirkt Feuchtigkeit aufstiegstreibend... (zumindest wenn eine feuchte Luftblase in ein Umfeld mit trockenerer bzw. dichterer Luft gerät). Es geht hier nicht um die Erwärmung, sondern allein um Dichteunterschiede. Ein Stichwort, nach dem du mal googeln kannst, um Dich weiter zu informieren, heißt "virtuelle Temperatur". Ein Einstieg: https://de.wikipedia.org/wiki/Virtuelle_Temperatur


    In den Grenzschichten wird die Luft sicher abgebremst - aber was hat das mit der Corioliskraft zu tun? Woher kommt die Querströmung? In den klassischen See/Landwind Betrachtungen die ich habe wird die Corioliskraft explizit vernachlässigt. Kann dir da beim Besten Willen nicht folgen ...
    Ein Beispiel: Der Wind weht genau im Winkel von 90 Grad auf eine Küste. In Küstennähe und v.a. über Land wird er dann aber in Bodennähe durch die erhöhte Reibung abgebremst. Der Corioliseffekt zeigt bei langsamerem Wind weniger ablenkende Wirkung (nach rechts auf der Nordhalbkugel). Deshalb weht der bodennahe Wind über Land nicht mehr mit 90° zur Küstenlinie, sondern kommt etwas mehr von links, mit vielleicht 70°. Allerdings gilt das nur in Bodennähe. Darüber bleibt die Windrichtung (vereinfacht betrachtet) 90°. Der Bodenwind wird für den Höhenwind damit zum querströmenden Hindernis. Diese Scherung kann zu verschiedenen Effekten führen, u.a. zu Welleneffekten oder lokalen Turbulenzen, die beim Küstenfliegen gelegentlich spürbar werden können.
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  9. #24
    DHV-Mitglied Avatar von conny-reith
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    Thumbs up AW: kurzes Steigen in Abständen beim Soaring

    @luaas,

    Gute Erklärung
    Geändert von conny-reith (19.04.2017 um 13:01 Uhr)
    Gruß Conny


  10. #25
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    Smile AW: kurzes Steigen in Abständen beim Soaring

    Das ist mir passiert an der Küste.
    Es gab in sehr kurzer Zeit eine Windrehung um 90° und die brachte mich an einer 30 m Kante auf mehr als 300 m.

  11. #26
    DHV-Mitglied Avatar von luaas
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    AW: kurzes Steigen in Abständen beim Soaring

    Zitat Zitat von berndhoyer Beitrag anzeigen
    Das ist mir passiert an der Küste.
    Es gab in sehr kurzer Zeit eine Windrehung um 90° und die brachte mich an einer 30 m Kante auf mehr als 300 m.
    Nunja, eine plötzliche Winddrehung um 90° deutet eher auf einen deutlichen Luftmassenwechsel (Front) hin. Wenn es da labilisiert, kann es schnell mal auf 300m hoch gehen.
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